US-Studie
Klimawandel zwingt Tiere zum Umzug
Um mit dem Klimawandel Schritt zu halten, müssen viele Tiere ihren Lebensraum im Durchschnitt in Zukunft um rund 400 Meter pro Jahr verlagern. Diesen Wert haben US-Forscher mit Blick auf die vorhergesagten steigenden Temperaturen berechnet. In bergigen Regionen allerdings verschieben sich die Bereiche der jeweils passenden Temperaturen für die Tiere dabei langsamer, fand das Team um Scott Loarie von der Carnegie Institution for Science in Stanford im US-Staat Kalifornien heraus. In solchen Regionen reicht möglicherweise schon ein Aufstieg um ein paar Meter, um wieder einen passenden Temperaturbereich zu finden.
In flachen Bereichen allerdings - zum Beispiel Mangroven, Wüsten, Grasländern - müssen sehr viel weitere Wege zurückgelegt werden, berichtet die Forschergruppe im Wissenschaftsjournal "Nature" (Bd. 462, S. 1052). Die Forscher hatten ihrer Untersuchung ein Szenario (A1B) des Uno-Klimarats IPCC zugrunde gelegt. Dieses ist "wirtschaftsorientiert" und geht von einem weiter zunehmenden Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid aus. Daraus ergeben sich bis 2100 steigende Temperaturen. Um denen auszuweichen, müssten Tiere in höher gelegene, kühlere Bereiche abwandern. In flachem Gelände sind dafür längere Strecken nötig als in bergigem Terrain. Als Durchschnitt für das A1B-Szenario ergibt sich eine Strecke von 420 Metern im Jahr.
Rechnerisch lassen sich weitere Details angeben: Am langsamsten geht die Verschiebung in Nadelwäldern mit einer Strecke zwischen 80 und 110 Metern pro Jahr vonstatten, am höchsten fällt die "Temperaturgeschwindigkeit" in überfluteten Grasländern und in den Savannen mit 1260 Metern im Jahr aus. "Der Klimawandel setzt die Ökosysteme in Bewegung", schreibt die Carnegie-Institution.
Die Wissenschaftler weisen auch noch auf weitere Probleme hin. Weil der Mensch viele Lebensräume bereits ge- oder zerstört hat, können die vor dem Klimawandel weglaufenden Tiere möglicherweise nicht einfach von einem ins andere Ökosystem wechseln - ihnen ist durch ihren fragmentierten Lebensraum regelrecht der Fluchtweg abgeschnitten. Viele Arten könnten schlicht "nirgendwohin" gehen, teilten Wissenschaftler der beteiligten kalifornischen Akademie der Wissenschaften mit. Die neuen Daten könnten Tierschützern zeigen, in welchen Regionen sie besonders für den Klimawandel vorsorgen müssten.



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg






Das Rätsel des Tages



