Cadarache - Ort des Fusionsreaktors
Mit Zähnen und Klauen hat Frankreich jahrelang um den Zuschlag für den Fusionsforschungsreaktor ITER gekämpft. Doch ob der Reaktor am Ende am richtigen Platz steht, ist auch in Frankreich umstritten. Der Bauplatz liegt in einem erdbebengefährdeten Gebiet.
Fast natürlich fiel Frankreichs Wahl auf Cadarache, denn in dem Ort etwa 70 Kilometer nördlich von Marseille wird seit 1959 Atomforschung betrieben. Zunächst ging es im Kernforschungszentrum (Centre d'Etude Nucleaire) nur um die Kernspaltung. Doch bereits seit 1988 steht auf dem 1600 Hektar großen Gelände auch der ITER-Vorläufer Tore Supra. Mit ITER sollen in Cadarache - wo auch an Solarenergie, Biomasse und Bio-Energien wie der Photosynthese geforscht wird - 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Mit der Kompetenz der hier bereits arbeitenden 4300 Menschen sei Cadarache "der beste Standort für ITER", so die Pariser Regierung.
Umweltschützer sehen das anders. Denn Cadarache liegt in der Nähe zur geologischen Bruchlinie zwischen der afrikanischen und der arabisch-türkischen Platte. "Afrika drückt und schiebt", sagt der Geologe Jacques Muller vom Forschungsinstitut CNRS. Die afrikanische Platte drückt hier jährlich mehr als einen Zentimeter nach Norden. Kleine Querverwerfungen befinden sich im Umkreis von zehn Kilometern um das Atomzentrum. Der Untergrund der Provence ist instabil.
Die französischen Behörden sehen dennoch keine Gefahr. Denn die Atomanlagen werden gegen stärkere Beben gesichert, als bisher gemessen wurden. Beben der Stärke 6,5 seien kein Problem. Bei ITER wird anders als im Kernkraftwerk zudem kaum radioaktiver Abfall entstehen.



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