Tropen-Institut wehrt sich
Tropenmedizin: Das renommierte Institut will selbstständig - und am Hafen bleiben.
Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) - vor einem Jahr weltweit in den Schlagzeilen mit der Entdeckung des tödlichen Lungen-Virus SARS - wehrt sich gegen Übernahmegerüchte. Kürzlich hatte UKE-Chef Prof. Dr. Jörg Debatin vorgeschlagen, das BNI nach Eppendorf auf das Gelände der Uniklinik zu verlagern. Damit könnte der 20 Millionen teure Anbau am Hafen gespart werden. BNI-Direktor Prof. Dr. Bernhard Fleischer hält dagegen: "Das würde keine Kosten sparen" sagt er, "wir würden nur wertvolle Zeit verlieren."
Denn die Arbeiten für den Erweiterungsbau sollen Ende September beginnen. In dem Anbau entsteht auch das neue Sicherheitslabor mit der höchsten biologischen Sicherheitsstufe ("BSL 4"). Das könne in Eppendorf nicht günstiger gebaut werden, so die Tropenmediziner. Eine Umsiedlung des BNI inklusive der klinischen Abteilung - der Tropenklinik - sei schon aus finanziellen Gründen unrealistisch, weil weder Hamburg noch der Bund als Träger die Mittel hätten.
Eine Verlagerung bringe grundsätzlich keinen Vorteil, heißt es im BNI. Zumal es einen Kooperationsvertrag mit dem UKE gebe und man am Hafen nicht alles aufgeben würde, "um eine zehnminütige Wegstrecke nach Eppendorf zu sparen". Die Tropenmediziner sehen sich zudem als Vertreter eines Spezialgebiets, das in der Universitätsmedizin und Ausbildungspraxis nur ein Nischendasein führt. "Wir bilden nur fertige Mediziner weiter aus", sagt Fleischer. Das UKE sei eine von rund 20 Unikliniken in Deutschland, "aber wir sind das Zentrum für Tropenmedizin in Deutschland".
Das BNI ist eine Institution. Hafentouristen wird der mächtige Backsteinbau über den Landungsbrücken als weltberühmtes Tropenkrankenhaus vorgestellt. "Wahrscheinlich sind wir die bekannteste deutsche Klinik", sagt Prof. Dr. Rolf Horstmann, Leiter der Tropenmedizinischen Grundlagenforschung.
Dabei ist die Klinik mit den 62 Betten nur eine Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. 29 Patienten mit SARS-Verdacht sind 2003 aus ganz Deutschland hierher gebracht und stationär behandelt worden.
Die Klinik bereite sich derzeit auf die Umstellung der Bezahlung durch so genannte Fallpauschalen (DRGs) vor. Um wirtschaftlich auf Dauer bestehen zu können, wird bei den laufenden Beratungen mit der Gesundheitsbehörde auch über Kooperationen mit anderen Hamburger Krankenhäusern nachgedacht. Auf jeden Fall soll ein Experte für Krankenhausmanagement verpflichtet werden, "der die Neupositionierung der Klinik begleitet", heißt es aus dem BNI.



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