WHO-Experten: Aktuelle Lage nicht dramatisch
Schweinegrippe: Vor allem junge Leute erkranken
Das neue Grippevirus H1N1 befällt auffallend oft Menschen um die 20. Der Grund ist noch unklar, sagten WHO-Experten bei einem Erfahrungsaustausch in Genf
Die WHO berief eine internationale Expertenrunde zu Beratungen über die Schweinegrippe nach Genf.
Foto: AP
Genf. Mehr als 150 Experten trafen sich auf Einladung der Weltgesundheitorganisation WHO heute zum Erfahrungsaustausch über die Schweinegrippe in Genf. Nach aktuellen Erkenntnissen ist das mutierte Schweinegrippenvirus H1N1 vor allem für Menschen um die Mitte 20 ansteckend. Wie der amtierende WHO-Direktor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji Fukuda, mitteilte, sei die breite Infektion dieser Altersgruppe ungewöhnlich, denn bisher seien bei Grippewellen vor allem ganz junge und alte Menschen betroffen gewesen. Einer der Gründe könnte darin liegen, dass die bisherigen Infektionsfälle vor allem durch Reisen ausgelöst worden seien. „Junge Menschen reisen mehr“, sagte Fukuda.
Es könnte aber auch sein, dass ältere Menschen durch frühere Infektionen bereits eine stärkere Abwehr haben. Insgesamt könne man feststellen, dass das neue Virus in der Regeln nur leichte Infektionen mit Kopfschmerzen, Fieber und Husten auslöse und Frauen und Männer gleich befalle. Untersucht werde aber, wo die Gründe des Todes von bisher 30 Menschen, darunter 29 in Mexiko, lägen. Bisher fehlten der WHO wichtige Informationen, etwa über deren Alter.
Grundsätzlich sieht die WHO in Europa die Lage trotz der relativ hohen Zahl der Ansteckungsfälle in Großbritannien und Spanien noch nicht als dramatisch an. Eine flächendeckende Infizierung, die über Nachbarschaftskontakte hinausgehe, sieht die WHO derzeit noch nicht.
Die WHO will dem Argument nicht folgen, heute sei die Medizin besser gerüstet als etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als bis zu 40 Millionen Menschen an der Grippe gestorben sind. „Wir müssen das genau beobachten, denn wir wissen nicht, wie sich das neue Virus entwickelt“, sagte Fukuda. Auch sei nicht klar, ob die Gesundheitssysteme eine große Zahl gleichzeitig erkrankter Menschen verkraften könnten.




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