08.08.12

Tierwelt

Graupapageien schlauer als Hunde und Affen

Die Vögel beherrschen das Ausschlussverfahren. Im Versuch wurden ihnen Plastikboxen mit Futter präsentiert. Andere Tiere schnitten schlechter ab.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Graupapagei
Schlaues Kerlchen: Der graupapagei schlägt im Ausschlussverfahren Hund und Affe

London. Der Hund ist der beste Freund des Menschen - und wird gemeinhin als sehr schlau angesehen. Im Gegensatz zu Hunden beherrschen Graupapageien aber das Ausschlussverfahren: Wenn sie wissen, dass eine von zwei Plastikboxen Futter enthält, reicht es ihnen, wenn die leere Box geschüttelt wird. Aus dem Fehlen des Klapperns schließen die intelligenten Vögel, dass sich das Futter in der anderen Box befinden muss. Das zeigen Experimente eines deutsch-österreichischen Forscherteams. Diese Art der logischen Schlussfolgerung quasi um zwei Ecken sei bisher nur bei Menschen und Menschenaffen beobachtet worden. Alle anderen getesteten Tierarten, darunter auch andere Affenarten und Hunde, hätten dagegen in solchen Tests versagt, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B". Die Experimente deuten ihrer Ansicht nach darauf hin, dass Graupapageien den Zusammenhang von Ursache und Wirkung verstehen und auch danach handeln.

Menschenkinder begreifen etwa ab drei Jahren, dass ein gefüllter Behälter beim Schütteln meist klappert oder sonstige Geräusche von sich gibt und ein leerer Behälter nicht. Sie verstehen den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Geräusch und der Füllung. Ob Graupapageien diese Fähigkeit auch besitzen, haben Christian Schloegl von der Universität Wien und seine Kollegen aus Wien, Göttingen und Tübingen nun getestet. Sie legten die Latte für die intelligenten Vögel aber noch ein Stück höher. Sie wollten wissen, ob die Papageien verstehen, dass es sich nicht lohnt, unter einem nicht klappernden Behälter nachzusehen.

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Der Versuchsaufbau bestand aus zwei undurchsichtigen Plastikboxen auf einem Tisch. Nur in einer der beiden befand sich ein Walnusskern - eine Lieblingsspeise der Papageien. Ein Wissenschaftler schüttelte nun vor den Augen – und Ohren – der Vögel entweder die gefüllte Box, die leere oder beide Boxen. "Um die Aufgabe zu lösen, müssen die Papageien Schlussfolgerungen über zwei Schritte hinweg ziehen", erklären die Forscher. Zuerst mussten sie das Klappern oder Nicht-Klappern mit An- oder Abwesenheit von Futter im Behälter verbinden. Diese Information sollten sie dann nutzen, um eine weitere Schlussfolgerung zu ziehen: Fehlendes Klappern in der einen Box bedeutet, dass das Futter in der anderen sein muss.

An diesem entscheidenden zweiten Schritt seien Hunde regelmäßig gescheitert, sagen die Forscher. Die sechs getesteten Graupapageien meisterten die Aufgabe dagegen ohne Probleme: "In allen drei Varianten identifizierten die Vögel den gefüllten Behälter auf Anhieb", berichten Schloegl und seine Kollegen.

Dass die Papageien den Zusammenhang von Schütteln, Klappern und Inhalt begriffen hatten, bestätigte ein weiteres Experiment. Dabei spielten die Forscher den Vögeln nur das Geräusch des Klapperns per Lautsprecher vor, ohne die jeweilige Box zu schütteln. Prompt wählten die Papageien nun beide Boxen gleich häufig. Das zeige, dass die Papageien nicht einfach nur auf das Geräusch als Signal reagierten, sagen die Wissenschaftler. Stattdessen hätten sie verstanden, dass dieses Geräusch durch das Schütteln hervorgerufen wurde – und dies nur dann, wenn die Box auch Futter enthielt.

(dapd)
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