Telekommunikation: Zwei Österreicher und ihre neue Masche
Billig um die Welt telefonieren
Das System ist einfach: Übers Internet gibt man die eigene und die anzurufende Nummer an, kurz darauf klingelt's bei beiden - zum Billigtarif.
Zwei junge Burschen aus Österreich sind der neue Schrecken aller Telefongesellschaften. Roman Scharf und Daniel Mattes lassen die Menschheit übers Internet telefonieren - ganz billig, unter Umständen auch umsonst. Gibt's schon? Mit Skype? Aber sicher. Doch wollen Sie mit Kopfhörer und Mikrofon, neudeutsch Headset, vor dem eingeschalteten Computer mit der Tante in Amerika debattieren? Womöglich hat die Tante gar keinen Computer. Oder Sie mögen keine Headsets. Aber ein normales Telefon haben beide, eventuell auch ein Handy. Dann geht's mit dem Telekom-Killer der Herren Scharf und Mattes. Er heißt Jajah.
Mit Jajah kann der Mensch vom Festnetz für zwei Cent die Minute nach Boston, Peking, Sydney oder auch Bochum telefonieren. Mit dem Handy kostet dasselbe 15 Cent. Beides ist schwer zu toppen. Von Handy zu Handy kostet es 28 Cent.
So funktioniert Jajah. Erster Fall: Sie haben ein Festnetztelefon. Dann müssen Sie allerdings einen eingeschalteten Computer vor sich haben, mit Internet-Anschluss, normales Modem reicht, schnelles DSL nicht nötig. Man ruft die Internet-Seite www.Jajah.com auf. Das reicht zum Testen. Später ist eine kostenlose, kinderleichte Registrierung mit Ihrer E-Mail-Adresse angesagt. Auf Jajah.com tippen Sie ihre eigene Telefonummer ein sowie die des Anzurufenden, sagen wir Tante Maja in Boston. Dann klicken Sie auf den grünen "Call"-Button, und in wenigen Sekunden wird Ihr eigenes Telefon ebenso klingeln wie das von Tante Maja, egal, ob Handy oder Festnetz. Sie nehmen ab und reden mit Tante Maja.
Und: Sie haben auf Ihrem Computer auch keinerlei Software installieren müssen oder irgendwelche Einstellungen vorgenommen. Erwähnter Computer wird auch nur für den Verbindungsaufbau gebraucht, für die erfolgreiche Verbindung selbst nicht mehr. Man könnte ihn ausschalten.
Überhaupt kein Computer ist nötig, wenn Tante Maja per Handy erreicht werden soll. Und das ist ganz neu bei Jajah, einer Firma, die Ende 2004 ihre Geschäfte aufnahm. Doch davon später.
Damit es mit dem Handy klappt, muss es entweder das Symbian-Betriebssystem haben oder Java-fähig sein. Das sind viele der neueren Geräte. Und es muss für den Zugang zum Internet eingerichtet sein. Dann kann sich jeder registrierte Benutzer von der Jajah-Webseite ein kleines Programm für die Jajah-Mobiltelefonie aufs Handy schicken lassen - und es funktioniert. Man ruft das installierte Programm auf seinem Handy auf, gibt eine Ziel-Telefonnummer ein - und wird verbunden.
Das war der zweite Fall der Jajah-Telefonie für den Alltagsgebrauch. Das dritte Szenario kostet sogar nichts. Tante Maja in Boston lebt ja womöglich doch nicht ganz hinterm Mond und hat sehr wohl einen Computer mit Internetzugang. Und ist Manns genug, sich bei Jajah zu registrieren. Dann können Sie mit dem Tantchen umsonst parlieren. SMS verschicken kann man mit Jajah im Übrigen auch, ebenso Telefonie-Konferenzschaltungen realisieren; auch Verbindungen zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt herstellen; und das Grauen für Ihren bisherigen Telefonanbieter ist komplett.
Schuld daran sind die beiden Jajah-Gründer aus Wien, Scharf und Mattes. Aber die haben ihre Wirkungsstätte schon seit einiger Zeit nicht mehr in der Alpenrepublik, sondern im Silicon Valley in Kalifornien. Ihr erstes Büro dort war jenes, das einst die Begründer der Mega-Suchmaschine Google hatten, Larry Page und Sergey Brin. Welch vielversprechendes Omen! Und Geld, man spricht von zunächst drei Millionen Dollar, kommt von der Firma Sequoia Capital. Die haben mal Google geholfen und Yahoo und Apple . . .
Vielleicht sollten wir schon mal alle üben, wie man Jajah ausspricht - nämlich Dschadscha. Der Telekom und all den anderen könnte das bald schmerzvoll in den Ohren klingen.




100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg








Das Rätsel des Tages



