AAAS Gravitationswellen, Titan oder neue Sprachformen - Themen, die Wissenschaftler bewegen.

Die größte Wissenschaftskonferenz der Welt: 10 000 Teilnehmer kamen nach Washington, um sich auf mehr als 150 Symposien über die neuesten Entwicklungen in allen Bereichen der Wissenschaft zu informieren. Das Abendblatt berichtet von der Jahrestagung der Amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften (kurz AAAS - gesprochen: Triple-A-S). Schlaglichter.

Einstein@Home Am Wochenende wurde auf der AAAS in Washington das weltweite Forschungsprojekt "Einstein@Home" gestartet. Millionen ganz normaler Computerbenutzer sollen bei diesem Projekt mithelfen, Gravitationswellen im Universum nachzuweisen. "Einstein@Home" ist ein Gemeinschaftsprojekt von amerikanischen und deutschen Wissenschaftlern im Rahmen des "Weltjahres der Physik 2005", das von der Unesco ausgerufen wurde. Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie Einsteins gibt es solche Gravitationswellen - ausgelöst beispielsweise durch die Kollision von Schwarzen Löchern - bei denen sich die Raumzeit verbiegt. Bislang ist es allerdings noch niemandem gelungen, diese Wellen nachzuweisen. Nun sollen die Meßdaten von drei Gravitationsdetektoren - zwei in den USA und einer in Deutschland - mit der geballten Rechenleistung der über das Internet verbundenen Heimcomputer ausgewertet werden. Der deutsche Detektor ist das "GEO600" in Hannover. Er wurde vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garchingen, dem Institut für Gravitationsphysik an der Universität Glasgow und dem Institut für Atom- und Molekularphysik der Universität Hannover entwickelt. Wer von zu Hause aus mithelfen will, Einsteins Theorie zu beweisen, lädt sich von der Webseite (http:// einstein.phys.uwm.edu/ oder www. boinc.de/einstein.htm) ein Datenpaket herunter. Dies läuft wie ein Bildschirmschoner, und sowie der Rechner Leerlauf hat, wird das Datenpaket bearbeitet. Ist die Aufgabe gelöst, wird sie zurück an den "Einstein@Home"-Server geschickt. Das bekannteste Projekt dieser Art ist "Seti@Home", bei dem Rechner aus aller Welt nach außerirdischem Leben suchen.

Titan ist Peter Pan Der Saturnmond Titan hat - mit Ausnahme von Wärme und Licht - alles, was für Leben auf dem Titan notwendig wäre. Die erste Analyse von Daten der im Januar auf Titan gelandeten europäischen Raumsonde "Huygens" zeigt: Der Saturnmond gleicht der jungen, aber tiefgefrorenen Erde. "Titan ist der Peter Pan unseres Sonnensystems. Es ist eine kleine Welt, die nie erwachsenen wurde", sagte Tobias Owen von der Universität Hawaii, die zur internationalen Forschungsgruppe gehört, die die Daten der Raumsonden "Cassini" (USA) und "Huygens" (Europa) analysiert. Laut Owens haben die extrem tiefen Temperaturen von rund minus 143 Grad jene chemischen Reaktionen verhindert, die auf der Erde den Beginn allen Lebens auslösten.

Die Instant-Sprache Auch das ist bereits Gegenstand der Forschung: die schnelle Kommunikation im Internet per Instant-Massage-System (IM). Naomi Baron von der American University ist wohl die erste Wissenschaftlerin überhaupt, die diese moderne Übermittlungsform unserer Sprache am Beispiel von College-Studenten untersucht hat. Nach ihren Forschungsergebnissen ist eine Mitteilung per Instant-Messaging im Durchschnitt nur 5,4 Wörter lang. 22 Prozent aller "Sendungen" bestehen sogar nur aus einem einzigen Wort. Im Durchschnitt macht ein Teilnehmer vier Sendungen pro Minute. Ist diese schnelle Form der E-Mail eher wie Schreiben oder Sprechen? Professor Naomi Baron: "Die Geschlechter benutzen das Medium sehr unterschiedlich. Für Frauen ist es eher wie Schreiben, für Männer wie Sprechen." Insgesamt werde von den Studenten E-Mail als eher formale Sprache, IM als völlig informell betrachtet.

Weitere Informationen im Internet: zur Wissenschaftskonferenz: www.aaas.org/meetings zum deutschen Detektor: www.geo600.uni-hannover.de zur Cassini-Huygens-Mission: http://saturn.jpl.nasa.gov/home/ index.cfm