Hamburgs Kliniken vor dem Umbruch
Fallpauschale: Das neue System der Abrechnung bringt viele in Schwierigkeiten
Schrittweise werden die Kliniken auf ein neues System der Bezahlung umgestellt. Die Abrechnung über so genannte Fallpauschalen (DRG = Diagnostic Related Groups) wirkt sich ab 2005 finanziell auf die Krankenhäuser aus. In Hamburg befürchten vor allem Spezialeinrichtungen, dass komplizierte Eingriffe und die Behandlung Schwerkranker nicht mehr angemessen bezahlt werden, "und aufwendige Leistungen haben wir in Hamburg viele", sagt Jürgen Abshoff von der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, die 41 Kliniken vertritt.
Bisher konnte jede Klinik mit einem Jahresbudget rechnen, das ihnen bei bestimmten Leistungen zustand. So konnten klinikintern Verluste in der einen Abteilung mit Gewinnen anderer Stationen ausgeglichen werden. Solche Mischkalkulationen werden immer schwieriger.
Ein weiteres Problem: Viele Krankenhäuser kennen ihre Kosten nicht, jedenfalls nicht bezogen auf bestimmte Patienten oder Krankheitsfälle. Abteilungen für Controlling, die in Firmen dieses Wissen sammeln, hatten Kliniken bisher nicht nötig. Und unter dem Kostendruck der vergangenen Jahre war die Bereitschaft der Kliniken gering, dafür Verwaltungsstellen zu schaffen.
Die derzeit festgelegten Pauschalsätze gehen auf 148 deutsche Kliniken zurück, die sich an einem Kalkulationsmodell beteiligt haben. Drei Millionen Krankheitsfälle wurden durchgerechnet. Heraus kamen knapp 900 Fallgruppen, die in Verhandlungen zwischen Verbandsvertretern der Krankenkassen und Kliniken vereinbart worden sind. "Das ist ein lernendes System, das ständig angepasst werden muss", sagt Dr. Peter Steiner von der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin.
Die Krankenhäuser wollen das Tempo der auf mehrere Jahre angesetzten Umstellung dennoch drosseln. "Wenn wir weiter zögern, hilft das auf Dauer den Kliniken jedoch nicht", hält Günter Ploß dagegen, Hamburger Chef des VdAK, der Dachorganisation von sieben Ersatzkassen.
Denn dem politischen Ziel können sich die Kliniken nicht mehr entziehen: Sie sollen sich dem Wettbewerb stellen und "gute Qualität zu attraktiven Preisen liefern", fordert Theo Riegel von der VdAK-Zentrale in Siegburg.
Bleiben dabei einige Hamburger Krankenhäuser auf der Strecke? "Wir bemühen uns, Fusionen zu unterstützen, um wirtschaftlich günstigere Strukturen zu schaffen", sagt Dietrich Wersich, Staatsrat der Gesundheitsbehörde. Insbesondere die hoch spezialisierten Unikliniken müssen Einbußen befürchten. Von der Höhe der Pauschalen "hängt die Existenz ganzer Kliniken ab", meint Abshoff. Unterm Strich soll das neue Bezahlsystem jedoch für die Versicherten nicht teurer werden. Riegel: "Es geht nicht um Zuwachs, nur um Umverteilung."



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