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Forschung

Weltraum: Die Aktion "100 Stunden Astronomie" für interessierte Laien

Sterne gucken wie einst Galilei

Weltweit sollen Menschen Gelegenheit bekommen, die Erlebnisse des berühmten Astronomen nachzuvollziehen und einen Blick auf ferne Galaxien zu werfen.


Foto: Susan Stolovy (SSC/Caltech) et al.

Es war 1609, als der italienische Gelehrte Galileo Galilei zum ersten Mal von der Erfindung erfuhr, die seiner bis dahin mäßig verlaufenen Forscherkarriere einen gewaltigen Schwung geben sollte. Ein "gewisser Flame", berichtete Galilei im Jahr darauf in seiner Schrift "Siderius Nuncius" ("Der Sternenbote"), hatte "ein Fernglas konstruiert, mit Hilfe dessen sichtbare Gegenstände, auch wenn sie vom Auge des Beobachters weit entfernt sind, so deutlich gesehen werden, als befänden sie sich in der Nähe".

Als dieser "Flame", bei dem es sich um den deutsch-niederländischen Brillenmacher Hans Lipperhey gehandelt haben könnte, im Sommer 1609 nach Venedig kam, um dem dortigen Staatsoberhaupt, dem Dogen, die neue Erfindung zum Kauf anzubieten, war Galilei also schon alarmiert. Er bat Freunde mit Zugang zum Dogen, die Prüfung des Angebots hinauszuzögern. Unterdessen versuchte er, aufgrund vager Beschreibungen des Geräts dessen Funktionsweise zu erraten. Tatsächlich gelang ihm innerhalb eines Tages ein Nachbau, der dem Original deutlich überlegen war. Er überreichte es dem Dogen als Geschenk und erhielt als Dank eine Gehaltserhöhung.

Seinen Ruhm verdankt Galilei indessen nicht dieser bemerkenswerten Ingenieursleistung. Entscheidender war, was er mit dem Teleskop beobachtete. Während Lipperhey in erster Linie militärische Anwendungen im Sinn hatte, richtete Galilei das Fernglas auf den Himmel. Was er sah, haute nicht nur ihn um. Es brachte das gesamte, bis dahin gültige Weltbild ins Wanken und sorgte dafür, dass 400 Jahre später nicht nur ein Feiertag, sondern ein ganzes Jubiläumsjahr an dieses historische Ereignis erinnert: das "Internationale Jahr der Astronomie". Das erreicht jetzt mit der Veranstaltung "100 Stunden Astronomie" seinen ersten Höhepunkt.

100 Stunden lang sollen rund um die Erde so viele Menschen wie möglich, die Gelegenheit bekommen, das Erlebnis Galileis nachzuvollziehen. Professionelle Astronomen und Amateure stellen ihre Beobachtungsinstrumente bereit, um allen Interessierten einen Blick auf Sterne, Galaxien und Planeten zu ermöglichen. In Hamburg konzentrieren sich die Aktivitäten vor allem auf die Universitäts-Sternwarte in Bergedorf, und auch das Planetarium lädt ein (Kasten).

An der Uni öffnen die Sternenkundler von Donnerstag (2.4.) bis Sonntag (5.4.) ihre Beobachtungskuppeln, erläutern die Technik und auch das, was damit zu sehen ist.

Gewiss wird dann auch der Mond ins Visier genommen werden, der in diesen Tagen als Halbmond erscheint. Für Beobachtungen ist das günstig, weil sich die Erhebungen durch den Schattenwurf dann deutlicher abzeichnen. Auch Galilei richtete sein Teleskop vor 400 Jahren zuerst auf den Mond und war erstaunt, ihn voller Zacken, Rillen und Krater zu sehen. Dabei hätte der Mond nach der geltenden Lehre doch eine perfekte Kugel sein müssen!

Als Galilei sich die Milchstraße betrachtete, löste sich der vermeintliche Nebel in eine Vielzahl von Sternen auf. Überhaupt sah er viel mehr Sterne als bisher bekannt, wohin auch immer er das Fernglas richtete! Das mag uns heute selbstverständlich erscheinen, aber für die damalige Zeit war die Erkenntnis, dass es Dinge gab, die mit bloßem Auge nicht sichtbar waren, sehr verstörend.

All diese Sterne blieben zudem Punkte, während die Planeten wie Venus oder Mars als kleine Scheiben erschienen. Anders als bisher angenommen waren die Objekte am Himmel also offenbar unterschiedlich weit entfernt.

Die größte Überraschung aber bot der Jupiter, den Galilei erstmals am 7. Januar 1610 in Augenschein nahm. In unmittelbarer Nähe des Planeten entdeckte er zunächst drei kleine Punkte in dessen Nähe, eine Woche später auch einen vierten, die ständig ihre Position relativ zum Jupiter änderten, aber immer in seiner Nähe blieben. Er deutete sie als Monde, die den Jupiter umkreisen, und versetzte damit der geltenden Lehre, wonach sich alles um die Erde im Mittelpunkt des Universums drehte, den Todesstoß.

Der Jupiter wird während der 100 Stunden Astronomie leider nicht sichtbar sein, dafür aber der Saturn. Den werden die Besucher der Sternwarte durch den Großen Refraktor betrachten können, das wohl imposanteste Instrument dort. Während beim Teleskopbau heute ansonsten praktisch nur noch mit Spiegeln gearbeitet wird, die bessere Abbildungseigenschaften haben und sich wesentlich größer bauen lassen, wird das Licht hier, wie bei Galileis historischem Fernglas, durch Linsen konzentriert. Mit einem Objektivdurchmesser von 60 Zentimeter und neun Meter Brennweite spielt der Große Refraktor gleichwohl in einer ganz anderen Liga als das Galileische Teleskop, dessen Objektiv nur wenige Zentimeter durchmaß und maximal 30-fache Vergrößerung erlaubte.

Wer in diesem eindrucksvollen Gerät die Scheibe des Saturn und vielleicht sogar dessen Ringe erblickt, mag aber eine Ahnung von der Aufregung und Begeisterung bekommen, die Galilei ergriffen haben muss, als er vor 400 Jahren erstmals all diese Wunder erblickte.

Wer es nicht in die Sternwarte oder zum Planetarium schafft, kann auch das Internet nutzen, um einen Blick durch deren Teleskope zu werfen. Das ist dann vielleicht nicht ganz das Galilei-Feeling, dafür ist man dichter am Alltag heutiger Astronomen. Denn die schauen schon lange nicht mehr durch Teleskope, sondern geben ihre Beobachtungsaufträge an die Hochleistungsobservatorien und lassen sich die Daten auf ihren Computer schicken.

 

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