Hamburger Bücherhallen und Bibliotheken bieten einzigartige Serviceleistungen im Internet. Sie eröffnen den Zugriff zu speziellen Datenbanken oder elektronischen Fachzeitschriften. Das einzige Manko: Kaum jemand nutzt das Angebot - bislang.

Ach ja, es ist ein Elend mit der Jugend. Da surft sie stundenlang in der schönen neuen Datenwelt. Mal ein Buch anfassen? Fehlanzeige.

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Doch darum muss man ja nicht den Kopf in den Sand stecken. Im Gegenteil. "Wenn die jungen Leute nicht zu uns kommen, dann kommen wir eben zu ihnen", bringt es Wolfgang Tiedtke (58) von den Bücherhallen Hamburg auf den Punkt. Der Diplombibliothekar ist in der Hauptverwaltung am Hühnerposten verantwortlich für den Internetauftritt und alle anderen virtuellen Aktivitäten seines Hauses.

Seit Jahren registrieren die Bücherhallen einerseits einen stetigen Rückgang der Besucherzahlen in den Bücherhallen - auf der anderen Seite steigt die Zahl der ausgeliehenen Bücher und anderer Medien. Erklärlich ist dies nur, weil immer mehr Hamburger online im Katalog surfen, Verlängerungen notieren und Bücher vorbestellen. Oder sie nutzen den neuen E-Medien-Service und laden sich Texte, Hörbucher, Musik oder Videos direkt auf den PC oder PDA herunter. Hamburg ist federführend im E-Medien-Angebot seiner öffentlichen Bibliotheken. Zusammen mit einigen Häusern in Würzburg, Köln und München hat man sich für Pilotprojekte zusammengeschlossen.

Bei all den Aktivitäten geht es auch darum, die Ressourcen, die das Internet bietet, zu nutzen. Deep Web lautet das Stichwort. Normaluser kennen das: Man sitzt vor dem PC und googelt sich durchs Netz. Irgendwann landet man bei Wikipedia und hat das Gefühl: Jetzt weiß ich Bescheid. Der entscheidende Denkfehler, sagte Anne Christensen von der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg: "Google und Co. sind nur die Spitze des Eisberges", so die 33-Jährige aus der IT-Abteilung der Stabi. Ungefähr 550-mal größer sei dagegen das Deep Web. Das auch als "verstecktes Web" bezeichnet den Teil des World Wide Webs, der bei einer Recherche über normale Suchmaschinen nicht auffindbar ist. Zusammen mit Wolfgang Tiedtke und anderen Kollegen aus Hamburger Bibliotheken hat Christensen einen wegweisenden Service entwickelt: "Fragen Sie Hamburger Bibliotheken": Die Bedienung ist einfach, für Fachleute wie Laien, jede Frage wird von einem der gerade diensthabenden Bibliothekare am anderen Ende der Leitung geprüft und weitergeleitet - zum Beispiel an die TU-Harburg, die Bücherhallen, die Helmut-Schmidt-Universität oder an die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg und Kiel, das einstige HWWA. Hier wie dort sitzen die Experten den ganzen Tag vor dem Bildschirm, die Beantwortung der Fragen ist für sie eine Art Nebentätigkeit - schließlich verfügt jede der teilnehmenden Bibliotheken auch über eine eigene Website und dort verlinkte eigene Frageportale. Was also bringt der Zusammenschluss? Für Anne Christensen keine Frage: "Das ist ja genau das Tolle am Internet, dass wir uns im Gegensatz zu früher so einfach vernetzen können." Hinzu kommt: Die fortschreitende Vernetzung sei eine wichtige Voraussetzung für das Überleben einer jeden Bibliothek im Zeitalter des Internet. Wer gegen Google und andere kostenlose Websites bestehen wolle, müsse intelligente und zukunftsweisende Dienste für seine Kunden bereithalten - zum Beispiel "Fragen Sie Hamburger Bibliotheken".

Und was kostet nun so eine Anfrage? Eine kaum zu beantwortende Frage. Für die Bücherhallen ist die Kulturbehörde zuständig, für die Stabi die Wissenschaftsbehörde, für die Helmut-Schmidt-Universität die Bundeswehr - um nur die wichtigsten Geldgeber zu nennen. Hinzu kommen EU-Fördergelder und viele Drittmittel, es geht ja um das Gemeinwohl, also die Informationsmöglichkeiten für jeden Bürger. Anne Christensen kann nur eine "Milchmädchenrechnung" aufmachen, wenn sie von einer Handvoll Euro spricht, die eine Anfrage an direkten Kosten hervorruft. Doch was ist mit den Stabi-Computern, die auch für alle anderen Dienste genutzt werden oder mit den Kosten für hochspezialisierte Datenbanken? All dies müsste eigentlich hinzugerechnet werden, aber wie?

Direkte Kosten hin, direkte Kosten her, noch ist der Dienst kostenlos für den Nutzer. Alle Beteiligten hoffen, dass es noch lange so bleibt, denn auf diesem Wege gewinnen sie neue Kunden. Doch ein Manko gibt es: Die Nachfrage könnte viel stärker sein. Der Dienst leidet darunter, dass er zu wenig bekannt ist.


Infos im Internet: www.hamburger-bibliotheken.de