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Forschung

CERN: Teilchenbeschleuniger bei Genf startet morgen den Betrieb

Das größte Physik-Experiment der Welt

Kritiker befürchten den Weltuntergang. Doch die Forscher wollen die Geheimnisse der Materie lösen. Grafik des Teilchenbeschleunigers im Artikel.

Mehr als hundert Meter unter der Erde, im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Frankreich, geht morgen das komplexeste physikalische Experiment der Welt an den Start: Eine 27 Kilometer lange, kreisförmige Röhre wurde für 3,76 Milliarden Euro durch den Untergrund bei Genf gebohrt, um bei minus 271 Grad Celsius völlig neuartige Experimente vornehmen zu können. 5000 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiten daran, im Large Hadron Collider (Großer Hadronen-Speicherring, LHC) physikalische Teilchen unterhalb der Größe eines Atoms auf nahezu Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen und miteinander kollidieren zu lassen. Ihr Ziel: Sie wollen die Geheimnisse der Materie ergründen.

PDF: Der große Teilchenbeschleuniger des CERN. Hier klicken!

"Wir betreten Neuland für die Physik", freut sich Projektteilnehmer Peter Jenni. Die Wissenschaftler des Atomforschungszentrums Cern sind großen Mysterien der modernen Physik auf der Spur. Sie wollen unter anderem das sogenannte Higgs-Teilchen dingfest machen, das seit den Theorien des Briten Peter Higgs aus den 1960er-Jahren durch die Elementarteilchenphysik geistert.

Daneben geht es um die Supersymmetrie und das Rätsel, warum nur vier Prozent des Kosmos aus sichtbarer Materie bestehen - 23 Prozent jedoch aus dunkler Materie und 73 Prozent aus dunkler Energie. Indem sie Protonen und Ionen in der Röhre herumschleudern, um sie dann gezielt aufeinanderprallen zu lassen, wollen die Cern-Forscher schließlich Konstellationen nahe am Urknall ("Big Bang") erzeugen, Temperaturen hundertmal so heiß wie die Sonne. Ihre Hoffnung: Aufschluss über die Entstehung des Universums.

Der Hadronen-Speicherring ist ein Projekt der Superlative: Die Spitzengeschwindigkeit der Ionen soll bei 99,9999 Prozent der Lichtgeschwindigkeit liegen. Die größte der unterirdischen Aufprall-Kammern ist 46 Meter lang, 25 Meter hoch. Allein diese Kammer wiegt 7000 Tonnen. Wenn ein Teilchen im LHC auf Höchsttempo kommt, kann es in zehn Stunden eine Strecke von zehn Milliarden Kilometer zurücklegen. Um ihre Röhre zu kühlen und die Teilchen zu beschleunigen, benötigt die Anlage 120 Megawatt Energie - so viel wie alle Privathaushalte der Genfer Region.

Gegner des Hadronen-Speicherrings um den Tübinger Biochemiker Otto Rössler befürchten angesichts der gigantischen Ausmaße unkontrollierbare Reaktionen bis hin zu einem Weltuntergang. Sie versuchten, den LHC-Start durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu stoppen. Die Straßburger Richter verwarfen die Beschwerde jedoch.

Nun haben die Cern-Forscher eine Kampagne gestartet, um der Öffentlichkeit zu vermitteln, warum die Anlage keinen Weltuntergang heraufbeschwören kann. Selbst die stärksten Kritiker müssen zumindest nicht befürchten, dass ihnen morgen etwas zustößt: Der Speicherring wird zwar um 9.30 Uhr in Betrieb genommen, doch die Teilchen-Beschleunigung braucht ihre Zeit. Größere Experimente und Teilchen-Kollisionen sind erst in einigen Wochen zu erwarten.AFP

 

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