Dienstag, 14. Februar 2012, 07:34

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Computer

Foto-Handys: Unsichtbare Kontrolle

Fotohandys sind im Trend. 2003 wurden weltweit 75 Millionen Mobiltelefone mit Digitalkamera verkauft. Tendenz: steigend. Zwar sind die Bilder oft unscharf, auch die Farben wirken meist nicht echt. Doch für Schnappschüsse reicht das.

Per Tastendruck lassen sich die Bilder via MMS (SMS mit Bild) oder E-Mail verschicken. Wer die Kosten für die Übertragung im Mobilfunknetz scheut, kann die Daten oft auch per Infrarot, Bluetooth, Kabel oder Chipkarte auf den PC spielen. Doch die Verbreitung der Fotohandys stößt nicht überall auf Begeisterung. Stichwort Spionage: Bei Autobauern wie Ford und VW, auch beim Chemieriesen Bayer müssen Mitarbeiter und Besucher Fotohandys am Werkstor abgeben. Die Sorge der Betriebsleitung: In der Entwicklung befindliche Produkte oder Firmendokumente könnten abgelichtet und aus dem Werk geschmuggelt werden.

In muslimisch geprägten Ländern sind Fotohandys aus einem anderen Grund verdächtig: Saudi-Arabien hat ein Verbot erlassen, weil es Berichte gab, nach denen Männer heimlich Frauen fotografiert hatten. In Singapur, dem Stadtstaat mit der weltweit höchsten Handydichte, wurden Fotohandys aus Hotels und Fitnessstudios verbannt, um Voyeuren keine Chance zu geben.

Selbst im liberalen Japan gibt es erste Verbote, etwa in Buchläden. Dort grassiert der digitale Ladendiebstahl: Kunden fotografieren Passagen aus Magazinen und lesen sie dann zu Hause.

Jetzt hat die kleine englische Softwareschmiede Iceberg Systems eine technische Lösung ("Safe Haven") angekündigt, mit der sich das Hausverbot für Telefon-Spione ohne Taschenkontrollen durchsetzen lässt. Das Prinzip: Hotellobbys, VIP-Lounges auf Flughäfen oder Umkleidekabinen in Schwimmbädern werden mit Transmittern ausgerüstet. Betritt ein Handybesitzer den Raum, wird die eingebaute Kamera per Funk vorübergehend deaktiviert. Vorausgesetzt, das Handy ist mit der Kontrollsoftware ausgestattet. Verlässt der Nutzer den Raum, wird die Kamerafunktion automatisch wieder aktiviert.

"Wir sind mit namhaften Handy-Herstellern in Verhandlungen", sagt Iceberg-Systems-Chef Patrick Snow. Mit der zum Patent angemeldeten Technologie sei es möglich, ein- und ausgehende Gespräche zu verhindern oder bestimmte Klingeltöne abzuschalten. Doch zurzeit konzentriere man sich auf die Fotokontrolle. Warum sich Nokia, Siemens, SonyEricsson, Samsung und Co. auf die neue Technologie einlassen sollten? Bei Iceberg Systems glaubt man, dass den Herstellern Milliardenumsätze entgehen, wenn es immer mehr Sperrgebiete für Fotohandys gibt. Das könnte bald in China passieren, dem stärksten Wachstumsmarkt für Mobiltelefone, wo sich die Herrscher über Verbote Gedanken machen.

Unterdessen rüsten die Produzenten ihre Modelle auf. In Japan gibt es Fotohandys mit einer Auflösung von einer Million Bildpunkten - das Dreifache dessen, was die Geräte hier leisten.

Siemens bringt mit dem "U15" jetzt das erste Gerät mit zwei Kameras heraus - mit je einer Linse auf der Vorder- und Rückseite. Das UMTS-fähige Gerät eignet sich für Videokonferenzen und zeichnet dank digitalen Dreifachzooms Details aus großer Entfernung auf.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus