400 protestierten: Aufstand der Wirtschafts-Ingenieure
Neues vom Campus
Über 400 Studierende des Studienganges Wirtschaftsingenieurwesen (HWI) protestierten gestern auf dem Campus der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Auslöser für ihren Unwillen sind Pläne der TU, den bisher universitätsübergreifend organisierten Studiengang vom kommenden Wintersemester an allein auszurichten. Die TU will so den Studiengang internationaler machen und die Qualität der Lehre heben.
Derzeit wird das Fach in Kooperation mit der Universität Hamburg und der HAW ausgerichtet. Bei ihren bisherigen Partnern stößt das Vorhaben der TU auf wenig Gegenliebe. Weder Uni noch HAW möchten die hochschulübergreifende Organisation verändern. Uni-Präsident Jürgen Lüthje sagte dem Abendblatt: "Die Universität Hamburg legt großen Wert darauf, den hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen in dem sogenannten Dreisäulenmodell mit der TU und der HAW weiterzuführen."
Auch Vertreter großer Unternehmen haben sich für die Beibehaltung des Modells ausgesprochen. Die Organisatoren des Protestes vermuten hinter den Bestrebungen der TU eine Kompensation für das Fach Stadtplanung, das die TU an die HafenCity-Universität abtreten mußte. Auch finanzielle Motive seien denkbar, da mehr Studenten auch mehr Geld für die TU bedeuten würden. Die Studierenden sehen in den Bestrebungen eine Gefahr für die Qualität ihres Studiengangs. Die interdisziplinäre Vielfalt und Qualität würde mit dem Wegfall der Kooperation leiden, glauben sie.
Gerade die hochschulübergreifende Kooperation mache den Studiengang aus. Tatsächlich ist das Fach bei der Wirtschaft beliebt. An der TU sieht man die Thematik anders. TU-Sprecherin Jutta Werner hält den Protest "für einen Treppenwitz der Geschichte", da es die Studierenden selbst gewesen seien, die 2001 eine Verlagerung des Studienganges an die TU angeregt hätten. Die Befürchtungen, daß dann die Interdisziplinarität und die Qualität in Gefahr gerieten, läßt sie nicht gelten: "Von der TU zu sprechen heißt von Interdisziplinarität zu sprechen." Angesichts der breiten Opposition hoffen die Studierenden auf den Erfolg ihres Protestes.
Bislang sei jedenfalls noch nichts entschieden, heißt es aus der Behörde für Wissenschaft.



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