Ihre Mission: ein sauberes Internet
Wie ein Leipziger Unternehmen den Viren-Schutz revolutionieren will.
Stellen Sie sich nur mal vor, das Wasserwerk sagt zu Ihnen: Leider können wir Ihnen nur schmutziges Wasser liefern. Die nötigen Filter können Sie sich ja auch selber kaufen." Genauso verhalte es sich auch mit den Internet-Providern, die virenverseuchte Datenströme schulterzuckend zur Kenntnis nehmen und an den privaten Surfer weiterleiten, sagt Rene Holzer, Geschäftsführer der Leipziger Firma Nutzwerk. Man merkt ihm an, dass ihn die Ignoranz einiger Anbieter auf die Palme bringt - der Mann hat eine Mission. Denn eigentlich könnte alles so einfach sein: Mit einer 300 Kilobyte großen Filter-Software könnte das Problem an der Wurzel gepackt werden, an den großen Internet-Knotenpunkten, die die Informationen auf ihrem Weg zum einzelnen Anwender früher oder später passieren müssen. "Vorrichtung und Verfahren zum individuellen Filtern von über ein Netzwerk übertragener Information" nennt sich die Erfindung, die Holzer und Mit-Geschäftsführerin Ramona Wonneberger bei den europäischen und amerikanischen Patentämtern angemeldet haben.
Das hört sich nicht sehr revolutionär an, ist es aber: Der Nutzwerk-Filter sortiert verdächtige Dateien aus, bevor sie zum Anwender gelangen, auf einem zentralen Server und in Echtzeit, also noch während sie auf dem Datenhighway unterwegs sind. "Denn wenn die schädliche Software erst einmal auf den PC gelangt ist, verursacht sie dort immer Probleme, egal wie das System geschützt ist", sagt Holzer.
Das müssten nun nur noch die Provider einsehen, die den Nutzwerk-Filter auf ihren Servern installieren müssten. Ein namhafter deutscher Anbieter winkte bereits mit dem Hinweis ab, es sei schlicht nicht möglich, eine so große Datenmenge zu kontrollieren - freilich ohne mit den Leipzigern auch nur gesprochen zu haben. Denn die hätten erklären können, dass eine Filterung der Daten keinerlei Mehraufwand bedeutet, sondern die Leitungen sogar erheblich entlastet.
Holzer hätte darüber hinaus darauf hinweisen können, dass das Internet letztlich ein Produkt ist, das sich wesentlich besser verkaufen lässt, wenn man es von allen Gefahren und all dem kursierenden Schmutz und Datenmüll befreien würde. Vielleicht würden sich dann auch einige der noch immer standhaften Internet-Verächter ins World Wide Web locken lassen. Die Nutzer seien jedenfalls bereit, ein paar Euro mehr für ein sicheres Netz zu bezahlen. "Wenn die Provider endlich umdenken und nicht nur Online-Minuten verkaufen, würden sich ihnen völlig neue Geschäftsfelder eröffnen."
Bis es so weit ist, kümmern sich die Leipziger selbst um ein sauberes Internet. Unter dem Namen Safersurf.com bietet Nutzwerk einen Service an, "mit dem wir beweisen wollen, dass es funktioniert".
Der Nutzwerk-Filter wird alle fünf Minuten automatisch aktualisiert. Das Installieren und Pflegen von Schutzprogrammen, die ja immer auch mit einem elementaren Eingriff in das Betriebssystem verbunden sind, erübrigt sich - Anmeldung genügt. "Man kann schließlich nicht erwarten, dass sich jeder Anwender gleich zum Systemadministrator ausbilden lässt", so Holzer.



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