Bernsteinfossilien
Älteste Gliederfüßer in Bernstein entdeckt
Die 230 Millionen Jahre alten Einschlüsse aus den Dolomiten ermöglichen laut Göttinger Experten wichtige Erkenntnisse über Evolutionsgeschichte.
Göttingen. Ein Team von internationalen Wissenschaftlern unter Leitung des Göttinger Paläontologen Alexander Schmidt hat die ältesten bekannten Arten von Gliederfüßern in Bernsteintropfen entdeckt. Zu dieser Tiergruppe gehören auch alle heutigen Insekten, Krebse und Spinnentiere. "Die Einschlüsse sind rund 100 Millionen Jahre älter als alles, was wir bisher kannten", sagte Schmidt am Montag. Für die Evolutionsforschung lieferten die vor rund 230 Millionen Jahren eingeschlossenen Fossilien wichtige Erkenntnisse, da es zu dieser Zeit große Veränderungen der Tier- und Pflanzenwelt gegeben habe. Über ihren Fund berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
+++ Ältestes vollständig erhaltenes Insekten-Fossil entdeckt +++
Vor sieben Jahren hätten die Wissenschaftler damit begonnen, 70.000 Bernsteintropfen aus den Dolomiten zu untersuchen. Jetzt seien sie auf zwei rund 230 Millionen Jahre alte Milben sowie ein Flügelinsekt aus dem Erdzeitalter Trias gestoßen, berichtete Schmidt. Die teils nur einen Millimeter großen Bernsteinfossilien ermöglichten es, "wie durch ein Fenster" in das sogenannte Erdmittelalter zu blicken, erklärte der Paläontologe. "Mit dem Fund stoßen wir zum ersten Mal in die Evolution dieser Zeit vor", betonte er.
Einschlüsse verraten Details über die Evolution der Gallmilben
Während der Trias habe es ein größeres Massensterben gegeben als beim Aussterben der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren. Daher sei es interessant zu erfahren, welche Lebensformen in welchen Nischen überlebten, erklärte der Forscher. Beispielsweise habe mit Hilfe des Fundes nachgewiesen werden können, dass die Gruppe der auch heute noch vorkommenden Gallmilben älter ist als bisher angenommen. Die im Bernstein konservierten fossilen Milben seien den heutigen Vertretern dieser Tiergruppe erstaunlich ähnlich.
Da es in der Trias aber noch keine Blütenpflanzen gab – die heutige Vorzugsnahrung der meisten Gallmilben -, lebten sie damals offenbar als Parasiten auf Nadelbäumen. Das zeige, dass die Milben ihre Ernährung im Laufe der Evolution den jeweils vorherrschenden Pflanzenarten angepasst haben, sagen die Forscher.
Den dritten Bernsteineinschluss, einen Zweiflügler, konnten die Wissenschaftler nicht genauer identifizieren, da die meisten Körperteile nicht vollständig erhalten sind. Aber dieses Fossil zeige, dass auch Insekten in ungewöhnlich alten Bernsteinen enthalten sein können, erklären Schmidt und seine Kollegen.
Es sei unmöglich, Informationen über das Erbgut aus den Bernsteineinschlüssen zu erhalten. "Das sind Hollywood-Fantasien", betonte der Wissenschaftler. Jedoch sei das Äußere der Tiere bis in den Mikrometerbereich gut erhalten. "Wir können Haare und sogar die Zellstruktur erkennen", merkte Schmidt an. (dapd)













