13.10.10

Ein Zelt, das schmutziges Wasser reinigt

Hamburger Ingenieure entwickeln neue Technik für Regionen mit Regenmangel.

Foto: Jan Reher
Die Ingenieure Christine Oro Saavedra und Burkhard Blanck beim Überprüfen der Temperatur im Zelt.
Die Ingenieure Christine Oro Saavedra und Burkhard Blanck beim Überprüfen der Temperatur im Zelt.

Hamburg. Noch steht nur ein kleiner Prototyp unscheinbar in einem Garten, doch die Technik, die an dem Zelt entwickelt wird, könnte einen Beitrag zur Trinkwasserversorgung in sonnenreichen Ländern liefern. Mitglieder der Hamburger Gruppe des Vereins Ingenieure ohne Grenzen (Ingog), hauptsächlich getragen von Studierenden und Absolventen der Technischen Universität in Harburg, wollen mit einfachen Mitteln verschmutztes Wasser reinigen: Sie füllen es in das Becken eines luftdichten Zeltes, lassen es verdunsten und am Zeltdach abperlen.

"Jeder Campingurlauber kennt das: Obwohl es nicht geregnet hat, ist das Zelt am Morgen feucht", sagt Jan Reher, der das Hamburger Ingog-Team leitet. Allerdings gehe es hier nicht um die Tauwassergewinnung; vielmehr wird gezielt per Sonnenkraft dreckiges Wasser verdunstet. Reher: "Unser Kondensationszelt hat nur eine ein Quadratmeter große Fläche. Obwohl jetzt im Herbst die Sonne nicht mehr so stark scheint, liefert es immerhin noch einen halben Liter Trinkwasser pro Tag."

Die kleine Plastikpyramide hat eine Vorgängerin: In Süddeutschland baute ein Gärtnermeister ein vier Quadratmeter großes Zelt auf - und erntete im Jahresmittel zehn Liter Wasser am Tag. Das norddeutsche Testobjekt wurde so einfach wie möglich gestaltet und in den vergangenen Wochen verbessert, zum Beispiel windbeständiger gemacht. Nun soll es bis zum Herbst nächsten Jahres die Leistungsfähigkeit der Technik beweisen. Dann wollen es die Ingog-Tüftler zur Brauchwassergewinnung in Entwicklungsländern einsetzen.

Das niederschlagsarme bolivische Hochland könnte ein Einsatzort sein

"Wir werden in der Praxis sicherlich Zelte mit einer Mindestfläche von fünf mal fünf Metern brauchen", sagt Reher. Sie könnten im Jahr 2012 in drei Dörfern im bolivischen Hochland ihre Premiere feiern. Reher: "Dort fällt fast kein Niederschlag, den man sammeln könnte. Und durch die umliegenden Kupferminen ist das vorhandene Wasser stark mit Schwermetallen verschmutzt. Das ist ein idealer Einsatzbereich für das Kondensationszelt. Überall dort, wo ausreichend viel verunreinigtes, jedoch kein sauberes Wasser vorhanden ist und die Sonne kräftig scheint, macht unsere Technik Sinn." Bei der Solardestillation bleibt die Verunreinigung im Destillat zurück und (relativ) reines Wasser steigt als Wasserdampf auf und kondensiert.

Um die Jahreswende 2008/2009 starteten die Hamburger Ingog-Aktiven ihr erstes großes Projekt: Sie bauten Zisternen zur Trinkwasserversorgung im abgelegenen Regenwald im Westen Panamas. Auch dieses Land haben die Techniker wieder im Visier. Allerdings könnten dieses Mal niederschlagsarme Gebiete in den Genuss der Hamburger Entwicklungshilfe kommen.

(hi)
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