17.07.12

Neue Fakultät

Neue Medizinerausbildung in Hamburg

In St. Georg wurde der Asklepios Campus Hamburg gegründet. Eine Partnerschaft mit der Budapester Semmelweis-Universität

Foto: Asklepios
Hier wird gelehrt: das Gebäude der Asklepios Medical School auf dem Gelände der Asklepios-Klinik St. Georg
Hier wird gelehrt: das Gebäude der Asklepios Medical School auf dem Gelände der Asklepios-Klinik St. Georg

Hamburg. Kleiner, aber feiner Nachwuchs für Hamburgs Medizinerausbildung: Die Hamburger Asklepios Medical School hat jetzt den Status einer medizinischen Fakultät erreicht und ist damit den anderen medi-zinischen Fakultäten in Deutschland gleichwertig. Am vergangenen Freitag wurde in der ungarischen Botschaft der "Asklepios Campus Hamburg, Medizinische Fakultät Semmelweis Universität" gegründet. Vorläufer dieser Fakultät ist die Asklepios Medical School, die 2008 auf dem Gelände der Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg auf Grundlage einer Public Private Partnership (PPP) mit der staatlichen, ungarischen Semmelweis-Universität in Budapest den Betrieb aufnahm.

In dieser Einrichtung können Studenten, die die ersten vier Semester in Budapest absolviert haben, ihr Medizinstudium fortsetzen und mit einem vollwertigen Abschluss beenden. Mit der Gründung der medizinischen Fakultät in Hamburg hat Dr. Ágoston Szél, Rektor der Semmelweis-Universität, den Hamburger Mediziner Prof. Dirk Müller-Wieland zum Dekan ernannt. "Er wird nach und nach den akademischen Prozess auf dem Asklepios Campus Hamburg in Gang setzen", sagt Dr. Jörg Weidenhammer, Geschäftsführer der Asklepios Medical School.

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Dazu gehört auch, dass aus den jetzigen Dozenten Universitätsprofessoren werden können. "Das bedeutet, dass ihre Habilitationsleistung anerkannt wird und sie auf Antrag eine Professur der Semmelweis-Universität auf dem Asklepios Campus Hamburg erhalten. Damit können sie dann auch Promotionen und Habilitationen in Hamburg durchführen. Das war bislang nicht möglich", sagt Weidenhammer, der schon 2005 die Gründung der Asklepios Medical School auf den Weg gebracht hat. Mit der Gründung der Fakultät sei das große Ziel erreicht, mit anderen medizinischen Fakultäten in Deutschland vergleichbar zu sein.

Der neue Status sei auch für die Ärzte attraktiv. "Denn die Chefärzte, die sich bei uns bewerben, haben nun auch die Option, Universitätsprofessoren zu werden", so Weidenhammer. Zurzeit gibt es auf dem Asklepios Campus 163 Studierende sowie 140 lehrende Dozenten und weitere 300, die sich an der praktischen Ausbildung beteiligen.

Gleichzeitig mit der Gründung der Fakultät wurde am vergangenen Freitag auch der erste Abschlussjahrgang der Medical School feierlich verabschiedet. Von den 26 Studierenden, die 2008 in Hamburg aufgenommen wurden, haben 19 das Studium an der Medical School beendet, sieben Studenten sind zu anderen Universitäten gewechselt. "Alle 19 haben ihr Studium mit gutem oder sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Zwei Drittel von ihnen haben sich beim Unternehmen Asklepios beworben und werden auch eine Stelle bekommen", sagt Weidenhammer. Auch die Übrigen brauchen sich wohl keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen: "Ärzte werden in ganz Deutschland dringend gesucht."

Wer diesen Weg der Medizinerausbildung wählt, muss schon einiges mehr auf sich nehmen als bei einem herkömmlichen Studium. Am Beginn steht in den ersten vier Semestern das Studium der naturwissenschaftlichen Fächer an der Semmelweis-Universität in Budapest. Sie bietet in dieser sogenannten Vorklinik Studiengänge in deutscher, englischer und ungarischer Sprache an. Nach dem Physikum, der ersten großen Zwischenprüfung, können die Studenten dann auf den Asklepios Campus Hamburg wechseln. "Sie könnten auch in deutscher Sprache ihr Studium dort abschließen, aber dann müssten sie so viel ungarisch lernen, dass sie sich gut mit den ungarischen Patienten verständigen können. Deswegen wollen die meisten nach Deutschland zurückkehren", sagt Weidenhammer.

