Second Life: "Campus Hamburg" - Ein neues Angebot im Internet
Der virtuelle Hörsaal
Vorlesungen in der virtuellen Welt laufen anders ab - mit vielen Chancen für Studenten.
Das Internet verändert unsere Welt. Es verändert auch unser Medienverhalten. Ihn fasziniere, dass es immer weniger als Einbahnstraße angelegt sei, sondern immer mehr zum Mitmachen animiere, zu eigenen Aktionen, so die Einschätzung von Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos). Den Anlass für eine solche grundsätzliche Betrachtung bot gestern Nachmittag die Präsentation eines virtuellen Projekts, das zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber im Internet bereits Teil einer neuen Welt geworden ist: In der 3D-Plattform "Second life" (siehe Extratext) gibt es neuerdings den "Campus Hamburg" - innerhalb der Region "Hamburg Islands".
Medienexperten aus der Uni Hamburg und der Medienagentur "Büro X" wollen hier "ein neues Forum" schaffen, so Dozent Dr. Andreas Hebbel-Seeger vom Projekt "Sport-Events im Web 3D".
Die ersten Vorlesungen sind dort bereits gelaufen, mit einem Gastdozenten aus Düsseldorf. Wer registriert ist, kann den Vortrag auf den Hörsaalsitzen des virtuellen Pavillons verfolgen - und dies wie im richtigen Leben nur in Echtzeit, also wenn der Dozent vor einem Computer sitzt und gerade den Vortrag hält.
Der Vorteil: Der Hochschullehrer kann dies von irgendeinem Ort der Welt aus machen, Internetanschluss vorausgesetzt.
Und auch für die Zuhörer im virtuellen Hörsaal gibt es spannende Elemente: So können sie gezielt Zwischenfragen stellen, dies aber nicht über ihr Mikrofon, sondern als geschriebene Texte über ihre Computertastatur, um den Ablauf der Veranstaltung nicht zu stören. Die jeweiligen Fragen, die im Laufe der Vorlesung oder danach vom Dozenten beantwortet werden, sind als Texte auch für die übrigen Teilnehmer sichtbar.
Und die Beteiligung der Studierenden ist nicht auf dieses Feld der Interaktionen beschränkt. Denn "Campus Hamburg" bietet auch "kreative Mitarbeit", so Dr. Torsten Reiners, Uni-Dozent der Wirtschaftsinformatik. Sein Projekt "Students@work" befasst sich mit dem Thema Logistik. Auf ihrer Plattform können dort registrierte Studenten zum Beispiel Abläufe und Funktionsweisen von Warteschlangen simulieren und später auf ihre Eigenarten analysieren. Dafür bauen sie zunächst eine Apotheke. Oder sie errichten einen Containerterminal, um ihr Wissen auf dem Gebiet der Hafenlogistik zu erproben. Für solch aufwendige Projekte werden aber noch Sponsoren gesucht.
Denn die theoretisch fast unbegrenzten Möglichkeiten der virtuellen Welt stoßen doch schnell an ihre Grenzen. Da das System noch im Aufbau begriffen ist, hängt seine Leistungsfähigkeit immer auch von der Zahl der Internetnutzer ab. Haben sich weltweit bei "Second life", etwa wenn in den USA der Tag beginnt, plötzlich sehr viele Nutzer eingeklinkt, können die sonst meist störungsfreien Abläufe auch ins Stocken geraten.
Über das Internet "kommen Menschen zusammen, die sich sonst nicht treffen", sagt Jörg Förster. Der Hochschulsport-Dozent bereitet die Studenten-WM im Beachvolleyball 2008 in Hamburg mit vor.
Lernen über "Second life" ist aber nicht auf Hochschulen begrenzt. Die Hamburger Feuerwehr baue gerade ein Trainingscamp dort auf, berichtet Hanno Tietgens, Initiator von "Campus Hamburg" und Geschäftsführer der Medienagentur "Büro X". Wolfgang Beuß, wissenschaftspolitischer Sprecher der Hamburger CDU, nennt das neue Angebot "attraktiv auch für die Fort- und Weiterbildung".
Wird die Uni in einigen Jahren ins "Second life" verlagert? "Nein", sagen die Experten übereinstimmend. "Es ergänzt das Angebot", so Reiners. Entscheidend sei eine gute Kombination der Nutzungsmöglichkeiten.
Weitere Informationen für Studenten: Dr. Torsten Reiners, Institut für
Wirtschafts-Informatik der Uni Hamburg (reiners@econ.uni-hamburg.de) oder Hanno Tietgens, Büro X, (ht@buerox.de).



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