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Neues vom Campus

Riesen-Nachfrage: Aber vor allem Frauen haben eine Scheu vor dem Fach

Wo bleiben die Informatik-Studenten?

Der Hamburger Professor Arno Rolf analysiert die Gründe, warum so wenig junge Leute an der Uni Informatik studieren. Sie bringen sich um eine Chance: Absolventen sind gefragt wie nie.

Die Nachfrage nach Absolventen der Informatik war noch so stark wie heute. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ein Hochschullehrer nicht mindestens einen Anruf oder eine Mail einer Firma erhält: "Haben Sie nicht einen guten Absolventen?"

Die Informationstechnik ist heute stärker denn je Schlüsseltechnologie für Wachstum und Globalisierung. Die globale ökonomische Vernetzung von Unternehmen und Menschen ist ohne sie nicht denkbar. Sie hat Arbeitsmärkteund Bildungsanforderungen grundlegend verändert und große Teile des privaten Bereiches durch Internet, Web 2.0 und Computerspiele besetzt. Diese Entwicklung wird sich eher noch verstärken.

Dennoch hat es in den letzten Jahren keinen "Run" auf die europäischen Informatik-Studiengänge gegeben. Ein Grund könnte die zunehmende Attraktivität sogenannter Bindestrich-Informatiken, zum Beispiel der Medien-Informatik, sein.

Auch Fachhochschulen erscheinen attraktiver, weil sie den Anspruch haben, praxisnäher auszubilden.

Ein Hochtechnologieland wie die Bundesrepublik Deutschland braucht jedoch vor allem auch Studierende, die weniger auf kurzfristig praxistaugliche Rezepte und stattdessen auf langfristig tragfähige Konzepte setzen. Denn in einer globalisierten Welt, in der sich das Rad der Innovationen immer schneller dreht, wird nur der mithalten können, der die theoretischen Konzepte, Methoden und Modelle seines Faches beherrscht.

Durch ein Informatikstudium an der Universität werden die Studierenden zu exzellenten technischen und theoretischen Experten ausgebildet, die neue Entwicklungen schnell einschätzen und diese im besten Fall selber voranbringen können.

Die Hamburger Uni-Informatik macht den Studierenden ein zusätzliches Angebot, um sie für die Globalisierung fit zu machen. Sie thematisiert die Veränderungspotenziale für Menschen, Ökonomie und Gesellschaft, die durch Computer und Internet entstehen. Die Studierenden lernen etwas über die informationstechnische Vernetzung der globalen Wirtschaft und erhalten so Wissen, wie alles zusammenhängt. Informationstechnische Fachexpertise wird hier mit Orientierungswissen verknüpft.

Die Erfahrung zeigt, dass das motivierte und neugierige Studierende schafft.

Wie schlägt sich das konkret in der Lehre nieder? Die Methoden und Konzepte der Informatik werden mit alltäglichen Kontexten verknüpft, um ihre Wechselwirkungen ans Licht zu bringen. Dann auftretende Irritationen, fern der gewohnten informatischen Denkweise, sind dabei erwünscht. So wurde in einem Proseminar des Departments Informatik das Thema "Wer oder was fliegt den Airbus?" behandelt. Schnell wurde den Studierenden klar, dass es hier um ein typisches informatisches Großsystem geht, das auf Können, Kontextverstehen, Organisationsfähigkeit und Mitverantwortung der Informatiker verweist. Andere Themen sind: "Warum automatisieren wir nicht einfach alles?" oder "Was wachsen sollte und was schrumpfen muss - Der Beitrag der Informatik zur Klimaproblematik".

Die noch geringen Anfängerzahlen bei Frauen, im Bundesdurchschnitt 15 Prozent, haben wohl etwas damit zu tun, dass die Informatik zuweilen, wenn nicht als "Hackerausbildung" so doch als trockenes Studium der angewandten Mathematik eingestuft wird. Das Wissen um die Möglichkeit kreativer Mitgestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsorganisation oder Umweltlösungen in interdisziplinären Teams und Projekten ist viel zu wenig bekannt. Es hält offensichtlich weibliche Abiturientinnen ebenso vom Studium ab wie das Vorurteil, das Studium vermittle lediglich eine technisch optimierte Sichtweise ohne Berücksichtigung sozialer Kontexte und Wirkungen. Zumindest an der Hamburger Uni ist das anders.

 

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