Der Weg nach St. Georg steht aber nur den Besten offen. "Das Zulassungsverfahren umfasst das Physikum und ein strukturiertes Interview. Das Physikum sollte mit der Note ,sehr gut' oder ,gut' abgeschlossen worden sein. Im Interview wird die Motivation geklärt. Uns ist es sehr wichtig, dass alle, die bei uns studieren, später den Arztberuf ergreifen", erklärt Weidenhammer. Wer das Physikum mit einer schlechteren Note abschließt, hat aufgrund der geringen Anzahl von jährlich 50 Studienplätzen keine Chance, auf dem Campus aufgenommen zu werden. Diese Studenten versuchen dann, an den anderen Hochschulen unterzukommen. Entweder, indem sie einen Studienplatz einklagen oder sich für einen der Plätze bewerben, die dadurch frei werden, dass nicht alle das Physikum bestehen.

Wer es geschafft hat, einen der Plätze auf dem Asklepios Campus Hamburg zu erhalten, den erwartet ein anderes Studium als an den anderen Fakultäten in Deutschland. "Durch die Struktur, die uns von der Semmelweis-Universität vorgegeben ist, haben wir nicht die beiden sonst üblichen, großen Multiple-Choice-Examen, sondern nach den einzelnen Semestern viele kleine mündliche Prüfungen, sodass der Wissensstand der Studierenden laufend geprüft wird. Das ist ein großer Unterschied und bedeutet für die Arbeit mit den Studierenden eine hohe Dialogbereitschaft. Auf dem Campus entsteht ein ganz anderes Gesamtklima, weil sich die Lehrenden und Lernenden permanent in Prüfungen begegnen und so zueinander ein engeren Kontakt entwickeln." Nach zwei Jahren folgt dann wie an anderen medizinischen Fakultäten auch das praktische Jahr. Danach schließen die Studenten mit einer Diplomarbeit und mündlichen Prüfungen in den wichtigsten Fächern ihr Studium ab. "Das Diplom kann dann bei jedem Landesprüfungsamt in Deutschland eingereicht werden und die Approbation, also die Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes, wird erteilt."

Die Ausbildung hat allerdings auch ihren Preis: 6500 Euro müssen die Studenten in Budapest pro Semester bezahlen. In Hamburg fallen sogar 7200 Euro pro Semester an. Zum Vergleich: In Hamburg mussten Studierende an der Universität Hamburg bisher 288 Euro Semesterbeitrag und 375 Euro Studiengebühren pro Semester zahlen; die Studiengebühren entfallen ab dem Wintersemester 2012/2013. Weidenhammer: "Wir haben die Möglichkeit, diejenigen zu unterstützen, die das Geld nicht aufbringen können. Wenn sich jemand verpflichtet, nach dem Studium drei Jahre bei Asklepios zu arbeiten, werden die Studiengebühren für drei Jahre zur Hälfte von der Klinik übernommen, in der der Student später tätig sein wird." Zudem gebe es Vereinbarungen mit mehreren Banken für die Aufnahme von Krediten.

Organspende in Deutschland
Ein Organspender kann bis zu sieben schwer kranken Menschen helfen.
Aber auch wenn alle Bundesbürger nach ihrem Tod Organe spenden wollten, könnten nicht alle Patienten gerettet werden.
Nur den wenigsten möglichen Spendern können aus medizinischen Gründen nach dem Tod Organe entnommen werden.
75 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.
Rund 12 000 Menschen warten auf ein Spenderorgan, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.
Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.
Im Schnitt sterben täglich drei Menschen auf den Wartelisten.
4054 Menschen konnte 2011 mit einer Transplantation geholfen werden (2010: 4326).
14,7 Spender kommen in Deutschland auf eine Million Einwohner (in Spanien: 32,0, Österreich 23,3, Schweiz 12,6, Luxemburg 6,0).
1200 Menschen wurden 2011 nach ihrem Tod 3917 Organe entnommen darunter 2036 Mal Niere, 1040 Leber, 363 Herz, 313 Lunge, 160 Bauchspeicheldrüse, 6 Dünndarm.
Von den Spendern waren 36 jünger als 16 Jahre, 571 waren 16 bis 54 Jahre alt, 236 waren 55 bis 64 Jahre alt, 357 waren älter als 65 Jahre.
Weitere 795 Nieren wurden von lebenden Spendern übertragen.
Zudem wurden 71 mal Teile der Leber von Lebendspendern übertragen.
Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation, Zahlen 2011
Alternativen zum Medizinstudium in Budapest
Inzwischen gibt es neben Budapest einige weitere Orte im Osten Europas, in denen auf Deutsch oder auf Englisch Medizin studiert werden kann und an denen die Studiengebühren möglicherweise etwas günstiger sind.
Dazu zählen etwa die Universitäten in den Städten Pécs und Szeged in Ungarn, sagt Richard Seubert von der Agentur für Arbeit in Schwäbisch Hall.
Weitere Möglichkeiten seien die Hochschulen in Riga in Lettland, Martin in der Slowakei, Hradec Králové in Tschechien sowie Split in Kroatien.
Quelle: dpa
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