Stammzellen: Rezept zur Reprogrammierung wird einfacher
Für eine Sensation sorgte vor zwei Jahren das Team um den japanischen Stammzellforscher Shinya Yamanaka: Sie verwandelten ausgereifte menschliche Hautzellen in eine Art Urzustand zurück. Es entstanden die "induzierten pluripotenten Stammzellen", kurz iPS. Ihr Vorteil: Sie verhalten sich wie menschliche embryonale Stammzellen, ohne dass sie aus menschlichen Embryonen gewonnen wurden. Ihr Nachteil: Für die Therapie sind diese Zellen unbrauchbar, weil sie das Risiko erhöhen, dass Krebs entsteht, wie Tierversuche zeigten. Einen Risikofaktor schalteten jetzt die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für molekulare Medizin in Münster aus, wie sie in der aktuellen Ausgabe des britischen Wissenschaftsjournals "Nature" berichten. Das Forscherteam setzte die Zellen erwachsener Mäuse schonender und auch sicherer als bisher in ihren Urzustand zurück. Damit haben sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu Stammzellen, die für einen Patienten maßgeschneidert werden können, zurückgelegt.
Enthielt der alte Verjüngungscocktail, der das Erbgut der ausgereiften Zellen zum Wandel zwingt, noch vier Faktoren, sind es jetzt nur noch zwei. Die Münsteraner Wissenschaftler konnten für die Verjüngungskur in der Petrischale auf die Transkriptionsfaktoren verzichten, die das Krebsrisiko erhöhen. "Dass wir jetzt nur noch zwei Faktoren brauchen, um ausgereifte Mauszellen zu reprogrammieren, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Prof. Hans Schöler, Direktor am Münsteraner MPI. Der international anerkannte Stammzellforscher ist optimistisch, auch das zweite Problem lösen zu können: Bislang enthalten alle iPS-Zellen Gene von Viren.
Diese Viren brauchen die Forscher, um die gewünschten Verjüngungsfaktoren in das Erbgut der Körperzellen einzuschleusen. Entwickelt wurden diese viralen "Taxis" im Rahmen der Gentherapie. Doch auch diese viralen Gene können, weil sie Veränderungen im Erbgut bewirken, Tumore auslösen. "Im Moment können wir noch nicht auf diese Gen-Fähren verzichten", so Schöler, aber es bestehe die Hoffnung, Verfahren zu finden, mit denen sich Körperzellen ganz ohne Viren reprogrammieren lassen.
Hilfe werden die Stammzellforscher bei diesem Problem von den Wissenschaftlern erhalten, die die Gentherapie optimieren wollen. Eine Strategie ist, in die Genaktivität in den Zellkernen mit "small moleculs", die in den Zellkern vordringen können, einzugreifen. "Nur so wird es gelingen,, mithilfe von Stammzellen Therapien für unheilbare Krankheiten zu entwickeln, die nicht nur effektiv, sondern auch sicher genug sind, um sie irgendwann beim Menschen anwenden zu können", so Schöler.
Zuvor muss er allerdings noch zwei Hürden überwinden: Zum einen muss er nachweisen, dass seine elegante Verjüngungskur auch bei Hautzellen und beim Menschen klappt. Bislang funktioniert sie nur bei Stammzellen aus dem Gehirn von Mäusen.



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