Besser leben mit Diabetes
Forum: Mehr als 200 Gäste kamen ins Krankenhaus Bethanien zum Gesundheits-Forum von NDR 90,3, N3 Hamburg Journal und Abendblatt
Wie viele Menschen sind von Diabetes betroffen? Die Diabeteshäufigkeit nimmt dramatisch zu. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Diabetiker in Deutschland sich alle 15 Jahre verdoppelt. Aus Untersuchungen wissen wir auch, dass fast 40 Prozent der über 45-jährigen Deutschen durch Diabetes bedroht sind. Die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel nehmen in der Bevölkerung laufend zu. Wenn wir in der Bevölkerung eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von fünf bis sieben Kilo und fünfmal eine halbe Stunde schnelles Spazierengehen in der Woche erreichen, nimmt das Diabetesrisiko um die Hälfte ab. Prof. Manfred Dreyer, Diabetologe und Ärztlicher Direktor des Bethanien-Krankenhauses
Wie wird Diabetes festgestellt? Es wird der Blutzucker gemessen. Wenn dieser Wert zweimal nüchtern, das heißt vor dem Frühstück gemessen, höher als 126 ist oder im Laufe des Tages einmal über 200 liegt, dann besteht ein Diabetes. Prof. Dreyer
Was bedeutet der HbA1C-Wert? Der HbA1C-Wert gibt an, wie viel Prozent der roten Blutkörperchen durch hohe Blutzuckerwerte verzuckert sind. Wenn der Wert unter sieben Prozent liegt, sind wir mit der Einstellung des Blutzuckers sehr zufrieden. Dr. Hans-Ullrich Clever, Diabetologe in einer Hamburger Diabetes-Schwerpunktpraxis
Was gehört zu einer guten Diabetes-Einstellung? Jeder Diabetiker, egal welche Therapie er bekommt, sollte eine Grundlagenschulung machen. Viele Hausärzte bieten solche Schulungen an, in denen man das Wichtigste über Diabetes, richtige Ernährung, diabetische Fußkomplikationen, Blutzucker- oder Urinzuckerkontrollen erfährt. Wer intensivere Tablettentherapien oder Insulin benötigt, braucht intensivere Schulungen, die in speziellen Einrichtungen, Kliniken und Schwerpunktpraxen angeboten werden. Dr. Clever
Wie kann ich abnehmen? Mit zunehmendem Alter, ab dem 30. Lebensjahr, verbraucht man weniger Energie. In einem Kilogramm Fettgewebe stecken 7000 Kalorien. Das heißt, ich muss 7000 Kalorien einsparen, um ein Kilo Fett abzunehmen. Dafür braucht man lange. Man kann es nur schaffen,wenn man seine Energiezufuhr verringert, also etwas weniger aufnimmt als man braucht und dann über lange Zeit abnimmt. Wenn Sie ein Kilo im Monat schaffen, haben sie sehr viel erreicht, auch wenn es ein Kilo in zwei Monaten ist. Auch wenn Sie es schaffen, ihr Gewicht zu halten, ist das schon ein Erfolg. Renate Fisch, Diabetesberaterin, Krankenhaus Bethanien
Wie kann ich mich so bewegen, dass ich abnehme? Um Fett abzubauen, müssen Sie sich lange genug bewegen, zum Beispiel mit NordicWalking. Das heißt eine halbe Stunde stramm gehen. Oder gehen Sie schwimmen oder Rad fahren. Um Fett abzubauen, sollten Sie Ausdauersport betreiben, wobei die Ausdauerbelastung mindestens 20 Minuten betragen sollte, eher länger. Die Intensität ist dabei nicht von so großer Bedeutung. Es reicht eine Pulsfrequenz von 100 in der Minute. Hans-Hauke Engelhardt, Geschäftsführer von "Herz in Form"
Welche Folgen hat ein zu hoher Blutzuckerwert? Zu hohe Blutzuckerwerte können zu Komplikationen an kleinen Blutgefäßen mit Nieren- und Augenveränderungen führen, an großen Blutgefäßen mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen an den Beinen und zu Nervenveränderungen mit entsprechenden Gefühlsstörungen. All diese Komplikationen lassen sich durch eine gute Blutzuckereinstellung gut vermeiden Prof. Dreyer
