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Forschung

Darmstädter Forscher finden Kaisergrab in China

Forscher der TU Darmstadt haben vermutlich ein lange gesuchtes chinesisches Kaisergrab der Tang-Dynastie aus dem 7. Jahrhundert ausfindig gemacht. Die Entdeckung gelang den Architekten am Computer im Rahmen der virtuellen Rekonstruktion der Grabanlagen um die berühmte Terrakotta-Armee.

Die chinesische Stadt Xi'an ist weltberühmt für die drei Gruben der Terrakotta-Armee. Sie sind Teil der riesigen Grabanlage des 210 v. Chr. verstorbenen Ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi. Kaiser Taizong, zweiter Kaiser der Tang-Dynastie und einer der mächtigsten Herrscher in der Geschichte Chinas, wurde 649 ebenfalls in der Nähe von Xi'an begraben. Wo genau die Grabkammer liegt, wusste trotz jahrzehntelanger intensiver Suche bislang niemand.

Die Darmstädter Architekten haben nun mithilfe von Computersimulationen konkrete Hinweise gefunden. "Wir sind uns sicher, dass er in der Bergspitze des 1200 Meter hohen Berges Jiuzongshan liegt, zumal wir unsere Vermutungen vor Ort verifiziert haben. Doch den letzten Beweis erhalten wir natürlich erst, wenn das Grab geöffnet ist", erklärt Prof. Manfred Koob von der TU Darmstadt. Die Entdeckung des Eingangs zur Ruhestätte war reiner Zufall, meint Koob. "Wir haben das Grab nicht gesucht. Wir hatten uns vielmehr zur Aufgabe gemacht, ein dreidimensionales Modell des 100 mal 140 km großen Gebietes um die alte Kaiserstadt Xi'an zu entwerfen: Hier wurden bislang 31 Kaisergräber aus drei Dynastien nachgewiesen."

Bis ins Detail rekonstruierten die Darmstädter die Grabanlage des Ersten Kaisers, von der das achte Weltwunder - die tönerne Armee - nur ein kleiner Teil ist, sowie die Grabanlage des zweiten Kaisers Taizong. Für die Rekonstruktionen am elektronischen Zeichenbrett genügten den Darmstädtern in Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern die wenigen Funde vor Ort, zeitgenössische Schriften sowie der Vergleich mit ähnlichen Gebäuden.

Abgesehen von der Terrakotta-Armee sind vor Ort nur wenige Mauerreste zu sehen, sodass Besuchern die unglaubliche Pracht der Anlagen völlig verschlossen bleibt. Die künstliche Unterwelt, so steht es in alten Schriften geschrieben, stehe "an Glanz der äußeren Welt in nichts nach".

Das Mausoleum des Ersten Kaisers etwa birgt in 180 Gruben die komplette kaiserliche Welt, von seiner Armee über das Waffenarsenal bis hin zu gartenähnlichen Anlagen. Von der über 8000-köpfigen Armee des Kaisers trägt jeder einzelne Soldat individuelle Gesichtszüge und Haartracht, die Kleidung ist bis ins Detail nachgearbeitet. Nicht minder aufwendig sind die Nachbildungen ihrer Pferde, Rüstungen und Waffen, mit denen sie dem verblichenen Kaiser auch im Jenseits zur Seite stehen sollten. Das Computermodell lässt nun die Pracht erahnen.HA

 

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