11.08.12

"Curiosity" auf dem Mars

Fast punktgenaue Landung - 200 Meter neben geplanter Stelle

Das komplizierte Landemanöver lief nahezu perfekt. Die Erkenntnisse können für weitere Mars-Missionen sehr hilfreich sein.

Foto: AFP
Ein Blick auf den Mars
Ein Blick auf den Mars

Washington. Der Rover "Curiosity" ist auf dem Mars nur knapp 200 Meter von der geplanten Stelle entfernt gelandet. Das fanden Nasa-Wissenschaftler nach der Untersuchung der Daten heraus, die das Roboterfahrzeug in seinen ersten Tagen auf dem Roten Planeten gesendet hat. Nach einem rund 560 Millionen Kilometer langen Flug sei das ein erstaunlich gutes Ergebnis, sagte der Nasa-Wissenschaftler Steve Sell bei einer Pressekonferenz im kalifornischen Pasadena am Freitag (Ortszeit). "Es ist unglaublich, wenn man jahrelang Pläne macht und dann sieht, dass sie genau so aufgehen."

Bislang sei aber erst rund ein Megabyte der Daten von der Landung zur Erde geschickt worden. Rund 100 Megabyte befänden sich noch auf dem Rover und würden nun nach und nach heruntergeladen.

Alle drei Marssonden – der "Mars Reconnaissance Orbiter" und "Odyssey" von der Nasa, sowie "Mars Express" von der europäischen Raumfahrtagentur Esa – hätten bislang Daten geschickt, insgesamt weit mehr als erwartet. Die Informationen wollen die Wissenschaftler nutzen, um für weitere Mars-Missionen noch besser vorbereitet zu sein.

+++Kamera ausgefahren und Panorama-Foto geschickt+++

In den kommenden Tagen soll die Software des Rovers komplett ausgetauscht werden – eine Art "Gehirntransplantation", wie Nasa-Wissenschaftler es formulieren. "Die Flug-Software, die "Curiosity" im Moment noch benutzt, war darauf fokussiert, das Fahrzeug zu landen. Sie hat viele Komponenten, die wir jetzt einfach nicht mehr brauchen", sagte Nasa-Forscher Ben Cichy.

Bis Montag soll die neue Software auf den Computer und auch auf den Notfall-Computer des Rovers hochgeladen sein. Danach könnte er losrollen und wissenschaftliche Experimente starten. "Curiosity" war am Montag nach rund acht Monaten Flug gelandet. Es ist die teuerste und technisch ausgefeilteste Mission, die es je zum Mars gab.

Fanpost und Heiratsanträge für Nasa-Forscher nach Marsrover-Landung

Von Wissenschaftlern zu Stars: Die Ingenieure der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die den Rover "Curiosity" erfolgreich auf dem Mars gelandet haben, werden in den USA fast wie Popstars gefeiert. "Wir haben so viele E-Mails und Anfragen über Twitter und Facebook bekommen – das zu bearbeiten wird Wochen dauern", sagte der Nasa-Wissenschaftler Steve Sell am Freitag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Sein Kollege Allen Chen erzählte, er sei in den vergangenen Tagen in einer Pizzeria erkannt worden. "Das war etwas ganz Neues für mich."

Zum absoluten Liebling entwickelt sich aber ihr Kollege Bobak Ferdowsi. Während der Landung des Marsrovers, die aus dem Kontrollzentrum der Nasa im kalifornischen Pasadena live im Internet übertragen wurde, war der Wissenschaftler mit einer außergewöhnlichen Frisur aufgefallen: einem Irokesenschnitt mit einrasierten Sternen an den Seiten. Im Internet wurde der sogenannte "Mohawk Guy" zum Renner. Sogar Heiratsanträge habe er bekommen, sagte Ferdowsi dem Magazin "Wired". "Einer meiner liebsten kam über Twitter und er ging so: "Willst du mich heiraten? Wenn ja, lande einen Rover auf dem Mars".

Mit Material von dpa

Die Instrumente der Curiosity
Der fast eine Tonne schwere Marsrover "Curiosity" ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt er zwei Kameras an einem Mast. Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken.
Die "ChemCam" besitzt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen.
Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das "APXS" ("Alpha-Particle X-ray Spectrometer"), ein Röntgenspektrometer.
Am Ende des Roboterarms ist der "Mars Hand Lens Imager" ("Mahli") angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen.
Die Geologen profitieren auch vom "CheMin", einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden dort durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.
Hinzu kommt das Gerät "Sample Analysis at Mars" ("Sam"), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.
Der "Radiation Assessment Detector" ("Rad") analysiert die Teilchenstrahlung auf dem Planeten. Windgeschwindigkeit und -richtung, Druck, relative Feuchtigkeit, Luft- und Bodentemperatur sowie ultraviolette Strahlung werden von den Geräten des "Remote Sensing Mast" ("RSM") bestimmt.
Eine weitere Kamera namens "Mardi" ("Mars Descent Image") filmt den Abstieg des Rover ab dem Moment, von dem der Hitzeschild ausgeklinkt wird. Das Objektiv ist direkt nach unten auf den Boden gerichtet.
Schaufel, Bohrer und Bürsten und ein Roboterarm komplettieren die Ausstattung. Der Einsatz aller Geräte muss sorgfältig geplant werden: Die zur Verfügung stehende Energie ist begrenzt. Zudem lassen sich nicht beliebig viele Daten vom Mars zur Erde oder Befehle in die andere Richtung übertragen.
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