Hafencity: Planetariumsdirektor Thomas Kraupe skizziert erste inhaltliche Konzepte. Sterne, Erde und Wasser: Geowissenschaften bilden Schwerpunkt. Zentrum für Weltraumwetter und Kooperation mit Hamburger Forschern sind geplant. Was die Besucher im Jahre 2011 erwartet.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Das Hamburger Planetarium soll im Jahre 2011 aus dem Stadtpark in die HafenCity ziehen. Hier soll für mehr als 47 Millionen Euro ein 7700 Quadratmeter großes Science Center mit Planetarium, Ausstellungsbereich und Aquarium entstehen. Was erwartet die Hamburger hier?

Mehr zum Thema

"Es wird ein blaugrünes Science Center", sagt Thomas Kraupe. Die Idee: die Sternenwelt mit der Wasserwelt verbinden. In dem imposanten Gebäude des niederländischen Architekten Rem Kohlhaas soll es einen Dreiklang aus Sternen, Erde und Wasser geben.

Die Geowissenschaften, die in Hamburg unter anderem mit dem Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften (ZMAW) und den international renommierten Klimaforschern stark verwurzelt sind, sollen den Schwerpunkt des Science Centers bilden. "Alles, was im ZMAW stattfindet, dreht sich letztlich um den Wandel der Erde - das wird das zentrale Thema des Hamburger Wissens-Museums", so Kraupe. "Wir wollen die Forschung in Hamburg präsentieren." Auch mit der Sternwarte Bergedorf soll das Museum zusammenarbeiten.

Mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) und der Max-Planck-Gesellschaft ist der Planetariumsdirektor darüber hinaus im Gespräch, ein Kompetenzzentrum für Weltraumwetter nach Hamburg zu holen. "Die Forscher wollten dieses Zentrum nach einer Tagung zum Sonnenwetter, die wir in diesem Jahr im Stadtpark hatten, gern im oder am Planetarium unterbringen", so Kraupe. Doch dort gibt es keinen Platz. Die Idee ist nun, das Zentrum mit ein paar Arbeitsplätzen für Wissenschaftler in das Science Center zu integrieren. Das Weltraumwetter hat extreme Auswirkungen auf die Erde - im Planetarium und im Science Center könnte die Arbeit der Forscher anschaulich und erlebbar gemacht werden.

Aber daneben soll auch das Deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy) - das bereits bei der Expo 2000 mit einer eigenen Ausstellungshalle Qualitäten als Science Center bewiesen hat - in die Arbeit des Science Centers am Hafen integriert werden. Kraupe: "Desy hat auch zur gerade veranstalteten Nacht des Wissens tolle Objekte gemacht, die die schwierigen Forschungsthemen des Instituts gut veranschaulichen."

Doch es sind auch Grenzen gesetzt: "Wir können in Hamburg kein zweites Deutsches Museum bauen", sagt Kraupe. Es kann nicht alle Bereiche der Wissenschaft und Technik umfassen. "Wir müssen uns konzentrieren - auf das Spektrum Mensch, Sterne, Erde, Wasser, Klima und Luft."

Die Diskussionen über das genau ausgearbeitete Konzept werden sich über das kommende Jahr hinziehen. Unter der Leitung der Kulturbehörde werde es eine "Lenkungsgruppe" geben, in die auch die Wissenschaftsbehörde, die Schulbehörde sowie Forschungseinrichtungen und Hochschulen mit einbezogen werden sollen. Erst nach dieser Diskussion soll das Innere des Gebäudes vom Architekten geplant werden.

Das Konzept des Hamburger Science Centers soll weltweit einzigartig sein: "Eine Verbindung zwischen Planetarium, Ausstellung und Aquarium gibt es sonst nirgends auf der Welt", sagt Kraupe, der bereits von 1996 bis 2000 am Ausbau des New Yorker Planetariums zum Science Center mitgearbeitet hat. Dieses "Rose Center for Earth and Space" ist am ehesten mit den Plänen in Hamburg vergleichbar.

Der Kern des Hamburger Science Centers soll keine Dauerausstellung sein: Die 3200 Quadratmeter Fläche sollen mit wechselnden Ausstellungen immer wieder neue Themen bearbeiten und die Besucher neu anlocken. "Wir wollen ein aktuelles Museum sein", sagt Kraupe. Das Museum soll auch ein "fliegendes Klassenzimmer" sein - mit kleinen Hörsälen.

Auch die große Freifläche neben dem Gebäude soll genutzt werden: für Installationen und das praktische Erleben des im Gebäude Erlernten. Auf der Seite des Gebäudes im Magdeburger Hafen könnte es einen Anleger für Exkursionen mit Hafenbarkassen geben.

Für den Planetariumsdirektor ist klar, daß die drei Teile des Science Centers - Planetarium, Ausstellungsbereich und Aquarium - eng verzahnt werden müssen. "Gerade Planetarium und Ausstellung müssen eine Einheit sein", so Kraupe. Das Planetarium beschränkt sich schon heute nicht mehr darauf, nur Sternenbilder zu zeigen und zu erklären. Mit der modernen Technik des Planetariums lassen sich selbst Bilder zu Themen wie etwa Gentechnik spannend visualisieren.