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Forschungsreise

Meteor-NotizBlog: Eintrag 7

Eisenbahnräder in der Tiefe

Mit Geschichten aufgeladene Eisenbahnräder dienen als Bodenhalterung für die vielen Geräte, die Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Strömungsverlauf messen.

Ausgemusterte Eisenbahnräder an Bord des Forschungsschiffes "Meteor". Sie werden tief im Atlantik versenkt und dienen als Bodenhalterung für viele Geräte, die Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Strömungsverlauf messen.
Foto: VON NEUHOFF

N 17° 36' 00.00" / W 024° 12' 00.00". Vielleicht gehören Sie ja auch zu den Menschen, die als Pendler ihren Arbeitsplatz in einer Großstadt haben. Jeden Morgen rein in die Stadt und abends wieder zurück aufs Dorf. Ins Grüne, irgendwo am Rande der lärmenden Metropolen.

Viele lassen das Auto mittlerweile stehen und steigen lieber in einen Zug. Momente poetischer Melancholie nach getaner Arbeit: Schweigend ziehen Vorstadtgärten vorüber und wahrscheinlich wird kaum einer genau wissen, welche Landschaften sich wirklich dahinter verbergen. Stattdessen viele Gedanken am Zugfenster: Ein Werftarbeiter drückt sacht die Hand seiner Frau. In den nächsten Wochen könnte er seinen Arbeitsplatz verlieren. Die Verkäuferin aus dem Schuhladen ist zufrieden, weil die Kunden heute so freundlich waren. Der Zollbeamte aus dem Hafen trauert über die leeren Container. Der Autoverkäufer freut sich auf den nächsten Urlaub . . .

Jeden Morgen lösen viele Pendler wieder eine neue "Denklandschaft" für ihre Fahrt mit dem Zug - ein Ticket in die Traumwelt. Unter Ihnen ächzen die Räder und tragen millionenfache Gedankenfetzen in die Welt. Irgendwann aber werden diese tragenden Räder der persönlichen Geschichte ausgemustert.

Und vor genau 20 Monaten wurden 1,5 Tonnen dieser Pendlergeschichte im Atlantik versenkt. Im Rahmen der Kooperation europäischer Meeresforschungsinstitute und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann IFM-Geomar "Schiffszeit" auf anderen Forschungsschiffen in Anspruch nehmen. In diesem Fall nahm das französische Forschungsschiff "L’Atalante" wichtige Messinstrumente mit an Bord und versenkte sie an einem langen Stahlseil 60 Seemeilen vor den Kap Verden.

Unsere mit Geschichten aufgefüllten Eisenbahnräder dienen nun als Bodenhalterung für die vielen Geräte, die Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Strömungsverlauf messen. Auftriebskörper aus Glas und Kunststoff halten sie in der Wassersäule. Jede dieser Kugeln bietet einen Auftrieb zwischen 20 und 22 Kilo und je nach Gewicht der Messgeräte, Stahlseile und Verbindungen wird die Anzahl der Kugeln festgesetzt.

Heute laufen wir unsere erste Station an: Aus dem Bug der "Meteor" fährt ein "Spargel" (Hydrophon) aus und sendet Signale zu einem Auslöser in 3599 Meter Tiefe. Die aufgeschichteten Eisenbahnräder bleiben im Sediment. Die frei gegebene "Wissens-Perlenkette" aber schießt mit einem Meter pro Sekunde an die Meeresoberfläche. Die fast 3500 Meter Stahlseil werden mit den angehängten Instrumenten Stück für Stück auf die "Meteor" gehievt, um die Daten auszuwerten.

Nach fast vier Stunden sind Auftriebskörper wie auch Geräte sicher an Bord und die Reise kann weiter gehen: Auf der Suche nach Daten aus der Tiefe für die weitere Forschung ...

 

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