Welche Ursachen haben offene Stellen an den Füßen? Es gibt eine Venenschwäche, bei der die Haupttherapie darin besteht, dass man Kompressionsstrümpfe trägt. Dann heilen solche Wunden, kleine Geschwüre, die sich üblicherweise am Unterschenkel entwickeln, wieder ab. Viel gefürchteter ist das diabetische Fußsyndrom, das auf dem Boden einer Durchblutungsstörung oder einer Nervenstörung entstanden ist. Aus Hornhautschwielen, die plötzlich aufplatzen, entstehen Wunden unter dem Fuß, die nicht wehtun und in denen sich schnell unbemerkt Infektionen bilden können. Wunden, die nicht innerhalb weniger Tage abheilen, sollten dem Arzt gezeigt werden. Möglicherweise braucht man Antibiotika, um die Infektion zu beherrschen. Wenn sie trotzdem nicht abheilen, liegen oft auch Durchblutungsstörungen vor. Auch das muss man abklären. Dr. Clever
Welche Aufgabe hat der Chirurg in der Behandlung? Diabetes ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung der Arteriosklerose, und die Arteriosklerose bedingt Durchblutungsstörungen. In unserer Klinik führen wir sehr viele gefäßchirurgische Eingriffe durch, in denen wir durch Bypässe die Durchblutung verbessern können, damit offene Wunden beim diabetischen Fuß zur Abheilung gelangen können. Dr. Wolfgang Tigges, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung, Asklepios-Westklinikum Hamburg
Wie werden die Bypässe gelegt? Durch einen Bypass, den man zum Beispiel von der Leiste oder vom Kniegelenk bis zum Fußrücken zieht, lässt sich die Durchblutung so verbessern, dass die Wunde zur Abheilung kommt. Jede Wunde am diabetischen Fuße braucht Sauerstoff, um abzuheilen. Wichtig ist auch festzustellen, ob diese Wunde durch Durchblutungsstörungen bedingt ist, die auf Grund der Schmerzlosigkeit durch die Nervenschädigung nicht bemerkt werden. Begleitende Durchblutungsstörungen sind bei bis zu 50 Prozent dieser diabetischen Fußsyndrome gegeben. Das Problem ist, sie frühzeitig zu erkennen. Je weniger Gewebsschädigung eingetreten ist, desto eher hat man die Möglichkeit, größere Gewebsdefekte oder Amputationen zu vermeiden. Dr. Tigges
Was ist bei älteren Menschen besonders zu beachten? Viele denken, dass die Symptome, die sie spüren, wie Leistungsabbau, Gedächtnisstörungen oder Gangunsicherheiten mit ihrem Alter zu tun haben. Aber oft steckt dahinter ein beginnender Diabetes und schlechte Blutzuckerwerte, die dazu führen, dass man viel Flüssigkeit verliert und dann durch die Stoffwechselstörung diese Symptome hat. Wenn der Diabetes gut eingestellt ist, können diese Symptome ganz schnell wieder verschwinden, und man kann bis in höchste Alter hinein seine Leistungsfähigkeit gut erhalten. Dr. Wernecke, Chefarzt der Geriatrie, Krankenhaus Bethanien
Können Süßigkeiten bei Kindern zu Diabetes führen? Das Problem dabei ist die einseitige Ernährung. Die Ernährung sollte ausgewogen sein und nicht zu Übergewicht führen. Kinder, die mit Übergewicht aufwachsen, haben schon dadurch ein erhöhtes Risiko, einen Diabetes zu bekommen. Der andere Teil des Risikos ist genetisch bedingt. Wenn mehrere Familienmitglieder unter den Eltern oder Großeltern an Diabetes erkrankt sind, dann ist das Risiko um einiges höher, selbst auch einen Diabetes zu bekommen. Aber Vermeidung von Übergewicht, genug Bewegung und gesunde Ernährung können diese Entwicklung viel entscheidender stoppen. Dr. Wernecke
Das Forum im Radio: Auf NDR 90,3, stehen am Dienstag, 6. Juli, 19-21 Uhr, in der Sendung "nach Sieben" Experten im Studio zur Verfügung, die alle Fragen zum Diabetes beantworten, zu erreichen unter + 416 13
Zusammenfassung: Cornelia Werner



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