Kameras überwachen Seevogel-Beifang in der Ostsee
Freest/Bonn. Seit einem halben Jahr nehmen je drei Kameras auf drei Kuttern der Fischereigenossenschaft Freest in Mecklenburg-Vorpommern jeden Winkel auf Deck ins Visier. Der Rund-um-Überwachung haben die Fischer freiwillig zugestimmt, weil sie Studien des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) über angeblich jährlich 17 000 bis 20 000 tote Seevögel in den Stellnetzen der Fischer anzweifeln.
Das BfN hat vorgeschlagen, wegen der Seevögel- und Schweinswal-Beifänge die Hauptfanggebiete, die zugleich auch Natura-2000-Schutzgebiete sind, für die Stellnetzfischerei zu sperren. Dabei geht es um die Oderbank, den Adlergrund sowie die westliche Rönnebank, den Fehmarnbelt und die Kadetrinne. Der BfN-Vorschlag muss von den Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft abgestimmt werden und soll dann, eventuell bereits 2012, nach Brüssel gemeldet werden.
Ein halbes Jahr nach dem Start ihres Big-Brother-Projekts hat die Fischereigenossenschaft erste Zahlen vorgelegt, mit denen die Fischer ihre Zweifel bestätigt sehen. "Bei 105 Fangreisen wurden fünf Beifangereignisse von Seevögeln registriert - das macht einen Anteil von 4,8 Prozent", berichtet Genossenschaftschef Michael Schütt. Die Seevogelstudie des BfN dokumentierte über drei Jahre bei 70 Fangreisen 15 Tage mit Seevogel-Beifängen - eine Rate von 21 Prozent.
Das Bundesinstitut für Ostseefischerei warnt davor, bereits jetzt Schlussfolgerungen aus den Freester Fangreisen zu ziehen. "Wir müssen mindestens ein gesamtes Jahr dokumentieren, um belastbare Ergebnisse zu erhalten", sagt Institutsleiter Cornelius Hammer.



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