07.09.12

Erreger aus Afrika

300.000 Amseln laut Nabu an Usutu-Virus gestorben

Das Risiko für Amseln ist vor allem in der Rheinebene von Freiburg bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau groß.

Foto: picture alliance / Reiner Bernha/picture alliance
Der Amsel-Bestand ist durch das Virus bislang nicht gefährdet
Der Amsel-Bestand ist durch das Virus bislang nicht gefährdet

Berlin. Rund 300 000 Amseln sind dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge im vergangenen Jahr in Deutschland dem tropischen Usutu-Virus zum Opfer gefallen. "Die Zahlen zeigen, dass das Risiko für Amseln in bestimmten Regionen groß, aber bundesweit nicht bestandsgefährdend ist", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller am Freitag in Berlin. Die Experten hatten Daten von Vogelzählaktionen aus den vergangenen sieben Jahren ausgewertet.

Das Ausbruchsgebiet des aus Afrika stammenden Virus umfasse derzeit die Rheinebene von Freiburg im Breisgau bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau, teilte der Verein mit. Ausgebrochen war das Virus im Sommer 2011 am nördlichen Oberrhein. Die Amsel ist den Angaben zufolge die in Deutschland am weitesten verbreitete Vogelart – Schätzungen zufolge leben im Bundesgebiet 8 bis 16 Millionen Brutpaare.

+++ "Amsel-Virus" beim Menschen nachgewiesen +++

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Infizierte Vögel wirken laut Nabu unkoordiniert und haben kahle Stellen an Kopf und Hals. Warum vor allem die Amseln betroffen sind, ist den Experten zufolge unklar – auch wie sich das Usutu-Virus in Zukunft auf die Bestände auswirken wird. "Die Ausbreitung des Virus sollte allerdings kein Grund zur Panik sein. Wir können davon ausgehen, dass die Amseln zunehmend resistent gegen den Erreger werden", betonte Nabu-Bundesgeschäftsführer Miller. Dadurch würden die Massensterben von Jahr zu Jahr weniger extrem ausfallen.

Usutu-Viren können auf Menschen übertragen werden. Eine solche Infektion war Ende August in Deutschland erstmals bei einem Mann aus dem hessischen Groß-Gerau nachgewiesen worden. Der Verlauf ist beim Menschen meist harmloser als bei Vögeln, es können Hautausschläge und Kopfschmerzen auftreten – im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung. Schwere Verläufe wurden bei Älteren und Immunschwachen beobachtet.

Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) für Tropenmedizin (Hamburg) kann die Erkrankung nur über Mücken übertragen werden. Das bloße Anfassen eines erkrankten Vogels reiche nicht aus. Außerhalb von Afrika waren die Viren erstmals 2001 im Raum Wien aufgetreten, 2009 erkrankten zwei immungeschwächte Patienten in Italien daran.

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