Jahr der Astronomie: Heute Auftaktveranstaltung in Berlin
Vor 400 Jahren: Der Aufbruch ins All
Galileo Galilei und Johannes Kepler revolutionierten 1609 das Weltbild. Weltweit ein Grund zum Feiern.
Das Jahr 1609 markiert den Aufbruch in eine neue Welt. Der italienische Himmelsbeobachter Galileo Galilei und der deutsche Himmelsphysiker Johannes Kepler stießen die Tür zu einer neuen Weltsicht und einer neuen Astronomie auf. Sie legten die Basis für die Erkundung des Alls, die Reise zum Mond, den Bau der Weltraumstation, die Suche nach außerirdischem Leben. Diese Zeitenwende wird heute in Berlin gefeiert. Im Museum für Kommunikation findet die nationale Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Astronomie 2009 (IYA 2009) statt, die live im Internet verfolgt werden kann.
Die Beobachtungen von Galilei und die Berechnungen von Kepler führten zu dem wohl radikalsten Umbruch in der Wissenschaftsgeschichte. Bis zum Jahr 1609 beharrte die Mehrheit der Gelehrten und die Kirchen darauf, dass die Erde im Mittelpunkt der Welt stünde. Doch als Galilei durch sein selbst gebautes Fernrohr zum Himmel blickte, die Landschaften auf dem Mond und vier um Jupiter kreisende Monde entdeckte, war es um das von Aristoteles geprägte Weltbild endgültig geschehen. Jupiter und seine Monde, das erkannte Galilei schlagartig, waren das perfekte Vorbild für die Sonne und die Erde. Damit war gezeigt, was der Astronom Kopernikus schon 1543 geschrieben hatte: Im Zentrum des Planetensystems steht die Sonne. Die Macht der Bilder, das zeigt das Jahr 1609 erstmalig in der Wissenschaftsgeschichte, ist größer als die der Worte. Selbst Keplers Berechnungen, die Galileis Beobachtungen bewiesen, hätten allein wohl keine wissenschaftliche Revolution dieses Ausmaßes ausgelöst.
An dieses Schicksalsjahr vor 400 Jahren erinnert das Internationale Astronomiejahr 2009, das von der Uno-Vollversammlung ausgerufen worden ist. "Wir wollen zugleich zeigen, was wir seitdem alles dazugelernt haben, wie jeder selber die Schönheit der Unendlichkeit erleben kann", sagt Dr. Michael Geffert. Der Bonner Astronom koordiniert die deutschen Aktivitäten im Astronomiejahr. Es ist auch der wissenschaftlichen Arbeit von Johannes Kepler gewidmet. Der kaiserliche Mathematiker schuf mit der "Astronomia Nova", die er 1609 veröffentlichte, nichts weniger als die Geburtsschrift der Himmelsphysik: klare mathematische Gesetze statt mystischer Kräfte. Mit seinen ersten beiden Planetengesetzen lassen sich die Bahnen der Planeten und Monde, der Satelliten und Raketen bis heute berechnen und planen. "Sein drittes Gesetz, das er 1619 veröffentlichte, erlaubt uns, die Masse von astronomischen Objekten wie Schwarzen Löchern oder Galaxiehaufen zu berechnen. Es ist für unsere Arbeit unverzichtbar", sagt Geffert.
Kepler und Galilei sind wie zwei Seiten einer Medaille. Dabei waren die beiden Wissenschaftler so unterschiedlich, dass sie - hätte man sie in ein Labor gesperrt - wohl kaum diese wissenschaftliche Revolution vollbracht hätten.
Der Florentiner Patrizier Galileo Galilei, Professor an der Universität in Padua, soll stolz, eitel, starrsinnig und angriffslustig gewesen sein, so Geffert. Dabei war der Mathematiker, Physiker und Astronom nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, er war auch ein begabter Handwerker. So feilte er an dem von Jan Lippershey erdachten Fernrohr so lange, bis aus einem Spielzeug von Jahrmärkten das optische Instrument wurde, das den Menschen die Augen für das Weltall öffnete. Es vollzog sich eine Revolution in der Erforschung der Himmelskörper und in der Sicht des Menschen auf sich selbst.
Die Revolution der Berechnung leistete der eher schüchterne, meist kränkelnde deutsche Naturphilosoph, evangelische Theologe, Mathematiker, Astronom, Astrologe und Optiker Johannes Kepler. Der kaiserliche Hofmathematiker, der im schwäbischen Weil nahe Stuttgart geboren worden war, sah sich selbst als überragenden Mathematiker und erwarb sich den Ruf eines geschickten Astrologen. Und er war mutig. Als seine Mutter 1615 in Linz als Hexe eingesperrt wurde, stritt er unermüdlich für ihre Freilassung. Doch 1621, ein Jahr nachdem die Frau dem Kerker entkam, starb sie an den Folgen der Folter.
Die Kommunikation zwischen den beiden genialen Wissenschaftlern war eher einseitig. Galilei hat Keplers Werk wohl nicht gelesen, während Kepler Galilei begeistert lobte - und von Menschen im All zu träumen begann. In seinem Brief an Galilei 1610 schrieb der deutsche Astronom: "An Kolonisten (wird) es, wenn erst die Kunst des Fliegens erlernt sei, aus unserem Menschengeschlecht nicht fehlen. (...) Gibt es Schiffe, deren Segel den himmlischen Lüften angemessen sind, dann werden sich auch Menschen finden, die sich selbst vor jenen ungeheuren Weiten nicht fürchten."
Die Reise ins Unbekannte geht weiter, nicht nur mit Satelliten und Raumschiffen. Die Erben Galileis schieben die künstlichen Augen immer tiefer ins All. So lieferte das Weltraumteleskop Hubble die ersten direkten Bilder von Exoplaneten, von Planeten, die nicht unserem Sonnensystem angehören. Die Bilder, die das US-Wissenschaftsmagazin "Science" im November vergangenen Jahres veröffentlichte, markieren eine neue Zeitrechnung. Aus den bislang nur mathematisch ermittelten Himmelskörpern, immerhin 335 an der Zahl, sind sichtbare Objekte geworden.
Der Blick in den Nachthimmel erlaubt Normalsterblichen den Anblick von Exoplaneten nicht. Aber bei guter Sicht können alle die vier großen Monde des Jupiter sehen, die am Anfang unseres heutigen Weltbildes stehen.
Die Deutsche Eröffnungsveranstaltung zum Internationalen Astronomiejahr 2009 heute ab 19.30 Uhr im Internet: www.astronomie2009.de



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