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Forschung

Schlafenden Viren auf der Spur

"Das Virus, das ich seit sieben Jahren erforsche, schlummert in jedem zweiten Menschen, und doch hat kaum jemand von ihm gehört", sagt Prof. Thomas Shenk im Gespräch mit dem Abendblatt. Der international anerkannte Virusexperte von der Princeton University (New Jersey) war kürzlich Gast im Heinrich-Pette-Institut (HPI) für Experimentelle Virologie und Immunologie in Hamburg-Eppendorf. Dort berichtete er über seine neuen Arbeiten mit den Cytomegalie-Viren (CMV). Zugleich wurde der Forscher von dem renommierten Institut für seine herausragenden Leistungen ausgezeichnet.

Die CMV rufen eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die Cytomegalie, hervor. "Doch die meisten Menschen bemerken die Infektion nicht. Nur in äußerst seltenen Fällen führt sie zu Leber- oder Nervenentzündungen, die aber behandelbar sind. Gefährdet sind hingegen Menschen, deren Immunsystem schwach ist, oder Ungeborene, deren Mütter infiziert sind", so Shenk. "Die Cytomegalie gilt als häufigste Infektion, die während der Schwangerschaft von der Mutter auf den Fötus übertragen wird. Je früher dieser in der Schwangerschaft infiziert wird, desto größer ist die Gefahr schwerer Fehlbildungen." Schon aus diesem Grund müsse man das Virus erforschen. Noch spannender sei die Arbeit, weil der hochkomplexe Erreger lange im Körper schlummern kann, "und dann völlig überraschend wieder aktiv wird". Wie gelingt ihm das?

Mit vielen trickreichen Versuchen fand das 20-köpfige Team um Shenk heraus, welches der 200 viralen Gene - einige Viren haben nur sieben Gene - das Virus auf Stand-by schaltet. "Zum ersten Mal kennen wir jetzt ein virales Gen, das das Virus abschaltet. Wenn das Gen zerstört wird, das haben wir in Zellkultur gezeigt, wird das Virus wieder aktiv."

Der Traum des Wissenschaftlers ist nun, dass man das Virus gezielt wachrüttelt, um es zu vernichten. "Dazu müsste das virale Gen zerstört werden. Dann würden die Viren sprießen und könnten mit antiviralen Medikamenten abgetötet werden. Das könnte beispielsweise vor einer Transplantation sinnvoll sein", sagt Shenk und betont noch einmal, das sei natürlich alles in weiter Ferne - obwohl die ja manchmal näher liege, als man zu hoffen wage, schmunzelt der Forscher.

 

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