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Forschung

Botanikertreffen: 900 Forscher aus 15 Nationen in der Uni Hamburg

So verständigen sich die Pflanzen

Mithilfe der Molekularbiologie kommen Forscher Geheimnissen der Natur auf die Spur - ein wichtiges Thema beim Kongress in Hamburg.

Fast 900 Kongressteilnehmer aus 15 Nationen und zahlreiche Tagesgäste erwartet das Biozentrum Klein Flottbek zur Botanikertagung, die heute im Chemischen Institut der Universität Hamburg beginnt. "Wir haben das Themenspektrum sehr breit angelegt, damit auch Wissenschaftler zusammenkommen, die sich sonst auf Tagungen selten oder gar nicht treffen", sagt Konferenzpräsident Prof. Michael Böttger, Direktor vom Biozentrum und Botanischen Garten.

Alle zwei Jahre tagen die deutschen Botaniker, bereichert durch ausländische Kollegen. Dieses Mal sind drei Jahre seit der letzten Konferenz vergangen, denn das Hamburger Treffen soll gleichzeitig das 125-jährige Bestehen der Deutschen Botanischen Gesellschaft würdigen. Während die Forscher in der Zeit um 1882 Pflanzengewebe untersuchten, die Fortpflanzung von Blütenpflanzen entdeckten und Exemplare aus fernen Ländern katalogisierten, betrachten die Botaniker heute vor allem die winzigen Bausteine der Pflanzen, etwa ihr Erbgut oder chemische Substanzen, die das Pflanzenleben steuern.

"Die Molekularbiologie ist bahnbrechend. Sie hat dafür gesorgt, dass in unserem Fach die Post abgeht, hat die Biologie in eine Spitzenposition beim Fortschritt der Naturwissenschaft gebracht", sagt Böttger. Die Zwergenwelt der Moleküle erklärt bei der Analyse von Erbgut die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Flora. Sie ist die Basis von "Signalketten", die zum Beispiel dafür sorgen, dass eine Pflanze darauf reagiert, wenn eine Raupe an ihren Blättern frisst. Das Grünzeug antwortet dann mit einer Substanz, die die Verdauung der Raupe hemmt. Und es warnt seine Nachbarn mit der chemischen Botschaft: "Ich werde angegriffen - rüstet euch!"

Auf molekularer Ebene lässt sich erklären, wie eine Pflanze verstärkt zum Licht hin wächst. Auslöser ist ein Wachstumshormon, das innerhalb von 70 Minuten nach Beginn des Lichteinfalls aktiv wird. Der Mini-Maßstab ist auch die Basis für gentechnische Veränderungen am pflanzlichen Erbgut. Böttger: "Wir wollen dieses Thema nicht aussparen, auch wenn wir wissen, dass es gesellschaftlich umstritten ist. Hier in Hamburg haben wir sehr gute Gentechniker, etwa im Projekt, das die gesunde Omega-3-Fettsäure im Raps anreichert. Solche Eingriffe kommen direkt den Menschen zugute, die Produkte der transgenen Pflanzen in Zukunft essen."

Die vielfältigen Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen, Viruserkrankungen, Holzbiologie, Algen, eingewanderte, nicht heimische Pflanzen (Neophyten) und die Ausbreitung von Wüsten sind weitere Themen des fünftägigen Kongresses. "Um die Tagungsgebühr niedrig zu halten, haben wir möglichst viel in Eigenregie gemacht. Die Angestellten des Biozentrums Klein Flottbek haben dabei fantastisch mitgezogen", lobt Böttger.

Fast 70 Vorträge und 500 Posterpräsentationen waren zu organisieren, dazu 18 000 Tassen Kaffee (gespendet von der Rösterei Darboven) und vieles mehr. So werden die Teilnehmer zum Abschluss, am Freitag, auf Exkursionen gehen - wahlweise in die Parks an der Elbe, ins Wilhelmsburger Stadtgrün, ins Arboretum (Baumpark) in Ellerhoop, nach Helgoland oder Sylt.

Zusätzlich zum Fachprogramm gibt es am Mittwoch, Donnerstag und Freitagvormittag Vorträge für Schüler im Biozentrum Klein Flottbek. Sie befassen sich mit aktuellen Themen wie Klimawandel, Pflanzenkrankheiten oder dem Genom des Menschen. Demonstrationen im Botanischen Garten und in den Gewächshäusern sowie eigene Untersuchungen am Mikroskop runden das Programm ab (Informationen: www.biologie.uni-hamburg.

de/bt07/bt07schuler.htm).

Hamburg sei eine wunderschöne Stadt, die zum Bummeln und Besichtigen einlädt, sagt Michael Böttger heute zur Begrüßung der Teilnehmer. "Alternativ haben wir uns alle Mühe gegeben, um Ihnen ein exzellentes Programm zu präsentieren. Deshalb hoffen wir aufrichtig, der Kongress werde Sie so faszinieren, dass Ihnen keine Zeit zum Sightseeing bleibt."

Schade eigentlich.

Öffentlicher Abendvortrag:

"Pflanzen contra Herbivore" - Wie sich Pflanzen gegen ihre Fressfeinde wehren, heute, 19.30 Uhr, Chemisches Institut, Hörsaal A, Martin-Luther-King-Platz 6.

Weitere Infos im Internet: www.botanikertagung.de

 

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