06.08.12

"Curiosity" ist gelandet

Für die nächsten zwei Jahre gilt: Mars hat Mobil

Der zu Deutsch "Neugier" getaufte Rover der Nasa kann ab sofort damit beginnen, den roten Planeten auf Beweise für Leben zu erkunden.

Foto: dpa/DPA

Eine künstlerische Darstellung zeigt den Marsrover "Curiosity" auf dem Mars

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Pasadena/USA. Die ehrgeizigste und teuerste Marsmission der Raumfahrtgeschichte ist am Montagmorgen (MESZ) sicher und planmäßig auf dem Roten Planeten gelandet. "Curiosity" heißt der von der NASA neu konstruierte Rover, übersetzt "Neugier". Mit ihm will die US-Raumfahrtbehörde klären, ob auf dem Mars einst Mikroben leben konnten.

Dazu musste die knapp eine Tonne schwere "Curiosity" erstmal ankommen. "Sieben Minuten des Schreckens" erwarteten die Experten - denn so lange dauerte es, bis der Rover von einer Geschwindigkeit von 20.920 Stundenkilometern auf Null abgebremst wurde und um 7.32 Uhr MESZ auf der Oberfläche des Planeten aufsetzte.

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Howard McCurdy, Raumfahrtexperte an der American University, hatte vor der Mission erklärt: "Falls das klappt, wäre es ein wichtiger technischer Schritt nach vorne. Es ist ein großes, gewagtes Spiel." Immer wieder gab es bei Marsmissionen Probleme und Rückschläge, besonders das Absetzen von Rovern erwies sich als schwieriger als gedacht. Doch diesmal klappte alles - einem neuen Verfahren sei Dank.

Landung auf dem Mars schwierigste Etappe

Zunächst trat eine Trägerkapsel in die dünne Marsatmosphäre ein und flog in S-Kurven, um das Tempo zu senken. Bei 1.450 Stundenkilometern wurden der große Bremsfallschirm entfaltet, und die schützenden Hitzeschilder wurden abgeworfen. Die "Curiosity" löste sich daraufhin von der Einheit und zündete ein Raketenmodul, um weiter abzubremsen und in einen Schwebezustand zu gelangen.

In dem Modul verbargen sich meterlange Seile. An ihnen wurde der Rover ganz langsam und vorsichtig auf den Mars herabgelassen. Wenige Minuten später kamen über Funk die ersten Videobilder auf der Erde an, und die Seile wurden gekappt.

+++ Die Glücksbringer der Nasa-Ingenieure +++

"Wir sind sicher auf dem Mars", bestätigte Ingenieur Allen Chen nach dem beispiellosen Landemanöver. Auch Nasa-Chef Charles Bolden jubelte: "Wir sind wieder auf dem Mars. Es ist absolut unglaublich. Nichts kann das toppen." Us-Präsident Barack Obama twitterte: "Ich gratuliere und danke allen Männern und Frauen der Nasa, die diese bemerkenswerte Leistung Wirklichkeit werden ließen."

Achteinhalb Monate war die "Curiosity" von der Erde aus unterwegs - und doch hätten ein Sandsturm, plötzliche Windböen oder ungeahnte technische Probleme das Projekt jederzeit scheitern lassen können.

Mit 2,5 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) beziffert die Nasa die Kosten der Mission. Nachdem auf dem Mars Eis festgestellt wurde und es Zeichen dafür gibt, dass einst Wasser floss, geht es jetzt darum, ob die Bedingungen Leben ermöglichten.

"Curiosity" soll mindestens 23 Monate lang forschen

Die "Curiosity" landete im Gale-Krater. Auf Weltraumfotos haben Wissenschaftler dort Muster von Sulfaten und Tonmineralien entdeckt, was vermuten lässt, dass am Kraterboden früher einmal Wasser stand. Der Rover kann beispielsweise in Gestein und Boden bohren, um Kohlenstoff und andere Elemente aufzuspüren.

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Mindestens ein Marsjahr, das 687 Erdtagen entspricht, soll der Rover von der Größe eines Mini Coopers forschen. Angetrieben durch Plutonium, hat die "Curiosity" verschiedene Analysegeräte an Bord, darunter ein mineralogisches Kleinlabor und ein Röntgenspektrometer. Finden sich Beweise dafür, dass früher Wasser floss, wäre Leben möglich gewesen. Aber die "Curiosity" kann Proben auch direkt auf organisches Material untersuchen.

Schon seit 1960 versucht die internationale Raumfahrt, sich dem Roten Planeten zu nähern. Von bislang gut 40 Missionen waren weniger als die Hälfte erfolgreich, erst im Januar scheiterte ein russischer Versuch. Wissenschaftler glauben, dass auf dem Mars einst Leben existierte – doch für den Beweis brauchen sie Daten von der Oberfläche. Die "Curiosity" könnte die fehlenden Puzzlestücke liefern.

Die Instrumente der Curiosity
Der fast eine Tonne schwere Marsrover "Curiosity" ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt er zwei Kameras an einem Mast. Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken.
Die "ChemCam" besitzt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen.
Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das "APXS" ("Alpha-Particle X-ray Spectrometer"), ein Röntgenspektrometer.
Am Ende des Roboterarms ist der "Mars Hand Lens Imager" ("Mahli") angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen.
Die Geologen profitieren auch vom "CheMin", einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden dort durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.
Hinzu kommt das Gerät "Sample Analysis at Mars" ("Sam"), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.
Der "Radiation Assessment Detector" ("Rad") analysiert die Teilchenstrahlung auf dem Planeten. Windgeschwindigkeit und -richtung, Druck, relative Feuchtigkeit, Luft- und Bodentemperatur sowie ultraviolette Strahlung werden von den Geräten des "Remote Sensing Mast" ("RSM") bestimmt.
Eine weitere Kamera namens "Mardi" ("Mars Descent Image") filmt den Abstieg des Rover ab dem Moment, von dem der Hitzeschild ausgeklinkt wird. Das Objektiv ist direkt nach unten auf den Boden gerichtet.
Schaufel, Bohrer und Bürsten und ein Roboterarm komplettieren die Ausstattung. Der Einsatz aller Geräte muss sorgfältig geplant werden: Die zur Verfügung stehende Energie ist begrenzt. Zudem lassen sich nicht beliebig viele Daten vom Mars zur Erde oder Befehle in die andere Richtung übertragen.
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