30.08.03

Schiefe Zähne können krank machen

Spangen: 70 Prozent der Jugendlichen haben eine Klammer im Mund. Der richtige Biss ist auch wichtig für die Gesundheit

Von Christoph Rind

Kathi (9) hat Tränen in den Augen, als sie die Praxis der Kieferorthopädin verlässt. Der Grund ihrer Enttäuschung: Sie braucht keine Zahnspange. "Klammern sind in", sagt Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke (46), Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Unter den Zehn- bis 14-Jährigen haben in Deutschland sieben von zehn eine Spange im Mund. Da gilt es manchem als Makel, wenn er keine nötig hat. Kieferregulierung als Normalfall - müssen so viele Jugendliche eine Zahnspange tragen? "Ja", sagt die UKE-Ärztin, "gesund beginnt im Mund." Fehlstellungen der Zähne könnten auch zu Muskel-, Kiefer- und Kopfschmerzen führen. Der ästhetische Vorteil eines gleichmäßigen Gebisses sei nur ein "netter Nebenaspekt". Ein perfektes Gebiss haben sowieso nur 30 von 100 Menschen. Jedoch sind Abweichungen vom Normalbiss immer dann behandlungsbedürftig, wenn die Kaufunktion eingeschränkt ist. Ein typischer Fall: Ober- und Unterkiefer sind unterschiedlich gewachsen, ein Kiefer schiebt sich deutlich nach vorne, bei geschlossenem Mund klafft eine Lücke vorne zwischen den Schneidezähnen. Ist der Unterkiefer vorgeschoben und beißen die unteren Schneidezähne beim Schließen des Kiefers vor die oberen, sprechen die Mediziner von einer "Progenie", ragt der obere Kiefer zu weit vor von "Prognathie". Bei diesen Kindern liegt die Zunge beim Schlucken häufig nicht am Gaumen an, sondern drückt vorn gegen die oberen Schneidezähne, die durch den ständigen Druck nach außen wachsen. Sie atmen überwiegend durch den Mund statt durch die Nase und leiden deshalb häufig unter Infektionen. Oft lispeln sie auch. Mit diesen Symptomen überweisen immer häufiger auch Kinderärzte oder Hals-, Nasen- und Ohrenspezialisten ihre kleinen Patienten zum Kieferorthopäden. Kahl-Nieke: "Schlucken und Sprechen sind oft beeinträchtigt und diese Kinder sind häufig krank." Allein mit einer Korrektur der Zähne durch eine Klammer ist es meist nicht getan. Kahl-Nieke: "Bei sehr vielen unserer Patienten schalten wir Logopäden oder Muskelfunktionstherapeuten mit ein." Eine falsche Zungenstellung muss man sich unter Anleitung von Spezialisten mühsam abgewöhnen. Ebenfalls nur mit gezielten Übungen lassen sich Sprachfehler korrigieren. Das typische "Klammer-Alter" trifft die Jugendlichen zwischen zehn und 14 Jahren. Bei ausgeprägten Fehlstellungen von Kiefer oder Zähnen rät UKE-Professorin Kahl-Nieke auch zu einer Frühbehandlung. Gerade im Alter zwischen vier und neun Jahren seien die Kinder "hoch motiviert". Die Vorteile: Die Behandlungsdauer ist meist deutlich kürzer als die später veranschlagten vier Jahre. In einigen Fällen ist die Korrektur bei einer Frühbehandlung sogar schon nach einem halben Jahr erledigt. Allerdings biete auch die Frühbehandlung "keine Garantie, dass damit jede spätere Zahnregulierung erledigt ist", so Kahl-Nieke. Haben Kinder, die in den ersten Lebensjahren häufig Schnuller lutschen, später mehr Probleme mit den Zähnen? "Nein", sagt die Kieferorthopädin, die meisten Schnuller seien "kiefergerecht" geformt. Problematischer sei das Daumenlutschen, denn dadurch könnten die Schneidezähne nach vorn gedrückt werden, was später korrigiert werden müsste. Bereits die Stellung der Milchzähne sollte unbedingt von einem Spezialisten kontrolliert werden, rät die Professorin. Denn Fehlstellungen der Kiefer könnten zur Verschiebung der Kiefergelenke führen. Die Kiefergelenke sind bei zwei Drittel der Kinder mit Rheuma von der Entzündung betroffen, was Wachstumsstörungen und Kieferfehlstellungen zur Folge haben kann. Manche Eltern sind besorgt über zu große Abstände zwischen den Zähnen ihrer Kinder. "Aber Lücken im Milchgebiss sind meist unbedenklich", sagt Kahl-Nieke. Mit den bleibenden Zähnen schließen sich später meist diese Zwischenräume. Eine Vielzahl von Zahnspangen sorgt heute für eine auf den Einzelfall abgestimmte Behandlung: . Spangen aus Kunststoff für Unter- und Oberkiefer (herausnehmbar). Nachstellbare Drahtfedern und Bögen richten schief stehende Zähne. . Aktivator und Bionator (Kunststoff, Metall, herausnehmbar) regulieren die Bisslage der Kiefer zueinander. Alle herausnehmbaren Geräte wirken nur, wenn sie mindestens 16 Stunden am Tag getragen werden. . Multiband-Bracket-Apparaturen sind fest mit den Zähnen verbunden. Brackets sind die Plättchen aus Keramik oder Metall auf den Zähnen, die von einem elastischen, dünnen Draht in die richtige Position gedrückt werden. Eine ausgeklügelte Behandlungstechnik kann Fehlstellungen korrigieren. Doch mit entscheidend für die Gesundheit ist immer auch das eigene Verhalten: "Zwei- bis dreimal täglich gründliche Reinigung der Zähne und eine gesunde Ernährung", empfiehlt Kahl-Nieke besonders in der Wachstumszeit, "Schwarzbrot und Müsli, das gut durchgekaut werden muss, denn ein beanspruchter Kiefer wächst besser". Fehlt dieser Reiz durch gesunde Kost und damit die Kieferbewegung, kann es zu einer Unterentwicklung des Kiefers kommen.

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