02.08.12

Marslandung

Montag soll "Curiosity" auf dem roten Planeten landen

Gab es Wasser und Leben auf dem Mars? Ein NASA-Rover soll auf Spurensuche gehen. Die Mission kostet rund zwei Milliarden Euro.

Foto: dpa/DPA
Diese Computeranimation zeigt das Roboterfahrzeug Curiosity. Am Montag, 6. August, soll es auf dem Mars landen. Ein Ereignis, das auf einer Großleinwand am New Yorker Times Square übertragen werden soll
Diese Computeranimation zeigt das Roboterfahrzeug Curiosity. Am Montag, 6. August, soll es auf dem Mars landen. Ein Ereignis, das auf einer Großleinwand am New Yorker Times Square übertragen werden soll

Pasadena. Wenn am Montagmorgen die ehrgeizigste und teuerste Marsmission der Raumfahrtgeschichte den Roten Planeten erreicht, richten sich die Augen auf den von der NASA neu konstruierten Rover. "Curiosity" heißt das Fahrzeug, übersetzt "Neugier". Mit ihm will die US-Raumfahrtbehörde klären, ob auf dem Mars einst Mikroben leben konnten.

Aber dazu muss die knapp eine Tonne schwere "Curiosity" erstmal ankommen. "Sieben Minuten des Schreckens" erwarten die Experten - denn so lange soll es dauern, bis der Rover von einer Geschwindigkeit von 20.920 Stundenkilometern auf Null abgebremst ist und um voraussichtlich 7:31 Uhr MESZ auf der Oberfläche des Planeten aufsetzt. "Falls das klappt, wäre es ein wichtiger technischer Schritt nach vorne. Es ist ein großes, gewagtes Spiel", sagt Howard McCurdy, Raumfahrtexperte an der American University. Immer wieder gab es bei Marsmissionen Probleme und Rückschläge, besonders das Absetzen von Rovern erwies sich als schwieriger als gedacht.

Landung auf dem Mars wohl schwierigste Etappe

Bei der "Curiosity" kommt ein neues Verfahren zum Einsatz: Zunächst tritt eine Trägerkapsel in die dünne Marsatmosphäre ein und fliegt in S-Kurven, um das Tempo zu senken. Bei 1.450 Stundenkilometern werden der große Bremsfallschirm entfaltet und die schützenden Hitzeschilder abgeworfen, so der Plan. Die "Curiosity" löst sich daraufhin von der Einheit und zündet ein Raketenmodul, um weiter abzubremsen und in einen Schwebezustand zu gelangen.

+++ Der Mars +++

In dem Modul verbergen sich meterlange Seile. An ihnen soll der Rover ganz langsam und vorsichtig auf den Mars herabgelassen werden. Klappt alles, kommen 14 Minuten später über Funk die ersten Videobilder auf der Erde an, und die Seile werden gekappt. "Der Mars kann einem immer einen Streich spielen", warnt der frühere NASA-Experte Scott Hubbard vor zu viel Optimismus. Achteinhalb Monate war die "Curiosity" von der Erde aus unterwegs - und doch könnten ein Sandsturm, plötzliche Windböen oder ungeahnte technische Probleme das Projekt jederzeit scheitern lassen. Mit 2,5 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) beziffert die NASA die Kosten der Mission. Nachdem auf dem Mars Eis festgestellt wurde und es Zeichen dafür gibt, dass einst Wasser floss, geht es jetzt darum, ob die Bedingungen Leben ermöglichten.

"Curiosity" soll mindestens 23 Monate lang forschen

Die "Curiosity" soll im Gale-Krater landen. Auf Weltraumfotos haben Wissenschaftler dort Muster von Sulfaten und Tonmineralien entdeckt, was vermuten lässt, dass am Kraterboden früher einmal Wasser stand. Der Rover kann beispielsweise in Gestein und Boden bohren, um Kohlenstoff und andere Elemente aufzuspüren. Mindestens ein Marsjahr, das 687 Erdtagen entspricht, soll der Rover von der Größe eines Mini Coopers forschen. Angetrieben durch Plutonium, hat die "Curiosity" verschiedene Analysegeräte an Bord, darunter ein mineralogisches Kleinlabor und ein Röntgenspektrometer. Finden sich Beweise dafür, dass früher Wasser floss, wäre Leben möglich gewesen. Aber die "Curiosity" kann Proben auch direkt auf organisches Material untersuchen. Schon seit 1960 versucht die internationale Raumfahrt, sich dem Roten Planeten zu nähern. Von bislang gut 40 Missionen waren weniger als die Hälfte erfolgreich, erst im Januar scheiterte ein russischer Versuch. Wissenschaftler glauben, dass auf dem Mars einst Leben existierte – doch für den Beweis brauchen sie Daten von der Oberfläche. Die "Curiosity" könnte die fehlenden Puzzlestücke liefern.

