Mit Respekt gelingt ein Dialog zwischen den Generationen
Alt ist man, wenn man Kinder nervig findet
Wenn Jung und Alt ins Gespräch kommen, geraten Vorurteile ins Wanken. Fazit: mehr miteinander reden.
Wann ist man alt? Wie unterscheiden sich die heutigen Kinder und Alten von Kindern und Alten, die vor 30 Jahren lebten? Brauchen Kinder und Jugendliche ältere Menschen? Über diese und andere Fragen diskutierten 45 Schüler aus den Klassen vier bis neun der Bugenhagenschule in Alsterdorf und zehn ältere Menschen vom Landes-Seniorenbeirat und der Zeitzeugenbörse Hamburg miteinander. Prof. Michael Schulte-Markwort, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Uniklinikum Eppendorf (UKE) und am Altonaer Kinderkrankenhaus, sowie Ulrich Kluge, Leiter des Seniorenbüros Hamburg, nahmen als Experten an dem Jugendforum teil. Das Forum, veranstaltet von NDR 90,3 und dem Hamburger Abendblatt im Rahmen der ARD-Themenwoche "Mehr Zeit zu leben", fand Anfang der Woche in der Bugenhagenschule statt.
Mancher Diskussionsbeitrag rüttelte dabei an eingefahrenen Vorstellungen. Beispielsweise, als eine 86 Jahre alte Frau, die in Schulen von ihrem Leben berichtet, erzählte, dass sie in ihrer Freizeit auch im Internet stöbert und Chatten natürlich kein Fremdwort sei. Und die Älteren waren überrascht, als gleich drei Mädchen berichteten, dass sie in ihrer Freizeit im Fußball-Verein spielen. "Das durften wir nicht." Ein Aufatmen ging durch die Aula, als Schüler feststellten, alt seien Menschen frühestens ab dem 70. oder 80. Geburtstag. "Meine Oma ist 81 und geht mit mir noch schwimmen, die ist noch nicht alt." Das war nicht das einzige Beispiel für "rüstige" Alte. Sportliche Alte, das lehrten die Kinder, werden jünger wahrgenommen.
Wann man alt ist, sei eben sehr subjektiv, sagte Kluge. "Es gibt Berufe, wie die der Kunstturnerin, da ist man mit Mitte 20 schon alt." Und Prof. Schulte-Markwort betonte: "Ich finde manchmal, dass wir zu viel Angst vor dem Alter haben, und dass zu viele Alte nicht zu ihrem Alter stehen." Alt sei man, definierte eine 74 Jahre alte Dame, wenn man Kinder nervig findet. "Ich glaube, dass das Alter nicht mit den Zahlen zusammenhängt. Vielmehr ist man jung, solange man noch an allem Interesse hat, was im eigenen Umfeld stattfindet." Nimmt man diese Definition als Grundlage, gab es nur junge Teilnehmer auf dem Forum, auch wenn die älteste Teilnehmerin bereits ihren 86. Geburtstag gefeiert hat.
Das Ergebnis des zweistündigen, durchaus lebhaften Dialogs: Man braucht mehr Gelegenheiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen, und mit Respekt, Höflichkeit und Freundlichkeit von beiden Seiten kann ein gedeihliches Miteinander gelingen.




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