Fracking: Studie klärt Ursachen von Trinkwasser-Verseuchung

Durham. Verunreinigungen des Trinkwassers infolge von Fracking gehen offenbar meist auf undichte Bohrlöcher zurück. Das Aufsprengen des Gesteins in der Tiefe sei vermutlich in der Regel nicht dafür verantwortlich, berichtet ein US-Team um Thomas Darrah im Journal "PNAS". Die Forscher hatten 133 Proben von Trinkwasserquellen analysiert, die sich in der Nähe von zwei Gasförderzonen in Pennsylvania und Texas befinden. Beide Zonen reichen bis in eine Tiefe von mehr als 2000 Metern – sie liegen also weit unter dem Grundwasserspiegel.

Beim Fracking wird Gestein unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dabei wird zuerst meist ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien durch Bohrlöcher in die Tiefe geleitet und dort horizontal in die jeweilige Zielschicht gepresst. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und dann mit Rohren an die Oberfläche befördert werden kann.

Auch in Deutschland und anderen Ländern wird über den Einsatz des Verfahrens diskutiert. In den USA stammt bereits ein Drittel der Erdgasproduktion aus dieser Technik. Kritiker befürchten, Fracking könne das Trinkwasser etwa mit Kohlenwasserstoff-Verbindungen verseuchen. Unklar war jedoch bislang, ob solche Stoffe tatsächlich durch die Fördertechnik ins Grundwasser gelangen oder aber auf natürliche Weise.

Die US-Forscher fanden in acht Proben-Gruppen erhöhte Konzentrationen von Kohlenwasserstoff-Verbindungen wie Methan. "In Texas sahen wir sogar, wie in zwei Wohnungen zunächst sauberes Trinkwasser nach dem Beginn unserer Studie kontaminiert wurde", berichtet Darrah. Doch keine der Verunreinigungen sei wohl durch das Aufbrechen des Gesteins in der Tiefe entstanden, sondern vielmehr durch Probleme bei den Bohrlöchern, etwa eine schlechte Verschalung. Studien müssten nun klären, ob die Wassermassen, die in die Tiefe gepresst werden, die Auskleidung der Bohrlöcher beschädigen können, sodass durch sie Gas in die Grundwasserschicht gelangt. Die meisten Probleme könnten vermutlich technisch behoben werden. Die Unversehrtheit des Bohrlochs sei eine "machbare und kosteneffektive Möglichkeit, Probleme mit Trinkwasserverunreinigung zu reduzieren", so die Forscher.

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