Chronologie bisheriger Marsmissionen
Bis zu 400 Millionen Kilometer ist der Mars von der Erde entfernt. Um ihn zu erforschen, hat die Menschheit dutzende Missionen gestartet. Doch nur wenige waren erfolgreich:
10. Oktober 1960: Die damalige Sowjetunion schickt die "Marsnik 1" ins All – doch die Trägerrakete versagt noch in der Erdatmosphäre.
4. November 1962: Die Sowjetunion startet mit "Sputnik 24" den ersten Landeversuch auf dem Roten Planeten. Die Sonde zerbricht allerdings schon kurz nach dem Start und verglüht am 19. Januar 1963 in der Erdatmosphäre.
27. November 1971: Das Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 2" zerschellt an der Oberfläche des Roten Planeten. Es ist das erste menschengemachte Objekt auf dem Mars.
2. Dezember 1971: Dem Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 3" gelingt die erste weiche Landung auf dem Roten Planeten, nach 20 Sekunden versagen jedoch seine Instrumente.
9. März 1974: Das Landemodul der sowjetischen Sonde "Mars 7" verfehlt den Roten Planeten um 1300 Kilometer – vermutlich wegen eines Computerfehlers.
12. März 1974: Die sowjetische Sonde "Mars 6" setzt ein Landemodul aus, der Kontakt reißt jedoch noch während des Abstiegs in die Marsatmosphäre ab.
12. Februar 1976: Die sowjetische "Mars 5" erreicht die Umlaufbahn des Nachbarplaneten.
20. Juli 1976: Die Landekapsel der US-Sonde "Viking 1" landet weich auf dem Mars. Mehr als sechs Jahre sendet sie Bilder und Daten.
3. September 1976: Das Landemodul der amerikanischen "Viking 2"- Sonde setzt weich auf dem Roten Planeten auf. Es funkt rund dreieinhalb Jahre lang Bilder und Daten.
17. November 1996: Die russische Raumsonde "Mars 96" stürzt nach einem fehlerhaften Start samt Mars-Einschlagmodulen in den Pazifik.
4. Juli 1997: Die US-Sonde "Pathfinder" landet auf dem Mars und liefert spektakuläre Bilder. Mit dem Roboter "Sojourner" erkundet erstmals ein ferngesteuertes Fahrzeug einen anderen Planeten.
3. Dezember 1999: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa verliert bei der Landung des "Mars Polar Lander" den Kontakt zu der Forschungssonde.
24. Oktober 2001: Die US-Sonde "Mars Odyssey" erreicht die Umlaufbahn und entdeckt Wassereis auf dem Mars.
14. Dezember 2003: Die erste japanische Mars-Mission scheitert - die Sonde "Nozomi" verfehlt den Planeten um fast 1.000 Kilometer.
25. Dezember 2003: Der Landerobotor "Beagle 2" der europäischen Sonde "Mars-Express" wird auf der Oberfläche abgesetzt, sendet aber keine Funksignale.
4. Januar 2004: Der amerikanische Landeroboter "Spirit" erreicht den Mars und setzt im Krater Gusev auf. Drei Wochen später landet sein Zwilling "Opportunity", der noch immer die Oberfläche erkundet. Der Kontakt zu "Spirit" bricht im März 2010 ab.
26. Mai 2008: Die US-Marssonde "Phoenix" setzt weich am Nordpol des Roten Planeten auf. Mittels Bodenproben können Nasa-Forscher zwei Monate später erstmals Wasser auf dem Planeten nachweisen. Seit November 2008 ist "Phoenix" nicht mehr in Betrieb.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die IWF-Chefin Christine Lagarde stand wegen umstrittener Entschädigungszahlungen unter Druck
24.05.13Tapie-Affäre
IWF-Chefin Lagarde entgeht Ermittlungsverfahren

Gegen IWF-Chefin Christine Lagarde wird vorerst kein Anklageverfahren eingeleitet. Die ehemalige französische Finanzministerin stand unter Verdacht, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. mehr...


Die Angeklagten Daviti K. (l.) und Besik N. (r.) mit einem Dolmetscher im Hamburger Landgericht
24.05.13Hamburg
Angeklagter gesteht brutalen Raubüberfall auf Juwelier

Vor dem Hamburger Landgericht behauptete der 40-Jährige, er und sein mutmaßlicher Komplize seien drogenabhängig gewesen und hätten Geld benötigt. Die Tat sei jedoch nicht geplant gewesen. mehr...


Florian Pronold soll für Infrastruktur und Verkehr zuständig sein
24.05.13Wahlkampf
Pronold soll Steinbrücks Kompetenzteam verstärken

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold soll offenbar in das Wahlkampfteam von Kanzlerkandidat Steinbrück berufen werden. Für den Beginn der Woche wird außerdem mit zwei weiteren Personalien gerechnet. mehr...

Typhoon escorts plane into Stansted
24.05.13Britischer Luftraum
Kampfjet leitet Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Ein Kampfjet hat ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Probe-Flug
Erster Karbon-Kevlar Helikopter stürzt ins Wasser

Testurteil: Verbesserungswürdig. In der Erprobungsphase stürzte der Hubschrauber nach 200 Flugstunden mit zwei Personen an Bord ins Meer.…mehr »

Top Bildergalerien mehr
US-Staat Washington

Vierspurige Straßenbrücke eingebrochen

Hamburger Finalistin

Hamburgerin Lovelyn im GNTM-Finale

Hamburg

Hoheluft: Eisdiele komplett ausgebrannt

Kripo ermittelt

Zeitungsausträger findet Leiche in Quickborn

tb_meravis.gif
Meravis

Neuer Raum für Hamburgmehr

Highlights