12.07.12

Ausgrabungen

Archälogen entdecken kostbaren Silberring

Das Schmuckstück ist mit einem blauen Stein bestetzt und wurde In einem mittelalterlichen Grab des früheren Augustinerklosters gefunden.

Foto: ZB/DPA
Rote Spitzen in Altenburg
In einem mittelalterlichen Grab vor dem Nordturm des früheren Augustinerklosters fanden sie einen kostbaren Silberring

Altenburg. Die Roten Spitzen in Altenburg – Überbleibsel eines vor 840 Jahren von Kaiser Barbarossa gestifteten Klosters - bergen noch manches Geheimnis. Eines konnten jüngste archäologische Grabungen lüften. So kam bei Bauarbeiten direkt vor den beiden Türmen ein bisher unbekannter mittelalterlicher Friedhof zutage. Über hundert Gräber wurden von den Altenburger Stadtarchäologen in den vergangenen Wochen vermessen, aufwendig dokumentiert und nun im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar inventarisiert. Doch damit nicht genug: Im letzten Grab, das die Archäologen untersuchten, fanden sie einen wertvollen Silberring.

Der mutmaßliche Ehering ist geschmückt mit einem blauen Stein, höchstwahrscheinlich aus im Mittelalter teuer gehandeltem Lapislazuli. "Der Fund ist so besonders, weil Grabbeigaben im Mittelalter unüblich waren", erläutert Grabungsleiter Uwe Moos. Auch Gustav Wolf, Leiter der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes, ist begeistert: "Mittelalterliche Ringe sind nicht so häufig erhalten, schon deshalb ist der Fund eine kleine Sensation." Nach Laboruntersuchung und Restaurierung soll der Ring im geplanten Besucherzentrum besichtigt werden können.

+++ Das Kloster im Keller der Handelskammer +++

Der aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammende Ring zeugt von den frühen Jahren der Stadt, die Friedrich I. – besser bekannt als Kaiser Barbarossa – zu einer Beispielmetropole erhob. "Altenburg wurde damals aufgewertet und zu einem Zentralort gemacht. Die Hauptkirche war das Kloster", erklärt Moos die Bedeutung der Roten Spitzen, heute das Wahrzeichen der Stadt. Allein das Baumaterial – exotischer, roter Backstein, den es bis dahin nur in Italien gab – zeuge davon, welches Gewicht der Kaiser dem ehemaligen Stiftskloster St. Marien, das in der Reformationszeit enteignet wurde, beigemessen haben muss. Seit 2006 sind dessen noch erhaltene roten Türme als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" anerkannt.

Mit dem Überraschungsfund gehen die archäologischen Grabungen an den Roten Spitzen zu Ende. Die Altertumsforschende Gesellschaft, die das Geschehen seit 2006 mitverfolgt, bedauert allerdings, dass vorerst keine weiteren Geldquellen gefunden werden konnten. Noch gebe es viel zu erforschen, sagt Moos. "Der Norden des Querschiffs des Klosters kann noch ausgegraben werden." Weitere Überraschungen seien nicht ausgeschlossen.

+++ Der bedeutendste Fund seit Tutanchamun +++

In seiner letzten Arbeitswoche an dem ehemaligen Kloster geht Moos noch einmal über die Ausgrabungsstätte. Dort, wo sich einmal das Querhaus befand, ragen freigelegte Mauerreste aus verschiedenen Epochen hervor. Rund herum sind Handwerker damit beschäftigt, das neue Besucherzentrum entstehen zu lassen. "Spätestens im nächsten Jahr wird die Grabungsstätte über ein Wegesystem aus Metall begehbar sein", erzählt er. Das Schlossmuseum Altenburg bereitet momentan eine Ausstellung in den beiden noch erhaltenen Türmen vor. Bevor das neue Besucherzentrum eröffnet ist, können Interessierte am 25. und 26. August schon einmal einen Blick auf das Grabungsgelände werfen. Dann jährt sich die Klosterweihe zum 840. Mal, was die Stadt Altenburg gebührend feiern will.

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