"Tropenwald" in Gefahr
Besucher der Gewächshäuser in Planten un Blomen können in fünf üppige Pflanzenwelten eintauchen - noch. Die Stadt will auch hier sparen
Angelika Hillmer. Es sind nur wenige Schritte, die vom Hamburger Null-Grad-Schmuddelwetter in die schwüle Wärme eines tropischen Regenwaldes führen: Wer die Schaugewächshäuser der Universität in "Planten un Blomen" betritt, findet sich schlagartig in einer exotischen Pflanzenwelt wieder, die durch ihre naturnahe Nachbildung die Illusion eines Tropenwaldes schafft. Doch dieses Kleinod ist in Gefahr. "Wir sind in großer Sorge, denn die Wissenschaftsbehörde denkt über einen Verkauf der Gewächshäuser nach", sagt Hans-Helmut Poppendieck, Kustus des Uni-Instituts für Allgemeine Botanik und Vorsitzender des Botanischen Vereins zu Hamburg.
Es sieht danach aus, als sollten die Gewächshäuser dem Botanischen Garten nach Klein Flottbek folgen. "Für den Fachbereich Biologie ist es wünschenswert, dass dort alle Einrichtungen zusammengefasst werden", sagt Sabine Neumann, Sprecherin der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF). Dies könne unter drei Bedingungen geschehen: Der Gebäudekomplex müsste erhalten bleiben, die Nachnutzung zum umgebenden Alten Botanischen Garten passen, und die Stadt einen "attraktiven" Verkaufserlös erzielen, der "in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten eines Neubaus" in Klein Flottbek stehe, so Neumann. Bislang gebe es kein Konzept, das diese Kriterien erfüllt.
"So einen Standort gibt man nicht auf", kontert Dr. Carsten Schirarend, wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens. Gerade der zentralen Lage sei es zu verdanken, dass jährlich knapp 200 000 Menschen die Schaugewächshäuser besuchen; damit stehen sie nach der Kunsthalle und den Museen für Kunst und Gewerbe sowie für Hamburgische Geschichte auf Rang vier unter den Hamburger Museen. Kollege Poppendieck ergänzt: "Für die öffentliche Wirksamkeit von Botanischen Garten und Museen gibt es drei Kriterien: erstens die Lage, zweitens die Lage und drittens die Lage."
Neben Besucherschwund fürchten die Botaniker, dass die Unterglasgärten ein ähnliches Schicksal erleiden könnten wie das Botanische Museum: Nach dem Verkauf des Instituts für Angewandte Botanik (Marseiller Straße) an die Bucerius Law School verlor es seine Heimat. Ein kleiner Teil fand im Zoologischen Museum Asyl, der Rest wurde bis auf weiteres eingemottet. Poppendieck: "So darf man nicht mit Kulturgut umgehen."
Im Fall eines Verkaufs der städtischen Wintergärten wird es bestenfalls eine kleinere Ersatzlösung geben. Dies geht aus einem Schreiben der Wissenschaftsbehörde an den Botanischen Verein hervor: "Sofern es zur Aufgabe des Schaugewächshauses kommen sollte, besteht seitens der BWF die Absicht, Ersatzraum in Klein Flottbek zu schaffen, soweit dies aus eventuellen Veräußerungserlösen möglich ist . Wir halten in diesem Fall allerdings einen Bau in der Größe des bestehenden Schaugewächshauses für leider nicht realisierbar."
Die Gewächshäuser gehören zur Universität - und der wachsen die Unterhaltungskosten und erst recht der vorhandene Modernisierungsbedarf über den Kopf. "Wir überlegen, wie wir mit den Kosten umgehen", sagt Uni-Pressesprecherin Viola Griehl. "Es laufen Gespräche mit der Stadt. Sie sollte Kosten übernehmen, denn die Gewächshäuser dienen dem öffentlichen Interesse und nicht mehr der Forschung und Lehre."
Natürlich seien die künstlichen Pflanzenwelten eine Visitenkarte der Universität, weiß auch die Uni-Sprecherin, "aber wir können mit den Kosten nicht mehr leben". Bei der Frage nach möglichen anderen Nutzungen sei die Uni für vieles offen, so Griehl, doch die Entscheidung fälle letztendlich die Stadt.
Botaniker Schirarend fürchtet jedenfalls um die in der Stadt einmaligen Schauplätze der tropischen Artenvielfalt: "Im Jahr 2003 werden die Gewächshäuser 40 Jahre alt. Ich hoffe, dass wir dieses Jubiläum noch feiern können."



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