Sprachkurse für Studenten sollen kostenfrei sein
Hamburgs Hochschul-Chefs kündigen einige Verbesserungen an. Sie sollen aus den neuen Studiengebühren bezahlt werden.
Die Uni Hamburg soll in den kommenden Jahren mindestens 450 mehr Studenten pro Jahr aufnehmen als bisher. Diese Erhöhung der Erstsemesterkapazität um rund zehn Prozent steht an, weil die Gymnasialzeit in den Bundesländern Zug um Zug um ein Jahr verkürzt wird und dadurch "doppelte" Abiturjahrgänge an die Hochschulen drängen. "Wir sind gerne bereit, mehr Studierende aufzunehmen", sagt Uni-Präsidentin Prof. Monika Auweter-Kurtz. Unklar sei die Finanzierung. Mehr Geld aus Hamburg gebe es nicht. Die angekündigten Bundesmittel würden nicht ausreichen, zumal sie nur für ein Bachelorstudium kalkuliert seien. Auweter-Kurtz: "Wir wollen junge Leute aber auch erfolgreich zum Masterabschluss oder zur Promotion führen, denn wir müssen für wissenschaftlichen Nachwuchs sorgen."
Die Technische Uni Hamburg-Harburg (TUHH) soll 100 zusätzliche Studienplätze schaffen. TUHH-Präsident Prof. Edwin Kreuzer sieht ebenfalls Probleme bei der Finanzierung. Er rechnet vor: "Ein universitärer Studienplatz kostet im Schnitt 7400 Euro im Jahr. In Aussicht gestellt werden uns 5500 Euro. Das reicht bei Weitem nicht aus."
Der Ansturm und der finanzielle Engpass treffen die Hochschulen in einer Phase des Umbruchs, der viele Kräfte binde. "Wir müssen mit mehreren Bällen gleichzeitig jonglieren", sagt Kreuzer. Die Umstellung auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master koste Kraft, weil ein Großteil der Studenten noch nach den alten Bedingungen, zum Beispiel in Diplomstudiengängen, ausgebildet wird und deshalb beide Ausbildungswege parallel laufen.
Auch die ab dem Sommersemester fälligen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester setzen die Hochschulen unter Zugzwang. Dieses Geld soll direkt die Studienbedingungen verbessern. Die Hochschulen wollen in Vorleistung treten, um sofort vom Sommersemester an sichtbare Veränderungen vorzuweisen. Den TUHH-Studenten verspricht Kreuzer: "Wir schaffen zusätzliche Flächen für Studierende und studentische Arbeitsplätze mit Laptopanschlüssen." Spätestens bis 2009 sollen auch die ersten Räume im Gebäude der Schwarzenberg-Kaserne genutzt werden können. Etwa 20 Prozent der insgesamt 6000 Quadratmeter sind für ein studentisches Lern- und Kommunikationszentrum vorgesehen. Da derzeit die Finanzierung des Projekts noch nicht gesichert ist, hofft der TUHH-Chef auf Sponsoren.
Die Uni-Präsidentin will die Zusatzeinnahmen durch die Studiengebühren auch nutzen, um die vor einigen Jahren eingeführten Kosten für Sprachkurse wieder abzuschaffen. Diese wurden damals von der Uni an die Volkshochschule verlegt: "Sprachkurse müssen kostenlos sein", sagt sie. Zumal die jungen Leute ermuntert werden sollen, "auch einige Semester im Ausland zu studieren, und nicht nur in englischsprachigen Ländern, auch in Skandinavien, Italien oder Spanien, damit wir in Europa stärker zusammenwachsen." Auch eine bessere Betreuung bei kleinerer Teilnehmerzahl in den Tutorien und erweiterte Bibliothekszeiten sollen an der Uni durch die Studiengebühren finanziert werden.
Das im Herbst 2006 mit Problemen gestartete Studieninformationssystem ("Stine") sieht die Uni-Chefin "relativ gut auf dem Weg". Einige Mängel, die "Stine" zugeschoben wurden, seien "Probleme der Studienorganisation" gewesen. "Ich bin sehr froh, dass ich ,Stine' habe", so die Präsidentin, auf deren Schreibtisch im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Computer und Laptop stehen. Das System mache Schwachstellen schnell sichtbar, etwa bei der Überbuchung von Seminaren, "die Probleme können wir dann schneller lösen".



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