23.08.12

Erbgut

Je älter der Vater, desto höher das Mutationsrisiko

Forscherteam: Im Alter geben Männer mehr Mutationen an Kinder weiter. Die Erbgut-Veränderungen könnten das Risiko für Krankheiten erhöhen.

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Alt und jung: Forscher aus Island und Dänemark haben herausgefunden, dass ältere Väter mehr Mutationen an Kinder abgeben als jüngere
Alt und jung: Forscher aus Island und Dänemark haben herausgefunden, dass ältere Väter mehr Mutationen an Kinder abgeben als jüngere

Reykjavík. Das Alter des Vaters hinterlässt im Erbgut seiner Sprösslinge mehr Spuren als bisher angenommen: Je älter ein Mann bei der Zeugung ist, desto mehr Veränderungen, sogenannte Mutationen, finden sich im Erbgut des Kindes. Das haben Forscher aus Island und Dänemark herausgefunden.

Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr des Vaters bei der Zeugung steige die Zahl der veränderten Stellen im Erbgut des Kindes um zwei, ergab eine Hochrechnung der Forscher. "Bereits ein 20-jähriger Vater überträgt im Durchschnitt rund 25 neue Mutationen an sein Kind, ein 40-jähriger Vater etwa 65", schreiben die Forscher. Mütter tragen dagegen nur 15 sogenannte "de novo Mutationen" zum Nachwuchs bei - und zwar unabhängig von ihrem Alter.

Der Effekt könne ihrer Ansicht nach für ein erhöhtes Risiko für Autismus und Schizophrenie verantwortlich sein, auf das bereits eine im April veröffentlichte Studie hingedeutet hatte. Über ihre Arbeit berichten Augustine Kong vom Pharmaunternehmen Decode Genetics in Reykjavík und seine Kollegen im Fachjournal "Nature".

Suche nach "de novo Mutationen"

Das Team untersuchte 78 Eltern-Kind-Gruppen und bezog zum Teil auch Enkelkinder mit ein. Die Forscher sequenzierten das Erbgut von 219 Menschen. Anschließend suchten sie nach "de novo Mutationen". Diese sind nicht über mehrere Generationen vererbt worden, sondern kommen bei einem Familienmitglied erstmals vor. Es handelt sich um Veränderungen des Erbguts in einer gerade erst befruchteten Eizelle oder eine Mutation in einer Ei- oder Samenzelle, die schon vor der Befruchtung auftritt.

Der Grund für den Unterschied zwischen Vätern und Müttern: Bei Männern werden die Spermien fortlaufend gebildet. Die Ursprungszellen durchlaufen daher im Laufe des Lebens mehrere Teilungen und häufen dabei Mutationen an. Bei Frauen liegen fast alle Eizellen schon im Babyalter vor, sie reifen hintereinander. Sehr überraschend seien die Ergebnisse daher nicht gewesen, so die Forscher: "Aber der starke lineare Effekt von zwei zusätzlichen Mutationen pro Jahr ist eindrucksvoll. Immerhin entspricht das einer Verdoppelung alle 16,5 Jahre."

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In einem Kommentar zu der Studie schreibt der Evolutionsgenetiker Alexey Kondrashov von der University of Michigan (USA): "Wenn der Effekt des väterlichen Alters auf die Rate der "de novo Mutationen" zu wesentlichen Gesundheitsschäden bei den Kindern älterer Väter führt, dann könnte es eine weise Entscheidung sein, als junger Mann sein Sperma zu sammeln und es für später einzufrieren."

Mit Material von dpa und dapd

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