Naturvölker verlieren ihr Wissen
Viele Naturvölker besitzen ein bedeutsames Wissen über Pflanzen, über deren Nährwert und Heilwirkung. Am Volk der Tsimane im Amazonasgebiet konnten US-Forscher jetzt nachweisen: Die Kinder sind umso gesünder, je mehr ihre Mütter über Pflanzen wissen. Dieses Wissen werde aber bedroht durch die Globalisierung: Je stärker sich Naturvölker kommerziellen Lebensmitteln zuwenden, desto schneller gehe das alte Wissen verloren.
"Wie andere Völker in abgelegenen Gebieten müssen sich die Tsimane auf ihre Fähigkeit verlassen, natürliche Ressourcen auszubeuten, um die Gesundheit ihrer Kinder zu erhalten", sagt Victoria Reyes-Garcia von der Brandeis University. "Jedoch suchen Tsimane neue ökonomische Möglichkeiten, die diesen Aspekt ihrer Kultur untergraben."
Die Forscher hatten die Gesundheit von 330 Kindern zwischen zwei und zehn Jahren untersucht. Dazu befragten sie deren Eltern über ihre botanischen Kenntnisse. Beim Gesundheitszustand achteten die Forscher auf das Funktionieren ihres Immunsystems, auf die Hautfaltendicke, um die Fettreserven zu schätzen sowie auf die Körpergröße, um eine eventuelle Wachstumshemmung festzustellen.
Die Wissenschaftler ermittelten einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Gesundheitszustand und dem Wissengrad der Eltern, vor allem der Mütter, über die Pflanzeneigenschaften. So stellten sie fest, dass in Familien, bei denen die Mütter nur noch wenig über die heimische Pflanzenwelt wussten, im Schnitt eines von fünf Kindern unter einer Wachstumshemmung litt. In Familien, deren Mütter sich noch gut mit Pflanzen auskannten, war nur eines von zehn Kindern von Wachstumshemmung betroffen. "Globalisierung bedroht dieses Wissen insofern, als formale Schulausbildung und Berufe in wachsenden Märkten das alte Volkswissen abwerten und stattdessen Zugang zu Produkten schaffen, die nicht aus den lokalen Ressourcen stammen", sagt Reyes- Garcia.



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