Exzellenz-Initiative: Hamburger Universitäten scheiterten mit zehn von elf Projekten
"Mehr Geld in die Forschung"
Hamburg schnitt beim bundesweiten Wettbewerb zur Förderung von Spitzenforschung schlecht ab - eine Ursachensuche mit den Hochschul-Präsidenten Monika Auweter-Kurtz (Uni Hamburg) und Edwin Kreuzer (TU Hamburg-Harburg).
Prof. Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Universität Hamburg, macht aus ihrer Enttäuschung über das Abschneiden ihrer Hochschule im bundesweiten Exzellenz-Wettbewerb keinen Hehl: "Ich habe mit so einem Ergebnis nicht gerechnet", sagt sie angesichts der Tatsache, dass mit Ausnahme der Klimaforschung alle eingereichten Projektskizzen gescheitert sind. Für die genaue Ursachenforschung sei es zu früh, aber es gebe "sicherlich auch strukturelle Gründe", so die renommierte Spitzenforscherin.
Ihr Kollege Prof. Edwin Kreuzer, Präsident der Technischen Universität Hamburg-Harburg, sieht das Scheitern des von seiner Hochschule eingereichten Exzellenzclusters Biotechnologie etwas gelassener: "Wir haben uns gegen eine starke Konkurrenz nicht durchsetzen können. Jetzt werden wir versuchen, andere Mittel für das Konzept einzuwerben, beispielsweise als Sonderforschungsbereich."
Hamburg fehlten außeruniversitäre Einrichtungen wie Max-Planck- oder Fraunhofer-Institute, um schlagkräftige regionale Forschungsbündnisse schmieden zu können, sagt Kreuzer. Zudem sei die TU noch zu jung für den Exzellenz-Wettbewerb: Das Renommee von Hochschulen wachse über Jahrzehnte heran, der Aufbau von Spitzenforschung sei nur langfristig möglich.
Beide Hochschul-Präsidenten wollen den universitätsinternen Wettbewerb fördern, um ihre Institutionen noch besser zu machen. "Zu viele Gelder werden an der Universität noch nicht leistungsgemäß vergeben", betont Auweter-Kurtz. "In den Fachbereichen müssen wir Schwerpunkte setzen. Wer durch ein hohes Drittmittelaufkommen seine Forschungsstärke beweist, wird vorrangig gefördert. Allerdings muss auch Hamburg mehr Geld in die Forschung investieren, sonst zwingt uns die Unterfinanzierung dazu, uns fachlich zu beschränken. Ich arbeite mit den Dekanen auch an einer strategischen Berufungsplanung. Es muss gelingen, hochkarätige Wissenschaftler für ausgewählte Professorenstellen einzuwerben."
Natürlich hätten die bei der Exzellenz-Initiative eingereichten Konzepte beste Chancen, universitätsintern gefördert zu werden, so die Präsidentin. "Wir müssen die Begründungen der Ablehnungen abwarten und dann gemeinsam mit den Leitern der Initiativen im Einzelfall entscheiden. Klar ist: Die Gebiete, in denen wir uns beworben haben, sind uns auch strategisch wichtig."
Der Wettbewerb sei für die Uni zu früh gekommen, so Auweter-Kurtz. "Wir haben nicht nur die Umstellung auf die Bachelor-/Master-Abschlüsse zu bewältigen, sondern auch die Bündelung von Fachbereichen in Fakultäten. Sie ist bei Weitem nicht abgeschlossen. Das kostet viel Kraft."
Im Vergleich mit ihrer baden-württembergischen Heimat gebe es dort wesentlich mehr Mittel für die Universitäten - aus dem landespolitischen Haushalt und durch eine Landesstiftung zur Förderung der Forschung. Zudem lege die Hamburger Politik viel zu wenig Gewicht auf die Ausbildung von Spitzenpersonal, kritisiert die Stuttgarterin: "Man konzentriert sich auf den Bachelor und fühlt sich für die Master- oder Graduierten-Ausbildung nicht ausreichend verantwortlich."
TU-Chef Kreuzer sagt rückblickend: "Hamburg hat über viele Jahre die Ausbildungskomponente im Auge gehabt." Auch der gebürtige Bayer lobt die Hochschulpolitik seiner Heimat: "Bayern hat über 20 Jahre in die Forschungslandschaft investiert. Nicht nur in München, auch in Erlangen, Passau, Würzburg und an anderen Standorten."
Nach einem Vierteljahr Hamburg-Erfahrung vermisst die neue Uni-Präsidentin eine gute Vernetzung mit der Wirtschaft, auch mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Auweter-Kurtz: "In Gesprächen, die ich in den vergangenen Wochen geführt habe, wurde immer wieder sehr interessiert nach der Bachelor-Ausbildung gefragt. Mit Ausnahme der vergangenen zehn Tage bin ich sehr wenig auf Forschung angesprochen worden." Für sie steht fest: "Was das Forschungsumfeld betrifft, kann Hamburg derzeit nicht mit München oder Stuttgart mithalten."
Warum das Konzept "Light and Matter" der Uni und des Deutschen Elektronen Synchrotron (Desy) zum zweiten Mal gescheitert ist, versteht die passionierte Physikerin absolut nicht, ebenso wenig die Ablehnung des Clusters Nanotechnologie. "Mit beiden waren wir in der ersten Runde 2006 weit gekommen." Nicht nur die fehlende Aussicht auf zusätzliches Geld ärgert die Uni-Präsidentin: "Das schlechte Abschneiden macht es uns schwerer, Spitzenforscher nach Hamburg zu holen."




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