09.03.12

Astronomie

Weitere Sonnenstürme befürchtet - Gefahr noch nicht gebannt

Ein Sonnensturm kann Stromausfälle verursachen, den Flugverkehr behindern, Satelliten und damit auch die Satellitennavigation per GPS stören. Auch in den nächsten Tagen bestehe die Wahrscheinlichkeit weiterer Sonnenstürme.

Foto: dapd
Der Sonnensturm am Donnerstag verlief glimpflich. Aber künftig könnte so mancher Sturm aus dem All Störungen auf der Erde verursachen: Die Sonnenaktivität nimmt zu
Der Sonnensturm am Donnerstag verlief glimpflich. Aber künftig könnte so mancher Sturm aus dem All Störungen auf der Erde verursachen: Die Sonnenaktivität nimmt zu

Washington/Göttingen. Es bestehe in den nächsten zwei bis drei Tagen noch eine hohe Wahrscheinlichkeit für weitere Sonnenstürme in Richtung Erde, sagte der Astrophysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen am Freitag. Die Gefahr durch Sonnenstürme sei noch nicht gebannt, die entsprechende Region auf der Sonne sei noch immer aktiv.

Die Stürme aus dem All bescheren allerdings einen hübschen Nebeneffekt: Polarlichter sind in nördlichen Regionen gut zu beobachten. So konnte zum Beispiel über Island ein wunderbares Schauspiel am Himmel genossen werden.

Der Sonnensturm, der am Donnerstag die Erde traf, hatte allerdings deutlich weniger Auswirkungen als befürchtet. Es habe nur einige Störungen des Funkverkehrs in der Nordpolarregion gegeben, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. "Ansonsten ist nichts passiert."

Ein neuer Sonnensturm, der zwar zehnmal kleiner sei als der vorherige, könnte die Erde am Freitagabend treffen und vermutlich zu deutlich sichtbaren Polarlichtern führen, berichtete Curdt. Allerdings soll auch dieser Sonnensturm keine gravierenden Auswirkungen zum Beispiel auf Stromnetze oder GPS-Navigationsgeräte haben. "Ich glaube, dass auch diesmal nichts passieren wird."

Nach Angaben des Experten Joe Kunches von der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) war das magnetische Feld des Sturms günstig ausgerichtet, als es am Donnerstag auf das Magnetfeld der Erde traf: Beide verliefen nordwärts. Schlimme Folgen blieben daher aus.

Die NOAA hatte zunächst eine starke geomagnetische Intensität des Sturms erwartet, einen Rang G3 auf der Skala von G1 (am schwächsten) bis G5 (am stärksten). Am Donnerstag stufte sie die Intensität herab. Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu: Sonnenstürme werden häufiger und stärker. Grund für die Aktivitätsschwankungen ist der Rhythmus des Gastransports in den Außenschichten der Sonne.

Schwere Sonnenstürme können Satelliten, elektrische Anlagen, Navigationssysteme wie GPS und Funkverbindungen stören. 2003 führte ein solcher Sturm unter anderem zu einem mehrstündigen Stromausfall in Schweden, einem Ausfall des europäischen Flugradars, zur Verschiebung von über 60 Flügen in den USA und zum Verlust des Forschungssatelliten "Midori 2". (dpa)

Zahl der Sonnenstürme steigt derzeit an
Unsere Sonne schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren zwischen ruhigen und besonders aktiven Phasen mit vielen Sonnenflecken, Gasausbrüchen und Strahlungsstürmen.
Grund für die Aktivitätsschwankungen ist der Rhythmus des Gastransports in den Außenschichten der Sonne. Seit 2010 steigt die Aktivität der Sonne wieder an.
Während einer aktiven Phase treten vermehrt Sonnenflecken auf. Die damit verbundenen starken Magnetfelder können große Gaswolken aus den Außenschichten der Sonne ins All schleudern.
Diese sind elektrisch geladen und stören daher das Erdmagnetfeld, wenn sie die Erde kreuzen. Der resultierende geomagnetische Sturm kann unterschiedlich stark ausfallen: Meist bleibt er unbemerkt, schwere Stürme können jedoch Satelliten, elektrische Anlagen und Funkverbindungen stören oder sogar beschädigen.
Für Menschen auf dem Erdboden ist das Phänomen nicht gefährlich. Für Passagiere in Langstreckenflügen kann sich in Extremfällen eine erhöhte Strahlenbelastung ergeben.
Ein besonders starker Sonnensturm hatte etwa am 1. und 2. September 1859 die gerade eingeführten Telegrafenleitungen lahmgelegt und Polarlichter erzeugt, die noch in Rom und Havanna sichtbar waren.
Quelle: dpa
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