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Neues vom Campus

Netzer: Ich wollte gar nicht zum Fernsehen

Journalistik-Studenten der Uni Hamburg haben 30 Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Kultur und Wirtschaft befragt, wie sie mit den Medien umgehen - und die Medien mit ihnen. Nach zwei Semestern harter Arbeit kamen die Interviews jetzt als Buch heraus: "Medienmenschen - Wie man Wirklichkeit inszeniert". Das Abendblatt druckt Auszüge. Heute: Günter Netzer (62).

FRAGE: Herr Netzer, wie konnten Sie, der ewig verletzte Schönwetterfußballer, der lediglich zwei Jahre lang wirklich gut gespielt hat, eigentlich zur Legende werden?

NETZER: Das hat mit meiner außergewöhnlichen Art des Fußballspiels zu tun. Ich habe auf dem Platz mein Innerstes nach außen gekehrt und das ausgedrückt, was ich auch in meinem privaten Leben empfunden habe. So Fußball zu spielen, das ist mir vor allem bei Borussia Mönchengladbach gelungen, nur ganz selten in der deutschen Nationalmannschaft, weil mir dort die vertraute Umgebung fehlte. Aber in dieser kurzen Zeit ist so viel Außergewöhnliches passiert, dass es den Leuten in Erinnerung geblieben ist. Denken Sie nur an meine Selbsteinwechslung und mein Siegtor beim DFB-Pokalendspiel 1973.

FRAGE: Wieso sind Sie später als Moderator wieder ins Rampenlicht zurückgekehrt?

NETZER: Eigentlich wollte ich das nicht. Als die ARD mich fragte, ob ich die WM 1998 mit Gerhard Delling kommentieren wolle, habe ich, obwohl ich im Allgemeinen nun wirklich nicht naiv bin, gedacht: "Gut, du machst das und kehrst nach der Weltmeisterschaft zurück in die Schweiz und hast wieder deine Ruhe." Dass wir so populär werden, hätte ich nie für möglich gehalten.

FRAGE: Sie kritisieren Spieler und Trainer hart und bewahren Distanz. Was halten Sie von dem sonst so häufig anzutreffenden Kuschelverhältnis zwischen Medienleuten und Sportlern?

NETZER: Der Boulevardjournalismus hat zu allen Zeiten erstklassige Kontakte zu den Spielern oder ihrem Umfeld gehabt. Es ist normal, dass gute Beziehungen gesucht werden, Insidergeschichten wären sonst nicht möglich. Aber es muss auch Leute geben, die den Fußball realistisch betrachten. Dazu zähle ich mich. Ich traue mich, Dinge anzusprechen, um die sich andere diplomatisch herummogeln, aus Angst oder weil sie bestimmte Interessen verfolgen.

 

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