Wenn immer wieder der Bauch weh tut . . .
Angst vor der Schule, Probleme mit Freunden oder eine ernste körperliche Erkrankung? Wenn Kinder immer wieder über Bauchschmerzen klagen, kann das viele Gründe haben. "Anhaltspunkte für eine körperliche Erkrankung liefert oft schon die Vorgeschichte, z. B. wenn das Kind auch erbricht, Fieber, Durchfall oder ein allgemeines Krankheitsgefühl hat", sagt Prof. Martin Burdelski, Leiter der Gastroenterologie an der Kinderklinik des UKE. Auch wenn ein Kind nachts von Bauchschmerzen aufwache und bei der Untersuchung genau angeben könne, an welcher Stelle der Bauch weh tue, seien das ernste Hinweise auf eine körperliche Ursache. Mit Laboruntersuchungen und Ultraschall können die Ärzte abklären, ob zum Beispiel eine Darmentzündung hinter den Beschwerden steckt.
"Eine organische Ursache für immer wiederkehrende Bauchschmerzen sind die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa", so Burdelski. Bei diesen Erkrankungen haben die Kinder Bauchschmerzen und oft bis zu 20 Durchfälle am Tag. "Das Fatale: Besonders beim Morbus Crohn dauert es oft Jahre, bis die Krankheit erkannt wird."
Meistens aber beruht der Bauchschmerz auf einer Störung der Magen-Darm-Funktion, etwa durch eine chronische Verstopfung oder psychische Probleme. "Von 100 Kindern mit Bauchschmerzen haben 60 bis 70 funktionelle Bauchschmerzen, für die sich keine körperlichen Auffälligkeiten finden", sagt Burdelski.
In solchen Fällen können Psychosomatik-Spezialisten weiterhelfen. "Wir werden bei Bauchschmerzen zum Beispiel immer hellhörig, wenn sich in der Vorgeschichte zeigt, daß diese nur in der Schulzeit auftauchen, aber nicht in den Ferien und an Wochenenden", sagt Dr. Jan-Gerrit Behrens, Arzt in der Abteilung für Psychosomatik im Altonaer Kinderkrankenhaus. Mit der Erhebung der Vorgeschichte und der Untersuchung des körperlichen und seelischen Befindens, einem Schmerztagebuch und Fragebogen ergründen die Ärzte , ob das Kind in Schule, Freizeit oder Familie seelische Probleme hat. "Ein typisches Beispiel ist die Schulphobie, bei der das Kind letzten Endes nicht mehr zur Schule gehen kann, weil es morgens massive Bauchschmerzen hat, die erst gegen Mittag nachlassen." Ursachen könnten Trennungsangst, Überforderung in der Schule oder Probleme mit Mitschülern sein. Auch Angsterkrankung oder Depressionen können sich in Bauchschmerzen äußern. Bei allen Erkrankungen bestehen Wechselwirkungen zwischen körperlichem und seelischem Befinden, die auch behandlungsbedürftig werden können.
Je nach Ursache wird die Therapie festgelegt. "Bei funktionellen Bauchschmerzen auf Grund einer Verstopfung oder Nahrungsmittelunverträglichkeit steht die Ernährungstherapie im Vordergrund. Dabei ist auch wichtig, dass Kinder genug trinken. Ein sieben Jahre altes Kind sollte einundhalb Liter am Tag trinken, bei starker körperlicher Belastung und hohen Temperaturen zwei Liter. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden mit einer abgestuften medikamentösen Therapie behandelt", so Burdelski.
"Die psychosomatische Behandlung richtet sich danach, in welchem Lebensbereich das Problem liegt und wie stark das Kind dadurch beeinträchtigt ist. Die Abstufung reicht von einer Beratung über eine kinder- und jugendpsychiatrische Betreuung in größeren Abständen bis hin zu psychotherapeutischen Verfahren, die ambulant, teilstationär oder in schweren Fällen auch stationär eingesetzt werden. Die Kinder bekommen zudem eventuell eine Schmerztherapie und lernen, sich zu entspannen, sich selbst zu beruhigen und Wege zu finden, um Probleme zu lösen", sagt Behrens. Um solchen Beschwerden vorzubeugen, gibt er Eltern den Rat: "Kümmern Sie sich nicht nur um körperliche Beschweren Ihres Kindes, sondern auch um sein seelisches Wohlbefinden. Geben Sie ihm die Möglichkeit, über seine Probleme zu sprechen."










