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Wissen

Tiefenbohrer erreicht Antarktis-See

Das Gewässer liegt fast vier Kilometer unter dem Eis. Womöglich existiert dort unbekanntes Leben

Moskau. Nach 30 Jahre langen Bohrarbeiten durch fast vier Kilometer dickes Eis sind russische Forscher in der Antarktis zum Wostoksee vorgedrungen. Von dem unberührten Ökosystem, das mehrere Millionen Jahre alt sein könnte, erhoffen sich Wissenschaftler unter anderem neue Erkenntnisse zum Klimawandel.

Medien in Moskau sprachen vom größten Erfolg der Antarktisforschung der vergangenen 100 Jahre. Mit einem Spezialbohrer habe das Team in fast 3800 Meter Tiefe die Oberfläche des seit etwa 500 000 Jahren isolierten Gewässers erreicht, teilte das Ministerium für Naturressourcen nach Angaben der Agentur Itar-Tass mit.

Die Mission ist umstritten. US-Forscher warfen ihren russischen Kollegen vor, bei der Bohrung Kerosin und Frostschutzmittel zu verwenden. Dies könne den See verschmutzen. Expeditionsleiter Waleri Lukin räumte den Einsatz des Gemischs zwar ein, wies die Vorwürfe aber zurück. Die Technologie sei bei ähnlichen Missionen in Grönland erprobt worden, sagte er.

Nach Ansicht des stellvertretenden Direktors des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, Heinz Miller, existieren vielleicht in dem unterirdischen See bisher unbekannte Mikrobenarten. Es sei vorstellbar, "dass sich dort neue evolutionäre Linien etabliert" haben, sagte Miller. Doch auch über die biologische Forschung hinaus gebe es vieles zu erkunden: "Wir wissen, dass es eine Reihe von Seen unter dem Eis der Antarktis gibt. Diese Seen sind völlig unbekannt, es gibt verschiedene Probleme, zu denen man bisher nur Theorien hat. Zum Beispiel über die physikalische Beschaffenheit, ob dort Sauerstoff in Form von Lufthydraten gespeichert ist."

Den russischen Kollegen sei zu gratulieren, sagte Miller. "Sie haben unter schwierigsten Bedingungen eine neue Tür aufgestoßen. Was sich dahinter verbirgt, wird uns noch lange beschäftigen." Das Risiko, dass sich Bohrlochflüssigkeit in den See entleert, halte er für gering, sagte Miller.(dpa)

 

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