06.08.12

Moskitos und Co.

Schnakenbekämpfung: großer Brummer gegen kleine Stecher

Sie können einem den schönsten Sommerabend verderben: Stechmücken. Die Kommunen am Oberrhein gehen seit Jahren gegen die Larven vor.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Schnakenbekämpfung
Ein im Auftrag der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) e.V. fliegender Helikopter verstreut in Karlsruhe über einem Stechmückenbrutgebiet Sandgranulat, das mit Öl und dem Bacillus thuringiensis israelensis versetzt ist.

Karlsruhe/Waldsee. Mit einer kleinen weißen Schüssel schöpft Oliver Same Wasser aus einem Altrheinarm oberhalb des Karlsruher Hafens. "Da haben wir ja die kleinen Biester", sagt er und deutet auf die schwarzen Schnakenlarven, die durch die trübe Flüssigkeit zucken. Sieben oder acht sind es – und damit definitiv zu viele. Bei den warmen Temperaturen würden spätestens in einer Woche Millionen von surrenden Stechmücken schlüpfen, erklärt er. Dann wäre es nicht nur im benachbarten Freibad mit der Ruhe vorbei. Das muss Same von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage am Oberrhein (KABS) verhindern. Die Insekten-Bekämpfer haben ihren Sitz im pfälzischen Waldsee.

Der Befund verlangt nach großem Gerät. Ein Hubschrauber muss her, um über der gefluteten, etwa 40 Quadratmeter großen Auenfläche das Schnakengift abzuwerfen. Die Einsatzgruppe trifft sich am Rande des Naturschutzgebietes. Ein Eis-Laster bringt die für Schnakenlarven tödliche Eiweißmischung. Eine Mühle zerhackt die Eisblöcke in hagelkorngroße Stücke, die in einen Metallbehälter rieseln. Gefüllt sieht er aus wie ein riesiger Becher mit Popcorn.

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Der Hubschrauber hebt ab und zieht die Tonne nach oben. Schnell verschwindet er mit seiner unter dem Rumpf baumelnden Last über den Wipfeln. Oliver Same hat das Einsatzgebiet mit GPS-Daten eingegrenzt. Als der Pilot die Stelle erreicht, öffnet er die Schleusen und lässt die Hagelkörner herabregnen. Minuten später ist der Behälter leer.

Nach zwei weiteren Flügen ist die Arbeit getan. Dann müssen die Fußtruppen ran. "Kleinere Tümpel am Rand trifft der Hubschrauber nicht", erklärt Same und schlüpft in seine hohen Gummistiefel. "Nach

20 Jahren kenne ich hier jedes Schnakenloch. Manchmal wundere ich mich, wie die Mücken immer wieder dahin finden." Zwölfmal im Jahr könne ein Mückenweibchen Eier ablegen – jedes Mal 60 bis 80 Stück. Das reiche locker, um den Bestand trotz Bekämpfung zu sichern.

"Mücken lieben das Brackwasser in Pfützen, die sich bei Hochwasser bilden." Und davon gab es in diesem verregneten Jahr jede Menge. 15 Mal war der Hubschrauber bereits im Einsatz, in anderen Jahren sind es gerade mal fünf Flüge. Same greift nach einem Kasten mit Sand. "Das Eiweiß ist untergemischt, damit wir es besser verteilen können." Wie früher die Bauern beim Aussäen werfen er und seine Mitarbeiter die Körner Hand um Hand über die grünalgigen Flächen.

Im Wasser löst sich das Eiweiß auf, wird von den Larven gefressen und zersetzt ihren Darm. "Andere Lebewesen werden dadurch nicht beeinträchtigt", sagt der wissenschaftliche Direktor der KABS, Norbert Becker. Zurzeit läuft eine weitere Untersuchung, die möglichen Wirkungen auf Mikroorganismen nachgeht. Same nimmt deshalb vor und nach jedem Hubschraubereinsatz Wasserproben.

Naturschützer beobachten das aufwendige Treiben der Schnakenbekämpfer mit dem Hubschrauber im Schutzgebiet mit Skepsis. Das Argument, die Aktionen dienten auch dem Vogelschutz, weil Stechmücken die für Amseln tödlichen Usutu-Viren übertragen, wollen sie nicht geltenlassen. Das könnten die Bestände aushalten, sagt etwa der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Baden-Württemberg, Andre Baumann. Aber eine echte Front bauen die Naturschützer nicht auf, wohl auch, weil sich für Schnaken nur schwer Sympathisanten finden.

Denn an die Zeit vor der Bekämpfung erinnert sich niemand gern. "Damals sind die Bauern hier in der Umgebung teilweise im Taucheranzug auf dem Traktor gesessen", erzählt Same. Und Becker weiß von Fußballturnieren in den Rheinauen, die abgebrochen werden mussten, "weil alle Spieler vor lauter Mücken so schwarz waren wie der Schiedsrichter".

Same und seine Mitarbeiter haben sich für den Einsatz trotz Sonne langärmlige Pullover übergezogen. "Von Autan oder anderen Mittelchen halte ich nichts", sagt einer der Helfer. "Ein paar Stiche muss man in dem Job schon abkönnen." Auch Same sieht es gelassen. "Wenn wir gut gearbeitet haben, kommen wir heil davon."

So schützen sie sich wirksam vor Zeckeninfektionen
Die beste Vorsorge ist, Zeckenstiche möglichst gar nicht erst zuzulassen
Streifen Sie nicht durch hohes Gras oder Unterholz.
Geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen bieten den Blutsaugern wenig Angriffsfläche. Dazu sollten die Socken über die Hosenbeine gezogen werden.
Auf heller Kleidung fallen Zecken (auch Mücken) besser auf, können erlegt oder entfernt werden, bevor sie zustechen.
Auch Insekten abweisende Mittel helfen (etwa zwei Stunden).
Nach dem Aufenthalt in Wald oder Wiese sollten Körper und Kleidung nach Blutsaugern abgesucht werden, besonders bei Kindern.
Zecken bevorzugen dünne und warme Hautstellen, etwa Arme, Kniekehlen, Hals und Kopf.
Ist eine saugende Zecke entdeckt, ist Vorsicht geboten: Man fasst sie mit einer Pinzette, die vorne spitz zuläuft, dicht über der Einstichstelle. Dabei sollte die Zecke nicht gequetscht werden. Sie wird langsam nach oben aus der Haut gezogen. Hilfe bietet eine sogenannte Zeckenkarte (aus der Apotheke).
Anschließend die Stichstelle desinfizieren.
(dpa)
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