Studie belegt erstmals Sexualpheromone beim Menschen

Der Einfluss der Stoffe hängt unter anderem vom Geschlecht ab

Cambridge. Erstmals haben Forscher direkte Hinweise darauf gefunden, dass auch Menschen Sexualpheromone produzieren. Demnach bilden Männer und Frauen unterschiedliche Signalstoffe, die – vorwiegend bei Menschen des anderen Geschlechts – unbewusst die sexuelle Wahrnehmung beeinflussen. Das berichtet ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam im Fachblatt "Current Biology". Der Einfluss der geruchlosen Pheromone hänge vor allem vom Geschlecht und von der sexuellen Orientierung ab.

Pheromone, chemische Signalstoffe, die Informationen unter Artgenossen übermitteln, seien im Tierreich allgegenwärtig, schreiben die Forscher. Gerade für das Sexualverhalten spielen die Substanzen eine wichtige Rolle. Beim Menschen wurden bislang noch keine Sexualpheromone nachgewiesen.

Die Psychologen und Hirnforscher prüften nun zwei Stoffe: Androstadienon findet sich in Samenflüssigkeit und in den Achselhöhlen von Männern, Estratetraenol wurde im Urin von Frauen nachgewiesen. Studien deuteten daraufhin, dass die beiden geruchlosen Stoffe bei Vertretern des jeweils anderen Geschlechts die Laune heben. Unklar war jedoch, ob die Stoffe auch die sexuelle Wahrnehmung beeinflussen.

Dies prüften die Forscher an jeweils 48 zur Hälfte hetero- und homosexuellen Männern und Frauen. Diese sahen an verschiedenen Tagen sogenannte Point-Light-Walker, bei denen 15 Punkte einen bestimmten Gang widerspiegeln. Die jeweiligen Schrittmuster waren in unterschiedlichem Maße männlich und weiblich. Die Teilnehmer sollten die Gangart einem Geschlecht zuordnen. Dabei waren sie Androstadienon, Estratetraenol oder einer Kontrollsubstanz ausgesetzt.

Unter dem Einfluss des weiblichen Stoffs Estratetraenol neigten heterosexuelle Männer dazu, im Gang der Figuren eher eine Frau zu sehen. Bei heterosexuellen Frauen hatte der Stoff keinen Effekt. Diese reagierten jedoch auf Androstadienon, im Gegensatz zu den heterosexuellen Männern. Homosexuelle Männer und Frauen reagierten eher auf den Signalstoff des eigenen Geschlechts. Insgesamt war der Effekt nicht stark, aber doch deutlich ausgeprägt: "Wenn die visuellen Geschlechtshinweise äußerst unklar waren, führte das Riechen von Androstadienon im Vergleich zu Estratetraenol zu einer Veränderung der Geschlechtswahrnehmung von etwa acht Prozent", sagt Studienleiter Wen Zhou. "Unsere Resultate sprechen für die Existenz menschlicher Sexualpheromone", betont er. "Sie zeigen, dass die Nase aus Körpersekreten das Geschlecht erschnüffelt, selbst wenn wir auf bewusster Ebene nichts zu riechen glauben."

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