15.08.12

UKE Athleticum

Wie gesund sind Sportler wirklich?

Am neuen UKE Athleticum werden unter anderem die HSV-Fußballprofis behandelt. Damit sollen auch Risiken für plötzlichen Herztod erkannt werden.

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Das Kompetenzzentrum für Sport- und Bewegungsmedizin UKE Athleticum steht nicht nur klassischen Leistungssportlern offen (Symbolbild)

Hamburg. Er kommt selten vor, erschüttert jedoch immer wieder die Fußballwelt: der Herztod von augenscheinlich gesunden und leistungsfähigen Sportlern. Anfang August starb der ehemalige Bundesligatorwart Bernd Meier mit 40 Jahren, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nannte einen Herzinfarkt als Ursache. Nun steht die neue Bundesliga-Saison an, und am neu gegründeten UKE Athleticum werden die Spieler der HSV-Bundesligamannschaft untersucht.

Das Kompetenzzentrum für Sport- und Bewegungsmedizin steht jedoch allen offen: "Am Athleticum erachten wir jeden Patienten und Sportler als Leistungssportler. Auch eine 80-jährige Dame, die ihre Einkaufstüten vernünftig in den zweiten Stock tragen will, ist für uns eine Leistungssportlerin", sagt Sportwissenschaftler Stefan Patra. Wer sich von dem Spezialisten dort untersuchen lassen will, sollte mit seiner gesetzlichen oder privaten Krankenkasse Kontakt aufnehmen. Dies könnten beispielsweise Hamburger sein, die nach langen Jahren wieder mit dem Sport anfangen wollen oder sich auf den Marathon in der Hansestadt vorbereiten wollen, sagt der Ärztliche Leiter der Einrichtung und HSV-Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen.

Zu den Vorbereitungen für die Saison stehen für die HSV-Spieler Leistungstests, die körperliche Untersuchung der Lunge und des Bauchraums sowie der entscheidenden Gelenke auf dem Programm. "Dazu gehören die beiden Sprunggelenke, die Knie sowie die Hüfte und die Lendenwirbelsäule", sagt Patra, der zum 18-köpfigen Team am UKE Athleticum gehört.

Patra stellt die Fußballer auf Laufbänder, über eine Atemmaske wird die Leistungsfähigkeit der Lunge überprüft. Der Wissenschaftler lässt die Sportler an die Grenze ihrer Belastungsfähigkeit gehen, aber auch einmal weniger Gas geben. "Die Sportler wissen meist sehr gut, wie man Vollgas gibt. Bei der Regeneration überziehen sie jedoch manchmal. Wir wollen sie dazu bringen, in einem Bereich zu trainieren, der sie nicht dauerhaft überlastet." Dadurch könnten individuelle Trainingspläne erstellt werden, vor allem, wenn Spieler nach einer längeren Verletzungspause wieder an den Start gehen.

Die Mediziner und Physiotherapeuten erfassen auch, wie stark einzelne Muskelgruppen ausgebildet sind, und wollen einem "muskulären Ungleichgewicht" entgegenwirken - denn viele Sportler belasten sich einseitig. Verstärkt wollen die Experten jedoch auf die Herzen der Kicker achten und nutzen dazu die Expertise des Herzzentrums am UKE. Laut Catala-Lehnen geht es unter anderem darum, eine angeborene Herzmuskelverdickung auszuschließen. Diese gilt als Hauptgrund für den plötzlichen Herztod bei Sportlern - extreme Belastung kann bei dieser oft unerkannten "Unregelmäßigkeit" zu Rhythmusstörungen führen.

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Aber auch möglicherweise durch den Sport erworbene Herzveränderungen wollen die Ärzte im Auge behalten. Neben einem Elektrokardiogramm des Herzens in Ruhe und unter Belastung erhalten die Spieler eine Ultraschalluntersuchung des Pumporgans (Herz-Echo). "Etwa zwei Drittel der Mannschaft haben außerdem eine Untersuchung des Herzens mit der Magnetresonanztomografie erhalten", sagt Catala-Lehnen. Ziel sei, dass alle Spieler ihr Herz in der Röhre checken lassen. Der Hintergrund: "Mit dem Herz-MRT kann man beispielsweise Entzündungen des Herzens und Verdickungen des Herzmuskels besser erkennen als mit dem Herz-Echo." Herzmuskel-Entzündungen könnten beispielsweise nach verschleppten Virusinfekten auftreten und bei körperlicher Anstrengung im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden. "Sportler belasten sich zunehmend auch während solcher Infekte und regenerieren weniger", sagt Catala-Lehnen.

Für heftige Diskussionen in der Sportwelt hatte beispielsweise ein Spiel des Basketballprofis Dirk Nowitzki gesorgt. Dieser bestritt 2011 bei den US-amerikanischen NBA-Finals ein Spiel mit seinen Dallas Mavericks, obwohl er Fieber hatte. "Das haben die Sportmediziner genau verfolgt und überlegt, wie ein Mannschaftsarzt so etwas verantworten kann", sagt Catala-Lehnen. Habe ein HSV-Spieler erhöhte Temperatur oder Fieber, dann werde dieser sehr genau im Auge behalten und geprüft, ob er spielen kann. "Auch die Deutsche Herzstiftung hatte kürzlich gewarnt, dass Sportler Virusinfekte ausheilen lassen sollten, da das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden könne.

Laut Michel D'Hooghe, Vorsitzender der medizinischen Kommission des Fußball-Weltverbandes Fifa, hat es in den vergangenen fünf Jahren 84 Fälle von plötzlichem Herztod im Fußball gegeben. Daher hatte die Fifa im Mai angekündigt, einen Defibrillator zur Pflicht in jedem Fußballstadion zu machen - was in Deutschland bei den Profispielen schon der Fall ist. So war etwa der englische Profi Fabrice Muamba Mitte März auf dem Platz zusammengebrochen. Er überlebte nach einer Behandlung mit einem Defibrillator.

Neben einer zunächst unbekannten Herzmuskelverdickung kann auch ein Herzinfarkt oder eben die genannte Herzmuskelentzündung die Ursache sein, wenn ein Spieler plötzlich stirbt. Ein Register soll in Deutschland die Größenordnung solcher plötzlichen Todesfälle beim Sport und deren Ursachen genau erfassen. Es wird an der Universität des Saarlandes geführt.

"Insgesamt ist so ein Ereignis wirklich selten", betont auch Prof. Karl-Heinz Schulz, wissenschaftlicher Leiter des UKE Athleticums. Eine US-Studie mit mehr als zehn Millionen Marathonläufern in zehn Jahren habe beispielsweise 59 solcher Todesfälle durch plötzlichen Herzstillstand gezählt.

Am Athleticum sollen laut Schulz auch Studien laufen, die den Nutzen von Bewegungsmedizin für die unterschiedlichsten Patienten überprüfen soll, etwa bei Menschen nach Nierentransplantationen, mit Krebs oder auch psychiatrischen Erkrankungen. Eine Studie bei Multiple-Sklerose-Patienten habe beispielsweise Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten und der Gehfähigkeit gezeigt, nachdem die Patienten mit der Nervenerkrankung ein Training absolviert hatten. Die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden.

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