Britischer Mediziner warnt vor allzu großen Hoffnungen
Stammzellen: Hilfe gegen Alzheimer oder Diabetes noch lange nicht in Sicht
Die Wissenschaft hat nach Einschätzung von Großbritanniens führendem Reproduktionsmediziner, Lord Robert Winston, zu große Hoffnungen auf schnelle Heilerfolge durch Stammzellen geweckt. Die Erwartungen seien auch deshalb hochgeschraubt worden, um Parlamentarier zur Beseitigung gesetzlicher Hemmnisse bei der Nutzung menschlicher embryonaler Stammzellen zu bewegen. Das steht im Manuskript der Rede, die Lord Robert Winston als Präsident der Britischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften für das Jahrestreffen der Organisation gestern abend in Dublin vorbereitet hatte. Wenn die Erwartungen enttäuscht würden, werde sich das negativ auf die Zustimmung zur Forschung auswirken, warnte der Mediziner.
Er habe den Eindruck, daß manche Abgeordnete in Großbritannien und den USA glaubten, daß medizinische Heilerfolge unmittelbar bevorstünden. Zwar sei die Erforschung von Stammzellen eines der spannendsten Gebiete der Biologie, weil sie grundlegende Einblicke in die Arbeit von Zellen ermögliche. Langfristig könnten daraus auch wichtige Erkenntnisse etwa zur Bekämpfung von Krebs gewonnen werden. Nach den Worten Winstons ist es aber sehr unwahrscheinlich, in absehbarer Zeit durch Transplantation von Stammzellen Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes heilen zu können.
Beim Einsatz embryonaler Stammzellen gebe es noch viele ungelöste Probleme. Dazu zählt der Mediziner ihre generelle Instabilität, die Neigung zur Produktion von unnatürlich vielen Chromosomen oder die Gefahr von unkontrolliertem Wachstum, das zu Krebs führen könne.
Zudem ist die Verwendung menschlicher embryonaler Stammzellen ethisch umstritten, denn für ihre Gewinnung werden Embryonen zerstört. Neben embryonalen Stammzellen gibt es auch Stammzellen im Gewebe geborener Menschen.



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