31.07.12

Nasa

Countdown für "Curiosity": Marsrover kurz vor Landung

Nach rund acht Monaten Flug soll "Curiosity" auf dem Mars landen. Schnell haben Experten noch eine Raumsonde für die Beobachtung repariert.

Foto: REUTERS
Mit Laserstrahlen, die Gestein verdampfen und einem Intrumentenarm soll "Curiosity" die Oberfläche des Roten Planeten untersuchen
Der Mars-Rover "Curiosity" soll bald die Oberfläche des Roten Planeten unsicher machen

Washington. Nur noch wenige Tage, dann soll das Roboterfahrzeug "Curiosity" auf dem Mars landen. Bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist die Spannung ins Unermessliche gestiegen: Nichts darf bei dem riskanten Landemanöver am kommenden Montag (6. August) schiefgehen, sonst würde die rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 1,9 Milliarden Euro) teure Mission wohl zu einer einzigen Blamage.

Gerade noch rechtzeitig hat die Nasa in der vergangenen Woche die Raumsonde "Odyssey" zurück in die richtige Spur gesetzt. "Curiosity" kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenig Informationen an die Erde schicken – und auch nicht sofort die Landung melden. Die Nasa braucht deswegen einen Beobachter: "Odyssey". Die Raumsonde umkreist seit 2001 den Mars, hatte sich aber vor einigen Wochen überraschend in eine Art Ruhezustand geschaltet. Das hätte bedeutet, dass sie rund zwei Minuten zu spät am Ort des Landemanövers von "Curiosity" vorbeigeflogen wäre.

Mithilfe einer Korrekturdüse hat die Nasa "Odyssey" wieder in den Normalzustand versetzen können. "Die Informationen, die wir bekommen, lassen uns schließen, dass das Manöver wie geplant abgelaufen ist", teilte Nasa-Manager Gaylon McSmith in einer Pressemitteilung mit. Pünktlich um 7:31 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am 6. August werde "Odyssey" hoffentlich die erfolgreiche Landung des Marsrovers an die Erde funken. Zwei weitere Marssonden – der "Reconnaissance Orbiter" der Nasa und der "Mars Express" der europäischen Weltraumbehörde Esa – werden das Ereignis ebenfalls überwachen, sie können ihre Daten aber aus technischen Gründen erst später an die Erde liefern.

+++Nach 570 Millionen Kilometern fast am Ziel+++

+++Leben auf dem Mars: Flechten von der Erde könnten überleben+++

Rund um die Landung ihrer bisher technisch ausgefeiltesten und teuersten Mars-Mission hat die Nasa ein Großevent geplant: Überall in den USA würden öffentliche Veranstaltungen organisiert, teilte Nasa-Manager Doug McCuistion mit. Mehrere Museen laden zum Beispiel zu Übernachtungspartys ein, da die Landung aufgrund der Zeitverschiebung in den USA mitten in der Nacht stattfindet. Außerdem veröffentlicht die Nasa ein Computerspiel, das eine virtuelle Landung des Rovers auf dem Mars simuliert. Das Spiel solle verdeutlichen, wie schwer es ist, ein solches Roboterauto auf dem Roten Planeten zu landen, teilte die Nasa mit. Via Twitter und Facebook soll live von der Landung berichtet werden.

Im November vergangenen Jahres war "Curiosity" an Bord einer Atlas-Rakete in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Wenn das rund 900 Kilogramm schwere Roboterfahrzeug das riskante Aufsetzmanöver auf dem Mars unbeschadet übersteht, soll es von seinem Landeplatz im Gale-Krater aus rund zwei Jahre lang auf der Suche nach mikrobiellem Leben über den Mars rollen.

Chronologie bisheriger Marsmissionen
Bis zu 400 Millionen Kilometer ist der Mars von der Erde entfernt. Um ihn zu erforschen, hat die Menschheit dutzende Missionen gestartet. Doch nur wenige waren erfolgreich:
10. Oktober 1960: Die damalige Sowjetunion schickt die "Marsnik 1" ins All – doch die Trägerrakete versagt noch in der Erdatmosphäre.
4. November 1962: Die Sowjetunion startet mit "Sputnik 24" den ersten Landeversuch auf dem Roten Planeten. Die Sonde zerbricht allerdings schon kurz nach dem Start und verglüht am 19. Januar 1963 in der Erdatmosphäre.
27. November 1971: Das Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 2" zerschellt an der Oberfläche des Roten Planeten. Es ist das erste menschengemachte Objekt auf dem Mars.
2. Dezember 1971: Dem Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 3" gelingt die erste weiche Landung auf dem Roten Planeten, nach 20 Sekunden versagen jedoch seine Instrumente.
9. März 1974: Das Landemodul der sowjetischen Sonde "Mars 7" verfehlt den Roten Planeten um 1300 Kilometer – vermutlich wegen eines Computerfehlers.
12. März 1974: Die sowjetische Sonde "Mars 6" setzt ein Landemodul aus, der Kontakt reißt jedoch noch während des Abstiegs in die Marsatmosphäre ab.
12. Februar 1976: Die sowjetische "Mars 5" erreicht die Umlaufbahn des Nachbarplaneten.
20. Juli 1976: Die Landekapsel der US-Sonde "Viking 1" landet weich auf dem Mars. Mehr als sechs Jahre sendet sie Bilder und Daten.
3. September 1976: Das Landemodul der amerikanischen "Viking 2"- Sonde setzt weich auf dem Roten Planeten auf. Es funkt rund dreieinhalb Jahre lang Bilder und Daten.
17. November 1996: Die russische Raumsonde "Mars 96" stürzt nach einem fehlerhaften Start samt Mars-Einschlagmodulen in den Pazifik.
4. Juli 1997: Die US-Sonde "Pathfinder" landet auf dem Mars und liefert spektakuläre Bilder. Mit dem Roboter "Sojourner" erkundet erstmals ein ferngesteuertes Fahrzeug einen anderen Planeten.
3. Dezember 1999: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa verliert bei der Landung des "Mars Polar Lander" den Kontakt zu der Forschungssonde.
24. Oktober 2001: Die US-Sonde "Mars Odyssey" erreicht die Umlaufbahn und entdeckt Wassereis auf dem Mars.
14. Dezember 2003: Die erste japanische Mars-Mission scheitert - die Sonde "Nozomi" verfehlt den Planeten um fast 1.000 Kilometer.
25. Dezember 2003: Der Landerobotor "Beagle 2" der europäischen Sonde "Mars-Express" wird auf der Oberfläche abgesetzt, sendet aber keine Funksignale.
4. Januar 2004: Der amerikanische Landeroboter "Spirit" erreicht den Mars und setzt im Krater Gusev auf. Drei Wochen später landet sein Zwilling "Opportunity", der noch immer die Oberfläche erkundet. Der Kontakt zu "Spirit" bricht im März 2010 ab.
26. Mai 2008: Die US-Marssonde "Phoenix" setzt weich am Nordpol des Roten Planeten auf. Mittels Bodenproben können Nasa-Forscher zwei Monate später erstmals Wasser auf dem Planeten nachweisen. Seit November 2008 ist "Phoenix" nicht mehr in Betrieb.
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